Spielend kulturelle Unterschiede erlernen
Unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Handeln werden geprägt durch Werte und Norme, die in unserer Gesellschaft als gültig anerkannt werden. Wir werden in eine Weltanschauung hinein erzogen, die wir mit anderen Teilen und die das Zusammenleben vereinfachen soll. Indem jeder möglichst den gleichen Regeln folgt soll ein harmonisches Miteinander entstehen. Doch was geschieht, wenn Menschen auf einander treffen, die unterschiedlichen Kulturen angehören und deren Weltanschauungen voneinander abweichen?
Am Freitag, 27.01.2017 bot der „Spielsalon der Begegnung“ die Möglichkeit sich einmal damit auseinanderzusetzen was passiert, wenn Menschen ihre gewohnte und vertraute Umgebung verlassen (müssen) und sich in einer neuen, fremden Umgebung bewegen (müssen). So versammelte sich eine bunt gemischte Gruppe bestehend aus sechs verschiedenen Nationen im Neuburger Kasten, um sich auf ein kleines Experiment einzulassen.
Petra Ulbrich leitete den Workshop, bei dem sich die einzelnen Teilnehmer in einem kleinen Warming –Up zunächst ein wenig besser kennen lernen sollten. Hierbei wurde Fragen nachgegangen wie „Kann ich es mir vorstellen im Ausland zu arbeiten?“ oder auch „Gab es Momente, in denen ich mich fremd gefühlt habe?“ Dabei entstanden die ersten kurzen Diskussionsrunden.
Anschließend teilten sich die Teilnehmer in vierer Gruppen auf, um endlich losspielen zu können.
Die Regeln des Würfelspiels waren recht einfach: Es gab einen Symbolwürfel und eine Anleitung, welche Aktion bei welchem Symbol durchgeführt werden solle. Nach ein paar Übungsrunden, in denen die Symbole auswendig gelernt wurden ging es los. Derjenige, der als erster die jeweilige Aktion durchführte bekam von den anderen Spielern einen Chip. Wer am Ende die meisten Chips gesammelt hatte, gewann die Runde und durfte zum nächsten Tisch weiter ziehen.
Schnell wurde in der zweiten Runde, in der nicht mit Worten kommuniziert werden durfte, klar: Hier stimmt was nicht! Diejenige Person, die neu dazugekommen war spielte auf einmal mit ganz anderen Regeln! Auch die dritte Runde zeigte, dass zwar das gleiche Spiel gespielt wurde, jedoch gab es an den Tischen Unmut, Resignation und Verwirrtheit.
Gegen Ende versammelten sich alle wieder zu einer großen Runde, die Raum für Diskussionen bot.
Von Petra Ulbrich angeleitet tauschten sich die Teilnehmer über die Erfahrungen, die während des Spiels gemacht wurden aus. Sie berichteten, wie sie sich gefühlt hatten, als sie in eine neue Gruppe gekommen waren oder auch, wie es für diejenigen war, als ein neuer Spieler hinzukam, der auf ganz andere Regeln beharrte.
Ausgehend von dem Spiel erzählten vor allem die jungen Menschen, die aus anderen Ländern hierher nach Deutschland gekommen waren über ihre Erlebnisse mit der deutschen Kultur. Für die deutschen Jugendlichen war es spannend zu hören, vor welchen Aufgaben gleichaltrige aus bspw. Syrien stehen, wenn sie sich in Deutschland bewegen. Es ging in erster Linie um einen Austausch; nicht um ein besser oder schlechter, eine Bewertung der unterschiedlichen Kulturen. Das Erlernen neuer Methoden und Strategien, um sich in der Fremde oder auch „mit dem Fremden“ zu Recht zu finden wurde mehrfach betont. Letztendlich ist es eine individuelle Entscheidung, wie viel von anderen Kulturen angenommen wird und wie viel ich von meiner eigenen Kultur mit in ein neues Land bringe. Es gibt Unterschiede und es ist auch nicht immer einfach, andere zu verstehen. Gerade deshalb ist es wichtig Mittel und Wege zu finden, um ein respektvolles und ein friedliches Miteinander zu gestalten.