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História e teoria de uma lei inconstante e polar
Unbeständige sind die, die laufend auch Wesen, aber immer wieder andere Wesen sind. Pendler, Handlungsreisende, internationale Manager, Wanderarbeiter, Flüchtlinge, Touristen, Kosmo- und Astronauten, Seeleute, Glücksritter, Wanderhuren (gibt es mehr als eine?), Alchemisten, fahrendes und fliegendes Gewerbe, Unternehmer und schließlich alle die, die mal hier, mal dort, dann und wann mal so, mal so sind: das sind Unbeständige.
Diejenigen, die an zu wenig oder an nichts glauben, die werden in Recht und Literatur nicht als Unbeständige bezeichnet. Diejenigen, die an alles glauben, nur nie zur selben Zeit und am selben Ort stabil glauben, sowie diejenigen, die nicht gleich, aber ergriffen (kolonialisiert) oder geschickt (missionierend/ missioniert) glauben, die werden in Recht und Literatur, nämlich in diplomatischen Berichten an die Verwaltung, Unbeständige genannt.
Ein Synonym dafür ist Wilde. Unbeständige sind Wilde, höflicher nennt man sie wilde Herzen, wilde Seelen und wilde Köpfe.
História e teoria de uma lei inconstante e polar
In einem Text zum Recht der Wahrheit schreibt der französische Bild- und Rechtswissenschaftler Pierre Legendre über städtische Architekturen am Beispiel eines Bahnhofs, einer Kirche. Egal wo: man findet Menschen, die warten. Das sieht er als Eigenschaft von Architekturen an, die er als Institutionen versteht. Auch im Gericht, in der Kanzlei, im Hotel und daheim: Die Menschen halten mehr oder weniger anspruchsvoll Zeit durch, sie warten oder erwarten was. Institutionen sind vielleicht weniger Gegebenheiten, die wir anzunehmen haben als vielmehr Denkräume, die uns (er-)warten lassen: uns, die von Natur aus phantasiebegabten, aufsitzenden Wesen.
Die Leute sitzen nicht nur, sie laufen auch. Sie rennen oder rinnen, verhalten sich wie der Rhein und alles, also also zumindest alles das, was vom Blitz angestossen wurde oder vom Blitz seine Anstössigkeit erhielt. Schon im Sitzen geht durch die Leute eine Bewegung, sie sitzen mehr oder weniger geladen. Im Laufen schlägt die Bewegung sichtbar nach außen.
Aby Warburg ist neben Pierre Legendre ein weiterer, anregender Bild- und Rechtswissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er arbeitet zu den gleichen Subjekten, Objekten und Handlungen wie Legendre, seine Fragen entzünden sich aber allesamt an etwas, durch das Bewegung geht. Die Nymphe, eines der Warburgschen Subjekte und Objekte ist eine Laufende. Auf den Staatstafeln findet man sie wieder, als Querela und Spes, Wesen die laufend auch Frauen sind, aber keine Frauen sein müssen. Warburg fokussiert sie als Wesen, durch die Bewegung oder Regung geht. Durch sie geht ein Regen und Regieren, ein Richten und Regeln. Die Figuren würde ich als Unbeständige verstehen: sie verkehren und verkehren nicht nur sich, sie verzehren und verzehren nicht nur sich.
Neue Indizien
Neue Indizien zur Arbeitsthese: Man kombiniert hier nachhaltigen Tourismus mit Schwerindustrie, kenn' ich. Gleich neben den Stränden die Bohrinseln, gleich neben der kolonialen Architektur erst die Siedlung für die Angestellten des Atomkraftwerkes und dann das Atomkraftwerk selbst. Die Fahrt von Trindade bis Rio de Janeiro führt so über Linien imperialer Phantasien, sie holen zuverlässig die Gesellschaft oder die Gemeinschaft ein, dasjenige, wo Tischgemeinschaften oder Tafelgesellschaften zu Kantinen werden.