Den Sachsen geht es gut, aber...
Sachsen | 25. September 2017
7 Tage, 13 Orte, 920 Kilometer - einmal quer durch Sachsen. Das war unsere Reiseroute. Eine Woche haben wir uns Zeit genommen, um durch den Freistaat zu fahren und immer da anzuhalten, wo es uns gerade in den Sinn kommt. Das Ziel: Leute treffen, die uns ihre Probleme, ihre Geschichten erzählen und auch ihre Gedanken zur Bundestagswahl verraten.
Heute können wir sagen, das hat geklappt. Wir sind mit Mülsener Schulkindern im Bus nach Zwickau gefahren. Eine halbe Stunde für 10 Kilometer. Wir haben in Bautzen freies WLAN gesucht und tatsächlich Freifunk gefunden - in Gaststätten und dem Grünen-Büro in der Stadt. Und wir haben mit Eltern gesprochen, Kindern und Erziehern, die von zu wenig Betreuern und Lehrern für ihre Kinder erzählt haben. Überall in Sachsen.
Rückblickend sind gerade Bildung und Familie zwei Reizthemen. Egal in welchem Ort, egal, ob wir eigentlich gerade nach Breitbandanschluss, Infrastruktur oder Sicherheitsgefühl gefragt hatten, immer wieder kamen wir auf Bildung und Familie zu sprechen.
Und spannend war: Die Probleme sind eigentlich überall die gleichen. Selbst als wir Markkleeberg, im Landkreis mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Sachsen gelegen, mit Leipzig, der Region dem niedrigsten, verglichen haben, waren die Beschwerden stets ähnlich. In Kita und Hort sind zu wenig Erzieherinnen für zu viele Kinder. Es fehlt an Lehrern, der Unterricht fällt oft aus oder mehrere Klassen werden gleichzeitig von einem Pädagogen unterrichtet. Das muss sich ändern, finden die Anwohner, die mit uns gesprochen haben.
Das nächste, größere Problemfeld für die Sachsen: Die Arbeit. Auf der einen Seite Unternehmer, die sage, sie würden alles daran setzen, neue Mitarbeiter zu werben, aber häufig keine finden. Uwe aus Dennheritz beispielsweise, hatte einen Termin beim Jobcenter. 15 Interessenten für einen Monteursjob wurden ihm versprochen. Aufgetaucht ist einer. Und der wollte eigentlich auch nicht arbeiten, so der Unternehmer. Ein Problem, dass auch Bernd aus Meerane uns schilderte. Beide waren sich einig: Sie wünschen sich mehr Druck durch den Staat, vor allem durch Kürzungen beim Geld.
Auf der anderen Seite haben wir auch vielfach gehört, dass gerade diejenigen, die immer gearbeitet haben, jetzt mit einer zu geringen Rente abgespeist würden oder von ihrem Verdienst nicht genügend übrig bleibe. Trotzdem sagen fast alle, mit denen wir sprechen: Ihnen gehe es gut. Sie hätten alles was sie brauchen. Zufrieden seien sie deshalb aber noch lange nicht.
Ernüchterung nach der Wahl
In Sachsen ist die AfD jetzt die stärkste Kraft. #BTW17 pic.twitter.com/Tp3GslbXkY
— tagesschau (@tagesschau)
25. September 2017
Sonntag, 18 Uhr. Erste Hochrechnung in Meerane. Auf dem Kürbisfest wurde es plötzlich politisch, auf der Bühne stand ein Bildschirm für die Fernsehübertragung. Doch als die Zahlen dann bekanntgegeben wurden, zeigte sich bei den Zuschauern Ernüchterung, Resignation und Wut.
Zufrieden scheint im Gespräch mit uns jedenfalls keiner. „Nochmal vier Jahre Stillstand“ stöhnen einige. So würde sich ja wieder nichts ändern an den Löhnen und Renten, in den Schulen und den Kitas. Dass die AfD bei 13 Prozent liegt, sorgt vor allem für Kopfschütteln, wirklich überrascht sind die Meraaner aber nicht.
Mehrheiten im Land: Jamaika ist eine (westdeutsche) Insel https://t.co/mpSNvRJy22 via @SPIEGELONLINE pic.twitter.com/3MyYu2oWOU
— Mathieu von Rohr (@mathieuvonrohr)
25. September 2017
Wir haben die Besucher nach der Koalition gefragt, die ihnen die liebste wäre. Jamaika ist für viele tatsächlich noch die bessere Option, wobei „kleineres Übel“ es besser trifft. Einen Befürworter der großen Koalition haben wir nicht getroffen. Die positivsten Stimmen hoffen aber vor allem auf eine starke Opposition. Von der Regierung, die da kommt, erwarten sie aber wenig. Denn die wird wohl wieder keine für den Osten sein, glaubt zumindest den Menschen in Meerane.










