This is the German version of the open letter created by Letters for Black Lives, an ongoing project for people to create and translate…
Vor ein paar Wochen habe ich bei der deutschen Adaption des offenen Briefes der Initiative Letters for Black Lives mitgeholfen.
Letters for Black Lives hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Konversation über Rassismus und Polizeigewalt auf der ganzen Welt zu eröffnen. Mithilfe von 200 Beteiligten und weit mehr als 30 Übersetzungen in Schrift-, Audio- und Videoform, soll ein offener Brief dieser Aufgabe gerecht werden und über die #BlackLivesMatter Bewegung aufklären.
Dieser Brief ist geschrieben von Deutschen. Dieser Brief ist gerichtet an Deutsche.
Es würde mich freuen, wenn ihr euch diese kurzen 4 Minuten nehmen würdet und den Link mit euren Freunden und Verwandten teilt. Jeder einzelne, dem das Projekt Aufklärung verschaffen kann, ist ein riesiger Gewinn uns alle.
Ich weiß nicht, ob ich den folgenden Text veröffentlichen werde. Ich habe das Gefühl, dass es ziemlich persönlich werden könnte - und ich bin nun wirklich nicht der Typ Mensch, der viel Privates mit dem Internet teilt.
Also, kommen wir zum Punkt:
Ich bin ein unglaublich schlechter Freund.
Zumindest habe ich persönlich das Gefühl…
Ich bin ein Mensch, der sehr viel Zeit für sich braucht. Zeit, die ich alleine verbringe ist für mich wie ein Boxenstopp, um Energie aufzutanken und den Kopf klar zu kriegen. Und wenn ich “allein” sage, dann meine ich “allein” - ich verschanze mich förmlich wie eine Schnecke, vor Familie und Freunden. Vor Menschen, die mir eigentlich sehr viel bedeuten.
Diese “Boxenstopps” sind einer der Gründe, warum ich unheimlich schlecht im Schreiben bin. Eine Antwort auf WhatsApp kann manchmal Tage und Wochen dauern. Nicht, weil ich Menschen absichtlich ignorieren möchte, sondern weil ich mir für einige Konversationen speziell Zeit nehmen will.
Gespräche sind für mich etwas Einzigartiges. Man lässt sich auf einen Austausch mit einem anderen Menschen ein, macht sich selbst verwundbar, indem man sich öffnet. Gleichzeitig bringen schöne und inspierende Gespräche ein Gefühl der Entlastung mit sich. [Ausnahme ist Smalltalk - der ist einfach nur stressig.] Und eben weil Gespräche für mich diese tiefe Bedeutung haben, möchte ich mir dafür speziell Zeit nehmen und sie vorallem “persönlich” führen. Demnach gibt es auch eine Sache, die man währenddessen einfach nicht tun sollte - und das ist “Multitasking”.
Und genau deshalb habe ich ein Problem WhatsApp und Co.
Einziger Sinn dieser Apps ist es, Gespräche einfacher, schneller und damit stumpfer und unbedeutender zu machen. Plötzlich kann man mit der besten Freundin, dem Sitznachbar in der Schule, der Mutter, dem Fußballtrainer und dem schönen Mädchen aus dem Café gleichzeitig chatten, während man eine Tüte Chips aufreißt, um auf Netflix etwas Supernatural zu gucken.
Instant Messaging löst in mir Druck und Stress aus, weil man gezwungen ist innerhalb von 5 Minuten zu antworten. Tut man das nicht, ist das eben ein Zeichen von fehlendem Interesse, von Arroganz oder sonst was. Menschen die meine Einstellung, sich für bestimmte Gespräche Zeit zu nehmen, teilen, passen einfach nicht in diese Welt des Instant Messagings.
Leider nehmen einige Menschen es allzu oft persönlich, wenn Antworten etwas länger dauern und das gibt mir wiederum das Gefühl unzuverlässig zu sein - auch wenn das einer der letzten Eigenschaften wäre, die ich mir unter normalen Umständen selbst zusprechen würde.
Wenn mich jemand braucht, dann nehme ich mir auch die Zeit, egal ob jetzt gerade “Boxenstopp” ist oder 2 Uhr nachts.
Einerseits muss ich mit bestimmten Personen nicht jeden Tag reden oder schreiben, um mit ihnen “befreundet” zu sein, andererseits kann ich verstehen, dass andere diesen durchgängigen Kontakt brauchen. Mich macht dieser ständige Kontakt aber einfach nicht glücklich - vorallem, wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat.
Wenn du mich anschreibst, um mich zu fragen “was ich gerade so mache” und wir weiter keine anderen Gesprächsthemen haben, sollten wir es vielleicht von Anfang an lassen.
