Eine Imagekampagne für den Mond
Ich studiere Kommunikationsdesign und tue mich schwer damit. Das Semesterprogramm macht es mir nicht leichter: Ziel der Aufgabe "Eine Imagekampagne für den Mond” ist es, mehr Interesse am Einfluss des Mondes auf unser Leben zu wecken. Zum Aufschreibezeitpunkt dieser Erinnerung und 14 Millionen verkaufte Esoterik-Ratgeber des Autorenpaars Poppe & Paungger später ist nur schwer vorstellbar, dass "Mondwissen” als exotisches Werbethema dienen konnte, aber so war es.
Im Juli 2019 erinnern mich massenweise Jubiläumsbeiträge zum fünfzigsten Jahrestag von Apollo 11 an die (wenigen) lustigen Momente in diesem Semesterprojekt: Ich will die Kommunikationsprotokolle des ersten Flugs zum Mond! Also das, was sich Armstrong, Aldrin, Collins und Houston über drei Tage erzählt haben.
Und jetzt kommt der Technikteil, der leider vor allem aus Erinnerungslücken besteht.
1994 recherchiere ich noch nichts im Netz. „Jerry and David’s Guide to the World Wide Web“, laut Wikipedia keine Suchmaschine im heute gebräuchlichen Sinn, sondern eine kommentierte Sammlung von Lesezeichen, wird mir erst ein Jahr später als Yahoo bekannt werden. Auch die ersten Emails verschicke ich 1995, d.h. ich muss der NASA entweder (wie mein Vater es tun würde) einen Brief schreiben, oder ich muss dort anrufen.
An die Telefonnummer der NASA (hihi, eine Nummer) muss ich über die internationale Auskunft gekommen sein; schon das wahrscheinlich ein interessantes Gespräch. Eines Nachmittags ziehe ich mir das WG-Telefon am ca. 12 Meter langen Kabel ins Zimmer und wähle von dort aus die mit 001 beginnende Nummer; nach dem Telefonat werde ich eine Menge “Einheiten” in die mit Stift und Papier geführte Liste eintragen müssen, die Ende des Monats als Grundlage für die Abrechnung dient.
Ich bin aufgeregt und will nicht, dass mir jemand zuhört. Mein Englisch wurde außerhalb der Schule nie an Muttersprachlern ausprobiert, und vielleicht habe ich auch nie einen Film auf englisch gesehen, obwohl ich als Teenager regelmäßig das Broadway-Kino in Landstuhl besucht habe; ein mondänes Multiplex-Kino mit schöner, großer Lounge und Live-Piano-Geklimper, das dem in Ramstein und Umgebung stationierten US-Army-Personal Blockbuster im Original und zum US-Filmstart zeigt.
Bei der NASA hebt jemand ab, aber ich weiß heute nicht mehr, wie es danach weitergeht. Werde ich an einen Zuständigen verbunden, um meine Bitte direkt vorzutragen, oder bekomme ich eine Faxnummer dafür? Letzteres kommt mir vage bekannt vor. Leider führe ich damals noch kein Techniktagebuch und hebe statt der Rechercheunterlagen nur das uninteressante Präsentations-Booklet zu dem Projekt auf. Darum weiß ich nicht sicher, ob ich tatsächlich irgendwann in Monospace-Schrift gesetzte Gesprächsprotokolle der Apollo-11-Besatzung vor mir liegen habe … wie in diesem schönen Beitrag in der New York Times, der mir so bekannt vorkommt.
Irgendetwas muss mich jedoch irgendwie erreicht haben. Als kleines Medley unspektakulärer Zitate (”Oh my god, unbelieavable, unbelievable”) wird es, zusammen mit wunderschönen technischen Zeichungen, als Epilog in besagtes Booklet eingebaut.