18.02.2026
Der Tag beginnt in Melilla la Vieja.
Die Sonne steigt langsam über das Mittelmeer und taucht die Mauern der alten Festung, die seit Jahrhunderten Wind, Wellen und Belagerungen aushalten, in goldenes Licht.
Mit den Möwen, die hier ihre Runden drehen, schauen wir hinunter auf das Meer. Mitten in Nordafrika und doch in Europa, ist die kleine spanische Enklave von einer der am besten gesicherten EU Außengrenzen umgeben.
Anscheinend wurden wir bereits angekündigt, denn bei der Grenzkontrolle wurden wir explizit darauf hingewiesen, dass die Einfuhr auch kleinster Mengen Bier nicht erlaubt sei. 😤
Später führt uns unser Spaziergang ins Zentrum rund um die Plaza de España. Orangenbäume säumen den Weg. Es riecht nach Frühling. Doch leider wirkt die Stadt heute wie ausgestorben. Liegt es an der Uhrzeit oder an Ramadan? Wir wissen es nicht. Die Meisten Restaurants und Geschäfte haben ihre Rolläden herunter gelassen. Wir finden trotzdem ein kleines Café und kehren für einen Moment ein, bevor wir weiter in Richtung Strand schlendern.
Als der Horizont sich langsam verfärbt, machen wir uns auf den Rückweg zur Grenze. Erst hier wird uns wirklich bewusst, unser Ausflug nach Melilla ist nicht einfach nur ein kleiner Tagestrip, sondern eine Reise in eine andere Welt, eine Welt, die für viele unerreichbar für immer hinter Stacheldraht verborgen bleibt.
Was tagsüber noch fix über die Bühne ging, wird heute Abend zur Tortur. Wir wollen schnell zurück nach Nador, etwas zu Abend essen und den Tag in alle Ruhe ausklingen lassen. Statt dessen finden uns in einer Menschentraube wieder, mitten im Gedränge, umgeben von Gitterstäben, stehen wir zitternd in der Kälte und merken, dass auch wir in diesem Moment hilflos auf wenigen Metern zwischen Mauern und Metall feststecken und keinen Einfluss mehr haben, auf das, was um uns herum passiert. Ich öffne eine Weinflasche mit dem Autoschlüssel, will das Geschrei um uns herum betäuben, darf sie eh nicht mit nach Nador nehmen, es dauert aber wir haben Zeit. Böse Blicke einer alten Frau ruhen auf meiner Schulter. Hinter uns wird das Geschrei lauter, arabisch, wir verstehen erst, worum es geht, als wir sehen, wie sich ein junger Mann frech durch die Reihe schiebt, um sich vorzudrängeln. Er grinst mich lüstern an, es ist dunkel, ich schreie auf deutsch, hier geht es nicht vorbei, bin sauer, unsere Tochter zittert vor Kälte, er versucht mich zur Seite zu stoßen und hat einen Ellbogen in der Rippe. Überrascht durch diesen ungewohnten Tiefschlag von Seiten einer Frau, lässt er sich zurück fallen. Die Schreie werden zu Gelächter, vorhin noch abfällige Blicke wandeln sich zu Händen, die mir auf die Schulter klopfen. Ich mag es nicht. Will weg aus dem Kessel der Unterdrückung.
Fast drei Stunden später haben wir es geschafft. Europa liegt hinter uns und wir stehen wieder auf der marokkanischen Seite des Zaunes.