Vielleicht erfülle ich mit meinem Bedürfnis nach “Alone Time” und meiner Einstellung zu Gesprächen nicht das Verständnis von einem “guten Freund”. Aber ich weiß auch, dass das einer der Seiten ist, die ich an mir selbst nicht ändern kann. Und weil ich mir dessen bewusst bin, scheue ich es neue Menschen kennenzulernen.
Ich möchte nicht das neue Menschen sich auf mich einlassen, in der Hoffnung in mir einen neuen guten Freund zu finden. Einfach weil ich von Anfang an davon ausgehe, ihren Standards eines “Freundes” nicht gerecht werden zu können. Warum soll ich Menschen an mich binden, wenn ich weiß, dass ich sie sowieso enttäuschen werde.
Ich kann vielleicht nicht ändern wie ich bin, aber ich kann zumindest verhindern, dass Menschen sich Hoffnungen in mir machen, die ich nicht erfüllen werde.
Und dieser vielleicht komplett absurde Gedankengang, führt irgendwie dazu, dass ich mich immer weiter verschließe, mich immer mehr verschanze und immer mehr Boxenstopps in Anspruch nehme. Nicht nur um Energie für mich aufzutanken, sondern auch um andere davor zu schützen zu viel Hoffnungen in mich zu stecken.
Je mehr ich Menschen mag, desto eher habe ich das Gefühl, dass es das Beste für sie sei, wenn ich keine große Rolle in ihrem Leben spiele.
Und bevor das ganze hier in einer First-World-Problem-Heulsusen-Symphonie endet, höre ich einfach mal auf zu schreiben…
Falls ein paar Freunde den Text lesen sollten - danke, dass ihr es mit mir aushaltet.
In Vorbereitungen für ein neues Video, suchte ich heute nach einigen Fotos von mir im Alter von 9 Jahren.
Warum gerade Fotos von meinem 9-jährigen Ich? Nach 10 Jahren kann ich behaupten, dass dieses Alter ein Schlüsselmoment für mich war. Es sind viele Dinge passiert, die mich zu dem gemacht haben, der ich bin.
Wie das so mit Fotos ist, neigt man beim Anschauen dazu, in Erinnerungen zu schwelgen und über Vergangenes nachzudenken. Zunächst ploppen die schönen Momente auf und man findet sich in der “Früher war alles besser-Trance” wieder. Die wundervollsten und lustigsten Situationen sind die stärksten - es sind diejenigen, an die wir uns erinnern wollen.
Die weniger schönen Erinnerungen verdrängen wir - verdrängte ich, bis auch sie irgendwann den Weg hinaus aus dem dunklen Tal des Unterbewusstseins hinausstiegen. Eine Vielzahl an Gefühlen spürte ich in mir hochkochen. Scham, Wut, Trauer. Ich schämte mich, war wütend und traurig über Dinge, die ich damals tat oder sagte.
Wie konnte ich sowas tun? War das wirklich Ich? Mein jetziges Ich würde sowas niemals tun.
Und da begann ich mich zu fragen, ob diese Person aus meiner Erinnerung wirklich dieselbe Person ist, die heute von mir als “Ich” bezeichnet wird.
Dass sich meine Persönlichkeit in der Zeit in gewisser Weise verändert hat, steht außer Frage. Ich habe viel Wissen und Erfahrungen gesammelt. Aber vielleicht macht mich diese Veränderung ja zu einem anderen Menschen. Zu einem anderen “Ich”.
Würde ich gebeten werden den Begriff “Ich” zu definieren, wäre “Persönlichkeit” einer der zentralen Bestandteile, die ich dem Begriff zuordnen würde. Verändert sich dieses zentrale Bestandteil müsste folglich ein anderes “Ich” daraus entstehen.
Vielleicht ist das Leben eine ewige innere Metamorphose, in der man in Abhängigkeit von erlangtem Wissen und Erfahrungen sich ständig neu erfindet. Vielleicht gibt es keine Selbstfindungsphase, sondern nur ständige “Selbsterfindung”, abhängig von der Entwicklung der Persönlichkeit.
Dieser 9-jährige Clement, war einmal Ich - vor genau 10 Jahren. Aber heute bin ich das nicht mehr. Um es mit den Worten von zwei Ex-Youtubern auszudrücken:
“Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren.”
Das alles bedeutet letztendlich auch, dass Menschen sich ändern können. Jeder macht Fehler, aber jeder ist in der Lage an sich zu arbeiten. Darauf basiert meiner Meinung nach auch das Prinzip des Vergebens und der “zweiten Chancen”
Mein heutiges Ich, findet diese Vorstellung irgendwie spannend - dass man gestern ein Anderer war als man heute ist und wollte das mal mit euch teilen.
Vielleicht bin ich in 10 Jahren wieder ein Anderer. Eine andere Person, mit der ich nichts außer Erinnerungen teile.
Und vielleicht liest diese Person diesen Text gerade und neigt dazu in Erinnerungen zu schwelgen und über Vergangenes nachzudenken.