Beharrlichkeit ist eine Tugend
Ich so Oberarztvisite. Mäh. Macht mich immer noch total nervös, weil ich noch nicht so richtig weiß, was ich da tagtäglich eigentlich tue. - "Das ist die 86jährige Frau Kryogenes, die wegen ihres kalten Beins vor zwei Wochen am rechten Bein Thrombektomiert und rekanalisiert wurde und eine prophylaktische Kompartmentspaltung erhielt. Postoperativ entwickelte sie auf ihre vorbekannte Demenz ein Delir und musste eine Woche lang auf der Intensivstation betreut werden. Sie verweigert jegliche Tabletten- und Nahrungsaufnahme und wird heute wegen hypertensiver Entgleisungen internistisch verlegt." Unter der Bettdecke regt sich was. Frau Kryogenes' Hände krabbeln über die Enden der Decke und schieben sie einen Zentimeter zurück. Mit misstrauischem Blick taucht nur die verschrumpelte Augenpartie aus dem Bett auf und beäugt uns skeptisch. - "Haben Sie meine Geleebananen?", fragt sie misstrauisch. - "Nein, Frau Kryogenes. Wir sind die Ärzte hier im Krankenhaus. Geleebananen wollte Ihre Nichte heute Nachmittag vorbeibringen." - "Ich will aber Geleebananen!" <längere Diskussion über Antidiabetika hier einfügen> - "Und die Geleebananen?", ruft Frau Kryogenes. "Was ist denn das hier für eine Kaserne, in der es keine Geleebananen gibt?" <Gespräch über Antihypertensiva hier einfügen> - "Haben Sie schonmal Geleebananen gegessen? Das ist das Leckerste auf der Welt! ICH WILL MEINE GELEEBANANEN!" <Gespräch über Geleebananen hier einfügen> <Die Visite verlässt den Raum> - "Wenn die Geleebananen da sind…", murmelte Dr. Sunshine. "Nehmen Sie sich mal ein Skalpell und versuchen Sie, die Tabletten in die Geleebananen zu operieren. Vielleicht funktioniert das.” - “Ist das denn legal?”, frage ich. - “Natürlich nicht. Das war ein Scherz. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte kurz, wir machen gleich mit der Visite weiter. Ich habe Lust auf Geleebananen bekommen."












