bei einem verkehrsunfall verliert anna den brathähnchenverkaufswagen, mit dem sie für den lebensunterhalt von sich und ihrem 13-jährigen sohn léo sorgt, einem leidenschaftlichen surfer, wie einst seine mutter und sein verstorbener vater. die versicherung weigert sich für den unfall zu zahlen und so müssen die beiden von den eisernen reserven und annas neuem, kleinen job leben. während sich die rechnungen häufen und auch léo alles mitbekommt und sich in der schule in schwierigkeiten bringt, meldet er seine mutter beim "game" an. zu gewinnen gibt es ein auto im wert von 50000 euro, womit die kleine familie all ihre probleme auf einen schlag los wäre. als stolze frau weigert sich anna anfangs an dem herabwürdigenden wettbewerb, in dem es darum geht am längsten mit mindestens einer hand mit dem besagten auto in kontakt zu bleiben, teilzunehmen. allerdings knickt sie dann unter dem druck der schulden und der angst alles zu verlieren doch noch ein und nimmt an dem wettbewerb teil, doch schon bald bereut léo, seine mutter hier angemeldet zu haben.
incarnada erzählt eine wunderschöne und rührende mutter-sohn-geschichte. eine geschichte von zwei menschen, die aufgrund des viel zu frühen todes des geliebten vaters und mannes ganz auf sich gestellt sind. eine geschichte einer mutter, die ihren sohn schützen will, ihm alles ermöglichen möchte und einem sohn, der auch als kind schon das gefühl hat, seine mutter schützen zu müssen, eine geschichte, wie es sie heute sehr oft gibt. er erzählt aber auch die geschichte einer gesellschaft, die vom sensationalismus lebt, in der es nicht mehr um den einzelnen geht, sondern nur um den nächsten hype in den medien, wo sich menschen ausliefern und alles tun um einmal im fernsehen ihren ruhm zu bekommen und sei es bei einem solch hirnrissigen wettbewerb, ein auto am längsten von allen anfassen zu können... anna ist scheinbar die einzige, die eigentlich nicht an diesem wettbewerb teilnehmen will, sondern irgendwie hineinstolpert. sie soll scheinbar in dem ganzen verrückten medienzirkus eine art zeichen der vernunft sein, doch wird sie auch einfach nur eine figur, an deren kampf die zuschauer sich ergötzen. sehr spannend und mitreißend geschrieben liest sich das buch wie von selbst. trotz, oder vielleicht gerade wegen dieser absurden spielidee kommt es immer wieder zu komischen oder tragikomischen momenten, die anna, léo und die ganze geschichte ganz einfach liebenswert machen.