(M)eine echte rechte Hand
Rubber Hand Illusion und Herzwahrnehmungstest
Die Rubber Hand Illusion (RHI) beschreibt ein verblüffendes Phänomen, es beschreibt, wie sich das sogenannte Körper-Ich eine leblose Gummihand zu Eigen macht, also uns glauben lässt, dass diese Hand tatsächlich unsere eigene ist. Verblüffend ist dieser Befund vor allem deswegen, weil viele Jahre angenommen wurde, dass dieses Körper-Ich täuschungsresistent ist.
Diesen spannenden Sachverhalt haben uns Katharina, Franzi und Laura näher gebracht.
Wie kann man diesen Effekt, auch zu Hause, prima sichtbar machen?
Man legt die rechte Hand auf einen Tisch, die linke Hand bleibt unter dem Tisch verborgen. Neben die rechte ECHTE Hand, plaziert man einen Sichtschutz z.B, aus Pappe, dann legt man eine UNECHTE rechte Hand neben diesen Sichtschutz, z.B. wie unsere Referenten es machten, aus einem ausgestopften Gummihandschuh.
Nun braucht man einen "Versuchsleiter", der mit einem Pinsel oder einer Zahnbürste parallel über die echte nicht-sichtbare und die unechte sichtbare Hand streicht. Bereits nach einer kurzen Zeit, ist man davon überzeugt, dass die unechte Hand zum eigenen Körper gehört. Der Psychologe Manos Tsakiris ist der führende Forscher auf diesem Gebiet und beschreibt das Phänomen:
"Der Hauptgrund für die Illusion besteht darin: Das Gehirn versucht, den Konflikt zwischen den Berührungsreizen auf der eigenen Hand und den Streichelbewegungen, die die Versuchsperson auf der Gummihand sieht, zu lösen, indem es beide Sinnesinformationen zu einer zusammenführt. Dabei fängt die Sehinformation sozusagen die Berührungsinformation ein. Man beginnt daher das Gefühl zu entwickeln, dass die Berührungsempfindung von der sichtbaren Gummihand stammt."
Tsakiris wollte jedoch die Wirkrichtung des Effekts unter verschiedenen Bedingungen z.B. durch Veränderung der Position der Gummihand prüfen, um das Phänomen in seiner Gänze zu verstehen.
Die wichtigsten Schlussfolgerungen, die uns die Referenten präsentierten:
- Die RHI funktioniert nur bei kongruenter Position der Gummihand, sowie bei synchroner Stimulation.
- Die RHI funktioniert auch, wenn der Proband an seiner echten linken Hand stimuliert wird und dabei unechte rechte Gummihand sieht.
Tsakiris war mit dieser Entdeckung nicht vollständig zufrieden, denn die bisherigen Befunde bewiesen zwar eine multisensorische Integration exterozeptiver Signale durch bottom-up und top-down Prozesse, er stellte sich jedoch noch die Frage des Einflusses von Interozeption.
Er testete die innere Körperwahrnehmung von 46 weiblichen Probanden mit dem sogenannten Herzwahrnehmungstest. Auch diesen Test kann man zuhause wunderbar einfach zu zweit nachstellen. Auch wir haben ihn im Seminar unter der Anleitung der Referenten durchgeführt. Man selbst versucht dabei den eigenen Herzschlag zu zählen OHNE, dabei den Puls zu fühlen. Die andere Person fühlt den Puls in einem bestimmten Zeitintervall, z.B.30 Sekunden, danach werden beide Pulsschlagraten verglichen. So ähnlich geschah dies auch im Versuchslabor, anschließend wurde dann wieder die RHI durchgeführt. Tsakiris beschrieb:
"Diejenigen Versuchspersonen, die ihre inneren Körperzustände nur schlecht wahrnehmen können, waren viel leichter für die Gummihand-Illusion empfänglich. Offenbar gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der äußeren und der inneren Körperwahrnehmung. Menschen mit schwacher Sensibilität für die inneren Körperzustände sind in ihrem Gehirn abhängiger von der reinen Außenwahrnehmung des Körpers, etwa über den Sehsinn. Menschen mit guter innerer Körpersensibilität dagegen können besser vorhersagen, wie sich ihr Körper angesichts äußerer Ereignisse anfühlen wird. Sie sind daher weniger gefährdet, durch Körperillusionen getäuscht zu werden."
Unsere Referenten schlossen ihren Vortrag mit der Erkenntnis ab, dass die individuelle interozeptive Sensibilität eine entscheidende Rolle bei der Integration multisensorischer Signale spielt.