"Warte nur ein Weilchen", flüstert mir die Stimme zu. Sie klingt wie ein Zuchtmeister aus dem Sado-Maso-Studio. Mit jeder heiseren Silbe genießt er mein Ausgelieftertsein. "Wenn die Staumauer birst, werden Bedürfnisse zur Springflut. Und damit meine ich nicht nur das Verlangen nach Licht, Luft und Freiheit. Spürst du den Druck auf deiner Blase? Einnässen erleichtert! Man überschreitet die Grenzen der Zivilisation. Ohne Selbstachtung erträgt der Mensch alles, also komm schon, Baby, lass es laufen." "Ich bin der Herr der dunklen Kisten", sage ich mir vor. Er kichert wie jemand, der von Haus zu Haus schleicht, um Werbebeschüren des Wahnsinns zu verteilen. "Du bist Sklave deiner Ängste. Ein Unberührbarer. Das haben sie dir in der Anstalt beigebracht! Pass dich dem System an und dämmere im Einerlei vor dich hin. Scheinlebendige Pflichtwesen begraben ihre Träume dort, wo niemand sie findet. Und was kommt dabei heraus? Geklonte Tage verleihen Sicherheit, aber keinen Sinn." "Du existierst nicht!", schreie ich ihn an. "Bedeutet Existenz für dich, einen Körper zu besitzen? Leugnest du auch Strahlung oder Energie? Kleingläubigkeit verschwendet Lebenszeit. Tu, was dir Spaß macht! Sei frei! Lebe für das Glück des Augenblicks, dann verspürst du auch in deinen letzten Stunden Zufriedenheit." Er summt die Melodie des Abzählreims.
Kopflos im Kofferraum - Markus Niebios










