Stop 13: Ecuador - Amazonas (05.12.2014 - 08.12.2014), ein Album auf Flickr.
Stop 13: Ecuador – Von Tena nach Limoncocha – Zwei Großstadtkinder auf der Suche nach dem wahren Dschungel Los geht es also in Richtung Amazonas-Regenwald. Worauf haben wir uns da nur eingelassen? Wäre die Tour von Baños nach Cuyabeno vielleicht doch die bessere Alternative gewesen? Nach vier Stunden Busfahrt erreichen wir den Ort Tena, der bis vor wenigen Jahren noch die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis darstellte. Durch die zunehmende Förderung von Erdöl im Amazonas-Regenwald von Ecuador und der damit verbundenen urbanen Erschließung des Gebietes, verlagerte sich diese Grenze allerdings weiter in Richtung Osten. Wir stellen also fest: immer noch nicht angekommen! Nichtsdestotrotz wollen wir uns ein, zwei Tage im Ort umschauen, ob sich nicht doch von hier eine Tour in den Regenwald starten lässt. Angekommen im Hotel Tena Naui, welches Jens, einem deutschen Auswanderer gehört, fühlen wir uns schon fast wieder ein wenig heimisch. Bis auf den Nachtwächter Ronny und das Zimmermädchen Erika sprechen hier alle deutsch. Das liegt vor allem daran, dass Jens mit deutschen Volontären zusammenarbeitet und ein Projekt im ecuadorianischen Regenwald leitet. Suuuuper! Jede Menge Informationen aus erster Hand. Die erste Nacht am Rande des Regenwaldes ist für Fine schon recht hart, immerhin ist es sehr heiß und überall, selbst bei geschlossenen Fenstern, wimmelt es von Ameisen, Kakerlaken, Spinnen, Fröschen und sonstigem Krabbelgetier. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, letztlich sind wir am Rande des Dschungels und dieser lebt! Wer damit nicht umgehen kann, der sollte lieber zu Hause bleiben. Nach einer trotzallem sehr erholsamen Nacht und einem erfolglosen Marsch durch den Ort, inklusive abklappern sämtlicher Touranbieter wird uns bewusst, dass entweder gerade Nebensaison ist oder aber Tena seine beste Zeit bereits hinter sich hat. Es gibt einfach keine Touristen, dementsprechend gibt es keine Touren mit größeren Gruppen die nächsten Tage, vielleicht Wochen. Und nun? Uns reicht es mit Planerei! Im Hotel ist Party angesagt. Alkohol und Grillen ist immer gut! Die Gespräche sind locker, alle haben ihren Spaß. Die Volontäre erzählen uns von einer Lodge am Rande des Yasuni Nationalparks am Rio Napo. Der verschlafene Ort wo die Straße, die Zivilisation aufhört nennt sich Limoncocha. Im gleichnamigen biologischen Reservat lässt sich der primäre Regenwald sehr gut erkunden (primärer Regenwald, weil er in diesem Bereich noch nicht abgeholzt und wieder aufgeforstet worden ist). Klingt gar nicht so schlecht, zumal wir eh keine Lust haben vier Tage im Dschungel zu verbringen. Fausto der Guide ist an diesem Abend auch da, da er ein guter Bekannter von Jens ist. Er erzählt uns von der Tour nach Limoncocha und bezeichnet sich selbst gerne als ersten und ältesten Guide des Gebietes. Klasse, das machen wir! Preislich zwar doch etwas mehr als erwartet, aber noch im Rahmen. Wir verabreden uns mit Fausto für den nächsten Abend. Die mittlerweile ziemlich betrunkenen Volontäre verabreden sich mit Guide Fausto für den nächsten Tag, allerdings noch zum Rafting auf dem Rio Napo. Rafting ist klasse und der Preis unschlagbar, da lässt sich Enno nicht zweimal bitten. Immerhin hat er schon in Banos mit dem Gedanken gespielt. Am nächsten Morgen, Enno pünktlich wie immer, Fausto als erster Südamerikaner überhaupt auch, nur von den ganzen Volontären ist nichts zu sehen. Wir treffen den leicht angeschlagenen Volontär Marian, der uns berichtet, dass man bis 6 Uhr morgens Trinken und Tanzen war. Die Gruppe sei quasi noch nicht startklar. Na bestens! :) Mit einer halben Stunde Verspätung können wir dennoch starten. Die ganzen verkaterten Volontäre schaffen es doch irgendwie in den Bus zu steigen. Keine weitere halbe Stunde später befinden wir uns bereits allesamt im Boot auf dem Rio Napo, gar nicht mal so übel. Das