16. Mai 2021
My Name is Luca
Nach einem langen Winter, der gefühlt nicht zu Ende gehen will, haben wir ein paar Tage Urlaub. Wir schätzen die Covid-Risikolage ab und entscheiden uns dafür, dass Camping kein Problem sein dürfte, in der Wildnis schon gar nicht. Und mit ausreichend Schnelltests im Gepäck sollte auch der eine oder andere Verwandschaftsbesuch kein Problem darstellen, zumal BesucherInnen und Besuchende mindestens das erste Mal geimpft sind. So pendeln wir zwischen festen Betten und unserem rollenden Campingbett, das mal irgendwo am Wegesrand, mal auf einem Campingplatz steht. Weil sich Schleswig-Holstein als erstes entschieden hat, die Campingplätze zu öffnen, reservieren wir dort was. Eines unserer Ziele liegt in der Nähe von Plön, danach geht es nach Fehmarn weiter.
In Plön bummeln wir ein bisschen durch das Städtchen und erleben ein verstörendes Stadtbild: Menschen sitzen an Tischen vor Restaurants, schwatzen, essen und trinken!
Das wollen wir auch. Wir steuern einen freien Tisch an und überlegen, wie das mit dem “Essengehen” noch mal ging. Die Erinnerung kehrt aber schnell zurück. Am Tisch angekommen fällt der Blick auf einen QR-Code, in dessen Zentrum “Luca” zu lesen ist. Die Luca-App ist mir aus der umfänglichen Kritik recht gut bekannt. Die Kritik ist bei mir vorrangig als weltfremdes Gemecker angekommen. Mag ja alles berechtigt sein, aber von so richtig tragfähigen Alternativen hörte man wenig.
Wir setzen uns. Ich hatte die Luca-App schon ein paar Wochen zuvor installiert, meine Partnerin aber nicht. Kein Problem: Ich habe im Gegensatz zu ihr genug Datenvolumen, “mache ihr Internet” über einen Hotspot, und sie lädt die App schnell herunter. Dann hangeln wir uns beide durch den Anmeldeprozess, der aber ins Stocken kommt, weil die Verifizierungs-SMS nicht ankommen. Deren Versand kann irgendwie gar nicht erst ausgelöst werden. Meine Partnerin findet den Dreh aber schnell heraus: Wir loggen uns in ein offenes Wlan der örtlichen Sparkasse ein, das über den Marktplatz der Stadt weht, und dann gelingt auch, was mit mobilem Datennetz nicht ging. Die SMS kommt an, wir bestätigen unsere Handynummern und scannen den QR-Code, der allein für unseren Tisch gültig ist.
Die DatenschützerInnen mögen mit ihrer Kritik an der Luca-App alle Recht haben. Aber besser als sich wie an vielen anderen Orten mit Name, Anschrift, Telefonnummer, Email-Adresse usw. auf Zetteln zu verewigen, kommt mir die Nutzung der App schon vor. Allein die Kritik, dass man frühzeitig die offizielle Corona-App des RKI aufbohren und eher als die Luca-App eine Kontaktnachverfolgungsfunktion hätte einbauen müssen, statt teurer Lizenzen zu kaufen, lasse ich gelten. Ich hab von Datenschutz aber auch keine Ahnung.
(Markus Winninghoff)
















