Immer schön sauber bleiben...
Eine Hand wäscht die andere, die Hande in Unschuld waschen, oder sich die Hände rein waschen; all dies sind Redewendungen, die jedem bekannt sind und uns häufig im Alltag begegnen.
Doch wie kommt es zu der Verbindung von körperlicher und moralischer Reinheit?
Mit dieser interessanten Frage haben sich Helen, Charlotte und Contantin in ihrem Vortrag "Dirty hands and dirty mouth" beschäftigt.
In der Forschung gibt es verschiedene Theorien, die diesen Zusammenhang erklären wollen. So stellten Zhong und Liljenqist fest, dass eine Bedrohung der moralischen Reinheit oft mit einem erhöhten Bedürfnis sich zu waschen einhergeht. Das körperliche Wiederherstellen eines sauberen Zustandes nach moralischen Verstößen, impliziert also gleichsam die Wiederherstellung seelischer Reinheit.
Noch fehlte es diesem plausiblen Konzept jedoch noch an wissenschaftlicher Fundiertheit, die ein Experiment des Sozialpsychologen Norbert Schwarz erbringen sollte. Schwarz vermutete, dass sich Metaphern moralischer Reinheit auf bestimmte Körperteile beziehen würden. Basierend auf dieser Vermutung entstand die Annahme, dass das Bedürfnis moralisch "schmutzige" Körperteile zu waschen größen sein müsste als bei moralisch reinen Körperteilen.
In seinem Experiment untersuchte Schwarz zwei Hypothesen:
-Die Wiederherstellung moralischer Reinheit richtet sich danach mit welchem Körperteil der moralische Verstoß begangen wird.
- Moralische Reinheit wird sowohl durch moralisch verwerfliche, als auch durch moralisch integere Verhaltesweisen symbolisiert.
Schwarz testete 87 Studenten in verschiedenen Bedingungen, die seine Thesen repräsentierten. Die Probanden mussten sich in ein hypothetisches Szenario hinein versetzen, indem sie zum einen entweder tugendhaft oder unmoralisch handelten und zum zweiten entweder die Hände oder den Mund benutzen mussten.
Die Effekte dieser Bedingungen wurden gemessen, indem die Probanden Urteile zu der Erwünschtheit eines Reiningungsproduktes (Mundwasser oder Handdesinfektionsmittel) abgaben, sowie angaben, wie viel sie für das Produkt ausgeben würden.
Die Ergebnisse bestätigten die Annahmen Schwarz', denn:
- die mit dem Mund getätigte unmoralische Handlung verursachte, dass die Probanden das Mundwasser WEITAUS POSITIVER einschätzten als das Handdesinfektionsmittel.
- die mit den Händen getätigte unmoralische Handlung verursachte, dass die Probanden das Handreinigungsmittel WEITAUS POSITIVER einschätzten als das Mundwasser.
- die mit dem Mund getätigte moralische Handlung verursachte, dass die Probanden das Desinfektionsmittel STARK POSITIV bewerteten.
- die mit den Händen getätigte moralische Handlung verursachte, dass die Probanden das Desinfektionsmittel STARK NEGATIV bewerteten.
Die Ergebnisse liefern also Erklärungen dafür, woher die vielen Metaphern stammen, die gleichzeitig seelische, wie körperliche Reinheitszustände beschreiben. Außerdem ist der Vortrag eines von vielen Beispielen dafür, dass hinter vielen alltäglichen Beobachtungen des Lebens wissenschaftlich verifizierbare Konzepte stehen.