Wetter ist Bombe, das Rafting macht Laune, wenngleich es nicht mit Rafting in Neuseeland vergleichbar ist. Es ist eher eine gemächliche Ruderpartie mit gelegentlichen kleineren Stromschnellen und ein wenig Wellengang. Der Seegang reicht aber trotzdem um eine der verkaterten Volontärinnen dazu zu bringen doch mal kurz über den Rand des Bootes zu schauen und „sich die Sache noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen“. :) Vier Stunden später sind wir den ganzen Weg nach Tena zurück geschippert und doch recht erschöpft. (Leider war der Kopf der Beteiligten noch nicht so klar, um an einen Fotoapparat zu denken – heute gibt es leider kein Foto für euch :)) Am selben Abend haben wir schließlich unsere kleinen Rucksäcke gepackt, Gummistiefel ausgesucht und sind bereit mit Fausto in den Dschungel zu reisen. Vor Aufregung können wir gar nicht schlafen und liegen nur alibimäßig im Bett – schnarchen ja, schlafen nein ;) Vor allem Fine ist sich ihrer Sache bei den ganzen Krabbeltierchen zu schlafen, plötzlich nicht mehr sicher. Es klopft an der Tür – zu spät! Fausto ist da und wartet pünktlich um 22.30 Uhr im Taxi vor der Tür. Den 23 Uhr-Bus schaffen wir locker und versuchen die nächsten fünf Stunden noch ein wenig Schlaf abzubekommen. Doch wir haben mal wieder ganz besonders viel Glück mit unserem Nachtbus. Da Wochenende ist, sammelt der Bus erstmal alle Betrunkenen an der Strecke ein. Es dauert nicht lange, da riecht es nicht nur nach Sprit und Schweiß im Bus, sondern auch nach frisch erbrochenem Bier. Herzlichen Glückwunsch! Und wir dachten immer unsere Nachtbus-Fahrten können sich gar nicht mehr negativ toppen… Um 4 Uhr morgens endet die Straße und auch unsere Busfahrt und wir steigen mit Fausto in völliger Dunkelheit aus dem Bus und stapfen in unbekannte Richtung. Zu unserer Überraschung ist die Reise für den Moment beendet, wir stehen in einer Lodge, ganz allein mit Fausto und dem Manager der Lodge. Die beiden geben uns eine Hütte in der wir jetzt noch ein paar Stunden die Augen zu machen und ausruhen können, bevor wir in den richtigen Dschungel starten. Kuhl, damit haben wir nicht gerechnet. Wir inspizieren erstmal die an allen Seiten löchrige Hütte mit Taschenlampen und richten unser Bett mit dem Moskitonetz her. Naja lieber nicht so genau überall nachschauen, meint Fine mit leicht psychopatischen Blick in die Ecken. Natürlich kreucht und fleucht auch hier alles Mögliche umher. :) Keine zehn Minuten später liegen wir im Dunkel der Nacht und können es kaum glauben, dass wir uns mitten im Dschungel, im Amazonas, befinden. Es ist schon ein wenig beängstigend, draußen knackt und scharrt und knistert es ununterbrochen - der Lautstärkepegel ist enorm. Der Großteil der Tierwelt da draußen scheint nachtaktiv zu sein, wie soll man bei diesem Lärm nur schla….. grrrhhhh pfhhhh grrrrrhhh pffffhhh… mittlerweile ist es wieder hell und wir haben doch noch einmal fast vier Stunden geschlafen. Fausto weckt uns mit einem super-duper-Frühstück und bereits während wir am Tisch sitzen springen die Totenkopfäffchen gegenüber von Baum zu Baum! Um 9 Uhr machen wir uns zu dritt auf den Weg ins Reservat und zur Lagune Limoncocha. Wir melden uns beim zuständigen Obermacker ordnungsgemäß mit Reisepass an und dürfen unser Boot besteigen. Der Sohn des Vorstehers der Communidad in der sich die Lagune befindet begleitet uns, fährt das Boot und führt uns die nächsten Stunden durch den Dschungel. Mit Macheten bewaffnet schlagen wir uns den Weg durch sehr unwegsames Gelände und überqueren Flüsse und Moore, naja zumindest drei von uns vier Leuten tun dies. Eine Frau, deren Namen wir nicht näher nennen wollen, schafft es tatsächlich Knietief im Moor zu versinken, hier wäre also eine Anglerhose anstatt von Gummistiefeln angebracht gewesen. :) Kurz wird es etwas hektisch mit leichter Tendenz zur Hysterie, aber Tränen werden tapfer verkniffen. Weiter geht’s! Der Dschungel ist sehr beeindruckend. Wir sehen