céline wachowski ist eine milliardenschwere erfolgsverwöhnte stararchitektin, die in allen metropolen der welt ihren fingerabdruck mit ihrem architekturbüro hinterlassen hat. mit einer netflix-serie hat sich ihr kult-status noch erhöht - die grande-dame ist eine marke geworden, der überall ehrfürchtig begegnet wird. einzig in ihrer heimatprovinz québec hat sie trotz unzähliger versuche nie etwas bauen können - bis jetzt. der riesige medienkonzern webuy hat aus allen bewerbungen montréal als neuen sitz seiner firmenzentrale auserkoren - allerdings mit der bedingung, das céline wachowski als architektin der zentrale fungiert, die vielmehr als eine einfache zentrale ist, sondern vielmehr ein ganz neues viertel werden soll auf einer industriebrache im herzen der stadtinsel montréal. doch was als vielversprechendes projekt beginnt verwandelt sich immer mehr zu einem albtraum für den superstar. céline, die sich und ihr büro für sehr sozial, feministisch und in allen bereichen engagiert hält, wird überrollt von einer kampagne, einem protest gegen die gentrifizierung von altgewachsenen stadtvierteln, für die sie nun verantwortlich gemacht wird, für zwangsverkäufe, für wohnungskündigungen, immer mehr kommt dazu, plötzlich sieht sie sich auch verwürfen toxischer arbeitsathmosphäre in ihrer firma ausgesetzt. demos reißen nicht ab, polizeischutz muss her, denn morddrohungen bleiben nicht aus,... der aufsichtsrat muss zusammenkommen und beschließt, was sie nicht wahrhaben will... plötzlich wenden sich alte freunde ab, ihr leben scheint vor einem trümmerhaufen zu stehen.
mit diesem neuen roman entführt kev lambert den leser in eine welt absurden reichtums in dem der fall der großen fiktiven architektin céline wachowski begleitet wird. ein tragischer fall, ein tiefer fall. doch in all der dekadenz spielt geld doch weiter keine rolle. für die architektin die aus armen verhältnissen kam dreht sich weiter alles im literatur, vor allem proust, um kunst und mode, um den schein, der in ihren kreisen gewahrt sein muss. mit wachowski fällt zwar eine schillernde figur, die sich neu erfinden muss, doch all die politiker, die nur allzugern geld nehmen, um selbst in die hohen sphären der hochfinanz aufzusteigen, oder zumindest das gefühl zu haben dazu zu gehören, die reichen bauunternehmer und andere unternehmer der welt, die die menschen ausbeuten sind immer weiter da. und verschwinden sie, dann nur scheinbar, denn das geld ist weiter in ihrer familie und die geschichte perpetuiert sich... ein wunderbares porträt einer dame, die erst einmal absolut über allem steht, die sich selbst für die höchste moralische instanz hält, eine lichtgestalt, die es nicht mehr gewohnt ist, gegenwind zu bekommen, der alle scheinbar zu füßen liegen, bis sich da einer plötzlich erhebt und sie böse stolpert - lambert erzählt diese geschichte bissig, pointiert, politisch (vor allem oft bezogen auf québec und sein bestreben der unabhängigkeit) und ganz ohne schadenfreude. was lambert immer wieder durchblicken lässt: noch immer regiert geld und bestimmt den diskurs der politik und gesellschaft... es ist faszinierend - die geschichte beginnt recht zäh und nimmt dann plötzlich rasant an fahrt auf, bis man merkt, dass man schon am ende angelangt ist. genauso, wie das leben der protagonistin, so ist auch das lesen des romans wie eine achterbahnfahrt, nur dass man als leser am ende noch nicht wirklich lust hat auszusteigen...