Library as a Place. Zu einem Umschlag aus Library, PA.
Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)
Das Briefmarkenausgabeprogramm der USA im Jahr 1982 ist aus bibliophilatelistlischer Sicht bemerkenswert, denn man entschied sich, gleich zwei Ausgaben dem Bibliothekswesen zu widmen. Am 21. April gelangte die berühmte Marke zur Würdigung der Library of Congress an die Schalter, am 23. Juli eine, die das Bibliothekswesen der USA an sich in den Mittelpunkt bzw. die oberen rechten Ecken zahlloser Postsendungen rückte. Beide entsprachen dem frisch im Herbst 1981 auf 20 Cent erhöhten Porto für Inlandsbriefe, das immerhin bis 1985 stabil blieb. Und zu beiden Ausgaben gibt es eine Vielzahl von Erstagsbriefen (First Day Cover), die sich bei weitem noch nicht alle in unserer Sammlung bibliophilatelistischer Glanzstücke finden.
Einige aber schon, zum Beispiel die hier zu sehende Variante, deren Schmuckbild auch eine passende Illustration für die eigentlich immerwährende Berufsbilddebatte (#Büchertante) wäre. Die Besonderheit dieses Umschlags liegt jedoch in einem der beiden Poststempel. Der bringt uns nämlich die Existenz einer kleinen Kommune namens Library in Pennsylvania zur Kenntnis. Der Zip-Code lautet deutlich sichtbar 15129. Die irrtümliche Eingabe mit Zahlendreher 15139 offenbarte freilich, dass Ortsbenennungen mit Library keinesfalls selten im Steel bzw. Chocolate State sind - die verdrehte Postleitzahl führt geradewegs zu einer lauschigen Seitenstaße der Kleinstadt Oakmont, die den Namen Library Place trägt, vermutlich, weil sich die Carnegie Library der Stadt direkt um die Ecke befindet. Ein Hoch auf die Serendipity, übrigens.
Library, PA und eine kleine Bahnstation gleichen Namens (es gibt noch eine zweite Station namens West Library) liegen dagegen eine Auto- bzw. zwei Eisenbahnstunden südlicher und sind Teil des South Park Township, für das die Siedlung an der, wie könnte es anders sein, Library Road als eine Art Zentrum fungiert. Entsprechend spiegelt sich der Bibliotheksbezug auch im lokalen Einzelhandel wie beispielsweise der Speiseeisverkaufsstelle Tasty Cream of Library. Und selbstverständlich gibt es auch eine Public Library, die leider nicht Public Library of Library sondern South Park Township Library heißt. Diese wurde überraschenderweise erst 1960 gegründet. Der Ortsname geht dagegen auf die Privatbibliothek eines John Moore zurück und stellte einen gewissen Fortschritt zum bis dahin gebräuchlichen "Loafer's Hollow" dar, was hoffentlich stimmt, denn je mehr man darüber nachdenkt, desto eigenartiger wird das Assoziationsspiel hinter diesem Benennungsfeuerwerk. Immerhin Google Street View ermöglicht eventuelle Parallelen zum Bielefeld-Mythos nachzuprüfen und zu zerstreuen. Und man kann auch bei der öffentlichen Bibliothek der Gemeinde vorbeischauen:
Der Bibliophilatelist Larry T. Nix hat in seiner grandiosen Sammlung zudem eine Reihe von einschlägigen Belegen vorzuweisen und natürlich auch einen Beitrag zum Thema in seinem Blog: A Place Called Library. Wir geben uns derweil mit unserem Ersttagsbrief zufrieden und hoffen darauf, dass es uns vielleicht eines Tages nach South Park, PA verschlägt und dass zu diesem Tag das lokale Postamt noch in Betrieb sein möge.
(Berlin, 01.03.2016)