Totenkopfaffen, Riesenameisen, deren Bisse hohes Fieber verursachen, Blattschneideameisenstädte von 10 m Durchmesser, riesige Schmetterlinge in allen Farben, jede Menge wilde und überaus bunte Vogelarten und die verrücktesten Pflanzen überhaupt. Riesige Monsteras wachsen an noch viiiiiel riesigeren Bäumen, z.T. mit sehr spitzen Stacheln, damit die Tiere sich nicht daran vergreifen. Wir schwingen an Lianen, die so dick wie kleine Bäume sind, da sie von riesigen uralten Bäumen herunter baumeln. Der größte Baum den wir zu Gesicht bekommen hat aufgrund riesiger Brettwurzeln in Bodennähe bestimmt 10-12 m Durchmesser. Bodennähe bedeutet hier übrigens bis in etwa 4-5 m Höhe. :) Wahnsinn! Das Blätterdach ist dicht, es dringt kaum Sonne bis zum Boden durch, dennoch ist es unglaublich heiß und feucht. Zudem wird man auf Schritt und Tritt von einer Million Moskitos verfolgt. Wir sind bestens präpariert mit tropischem Mückenschutz, dennoch kommen wir am Ende des Tages auf ca. 30-40 Mückenstiche bei Fine und ca. 10-15 bei Enno. Selbst durch chemisch behandelte Kleidung stechen die Biester. Eine Empfehlung an dieser Stelle: Das Mückenzeug sollte einen sehr hohen prozentualen Anteil an DEET haben. Nach Aussage Faustos sind die Stiche zwar unangenehm, Denguefieber gibt es hier allerdings nicht und die Malaria übertragen nur die nachtaktiven Moskitos. Na da sind wir jetzt beruhigt. :) Auf dem Rückweg fahren wir zu einer Stelle in der Lagune, wo erst vor einem Tag zwei sich paarende riesige Anacondas gesichtet wurden. Wir suchen die Umgebung ab, aber leider lässt sie sich heute nichts blicken. Fausto schlägt vor, wir können die Lagune zur Erfrischung nutzen. In der Mitte sei es sicher, die Piranhas und Kaimane (Krokodile) sind nur am Rand - von Zitteraalen und Stachelrochen hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesprochen…Enno klettert trotzdem mal in die trübe Brühe. Ängstlich wie ein kleiner Junge zieht er ne schnelle Runde durch und kommt sichtlich erleichtert wieder zurück ins Boot. Wir legen eine späte Mittagspause ein, denn für 16.30 Uhr hat Fausto die nächste Tour angesetzt. Mit selbstgebastelten Angeln, Rindfleisch, Taschenlampen und Moskitospray bewaffnet machen wir uns auf den Weg zum Bootssteg. Dieses mal nur zu Dritt. Fine hat sämtliche Jacken und Hosen mit, die sie im Rucksack finden konnte. Dieses Mal sollen es die Mücken schwerer haben. Immerhin haben wir keine Lust uns Malaria einzufangen. Wir durchqueren die komplette Lagune auf einer Länge von fast 3 km und fahren in einen ruhigen Seitenarm. Hier ankern wir. Naja, Enno muss ganz vorn aufs Boot klettern und selbigen mit der Kette an einem Baumstamm befestigen. Ziemlich beunruhigend, da sich um uns herum ziemlich große Krokos und jede Menge Piranhas befinden. Wir machen die Angeln klar und halten die ersten Fleischbrocken ins Wasser. Was dann passiert ist unglaublich. Jeder der schon einmal Angeln war weiß, dass dies mit ziemlich viel Geduld und Ruhe verbunden ist. Hier allerdings ist es etwas komplett anderes. Sobald man die Angel ins Wasser hält reißt und zieht es in alle Richtungen. Die Piranhas stürzen sich wie die Irren auf das rohe Fleisch. Sie scheinen jedoch nicht dumm zu sein, denn ein ums andere mal zieht man nur einen leeren Haken zurück aus dem Wasser. Immerhin schaffen wir es zwei kleine weiße Piranhas aus dem Wasser zu holen. Diese Tiere sehen in echt richtig fies aus, mit ihren blutroten Augen und kleinen spitzen Zähnen. Wir fischen bis es dunkel wird. Dann wird die Plage an Moskitos unglaublich. Wir haben noch nie so viele Moskitos um uns gehabt. Ungelogen umschwirren uns Schwärme von bestimmt 5.000 Mücken. Das Moskitospray scheint aber recht gut zu wirken, jedenfalls schwirren sie lediglich um uns, gestochen werden wir an diesem Abend, wenn überhaupt, nur sehr wenig. Das Bild was sich uns die nächsten Stunden bietet ist unbeschreiblich. Wir setzen unsere Nachttour fort und fahren langsam aber zielsicher und möglichst lautlos zurück in die Lagune. Neben uns schwirren Tausende kleine Glühwürmchen im Sumpf, auf jedem Blatt hat sich ein Frosch breit gemacht, der uns ein paar Mücken wegnimmt und wir mittendrin! :) Mit unseren Taschenlampen leuchten wir rechts und links das Ufer ab. Sobald etwas rot zurückleuchtet heißt es direkt darauf zusteuern, denn das sind die reflektierenden Augen eines Krokodils. Jedesmal kurz bevor wir in Sichtweite sind, tauchen die Augen ab. Verdammt, das muss doch klappen. Und dann, nach einer weiteren Stunde Fahrt die Lagune entlang passiert es: ein riesen Krokodil mitten auf dem See, da wo die normal nie hinkommen (immerhin war Enno da vorhin noch schwimmen) wartet geduldig, bis wir direkt neben ihm sind. Und was für ein Ungeheuer das ist! Fausto meint es ist um die 4 m lang und es ist keinen Meter von uns im Wasser! Leider nur für ein paar Sekunden. Als wir zu nah kommen, taucht es ab und verschwindet in tieferes Gewässer. Wir können wieder atmen und bringen das Boot zurück zum Anleger und den aktiven Teil des Tages mit einer kleinen Nachtwanderung zu Ende. Und siehe da, wir haben lange darauf gewartet, aber da ist sie nun direkt vor uns an einer kleinen alten Hütte. Eine fette, haarige, eklige Tarantel. Fine ist fasziniert und angeekelt zugleich – lecker Mädche! Wir lassen sie mal lieber wo sie ist und machen uns zurück in die Lodge. Fausto hat die Piranhas natürlich mitgenommen und somit bekommen wir heute Abend frischen, selbstgefangenen Piranha serviert. Insgesamt muss man festhalten, dass das Essen mit den einfachen Mitteln vor Ort sehr wohlschmeckend, abwechslungsreich und überaus gesund ist. Erschöpft und überwältigt von den Eindrücken des Tages fallen wir wenig später ins Bett und heute Nacht stören die Geräusche des Dschungels schon nicht mehr so sehr wie noch die Nacht zuvor. Der nächste Tag beginnt früh. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Wir wollen den Sonnenaufgang auf der Lagune erleben und Vögel beobachten. Kurz vor 6 Uhr schippern wir drei bereits wieder auf der Lagune und sehen unglaublich viele exotische Vögel, die noch in ihren Nachtlagern verweilen oder bereits mit großartigem Gesang die Morgensonne begrüßen. Darüber hinaus beobachten wir unzählige Affen bei ihren allmorgendlichen Ritualen. Zu unserer Überraschung fragt Fausto ob Enno nicht einmal das Boot steuern will. Aber natürlich will er. Fetzt! Wir fahren gemütlich die Lagune entlang, genießen die Morgensonne, als Fausto plötzlich total aufgeregt aufspringt und Enno deutet er solle den Motor ausschalten. Er hat etwas entdeckt! Nicht weit von uns entfernt, Brüllaffen! Wahnsinn! Das ist wie ein Sechser im Lotto! Damals auf der Ilha Grande in Brasilien hatten wir sie nur gehört. Diese relativ kleinen braunen Affen sollen diese unnatürlich tiefen, furchteinflößenden Geräusche von sich geben!?!? Unglaublich! 15 Minuten beobachten wir die Tiere. Geräusche geben sie nicht von sich, aber wir sind uns einig, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt! Zurück im Lager gibt es noch ein schnelles Frühstück, wir haben es eilig. Wir wollen noch nach Pompey in das indigene Museum am Rio Napo. Dort angekommen, erklärt uns Fausto die Eigenheiten und Verhaltensweisen der unterschiedlichen indigenen Bevölkerungsgruppen, deren Lebensräume und die Vertreibung durch den Menschen und im speziellen durch die Ölfirmen. Ein wunderbarer Abschluss einer großartigen Dschungeltour ohne den ganzen touristischen Schnickschnack, wie Besuch eines Fakedorfes und eines Fakeschamanen. Zudem konnten wir eine Privattour ohne zehn andere Leute genießen und sind uns einig, diese Tour hat sich zur Abwechslung mal gelohnt! Den Bus zurück nach Tena erwischen wir pünktlich, wir wollen noch eine Nacht im Hotel in Tena schlafen, bevor es am nächsten Morgen weiter nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors, geht! Raus aus dem Amazonas-Dschungel, rein in den Großstadt-Dschungel…uuuund weg!











