Zu schnell gefahren - Die JuVi-Geschichte vom 28. Juni 2013
Theo schaute kurz noch einmal auf seinen Tachometer, bevor er langsamer wurde: 73 in einer 50er Zone. Mist, das war das vierte Mal in gleicher Anzahl von Monaten.
Er fuhr rechts an den Straßenrand und dachte: "Lass den Polizisten doch wieder einmal herummosern über meinen Fahrstil. Mit etwas Glück würde ein noch schnellerer Autofahrer an ihnen vorbeiflitzen, an dem der Bulle mehr Interesse hätte."
Der Polizist stieg aus seinem Auto, mit einem dicken Notizbuch in der Hand. War das etwa Hubert ? Hubert aus der Kirche?
Theo sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel: Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. Er stieg aus dem Auto um Hubert zu begrüßen.
"Hi Theo. Komisch, dass wir uns so wieder sehen !"
"Hallo Hubert."
"Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen."
"Ja, so ist das."
"Ich bin erst sehr spät aus dem Büro gekommen. Jule erwähnte etwas von Roast Beef und Kartoffeln heute Abend. Verstehst du, was ich meine?"
"Ich weiß, was du meinst. Und ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast."
„Aua“, dachte Theo. Das ging in die falsche Richtung. Zeit, die Taktik zu ändern.
"Bei wie viel hast du mich erwischt?"
"Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?"
"Ach Hubert, warte bitte einen Moment. Ich habe den Tacho sofort gecheckt, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf höchstens 65 km/h geschätzt!"
"Bitte Theo, setz dich wieder in dein Auto."
Genervt quetschte Theo sich wieder ins Auto. Ein Knall. Türe zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett. Hubert war fleißig am Schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte Hubert nicht seinen Führerschein und die Papiere sehen?
Dann klopfte Hubert an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Theo öffnete das Fenster, maximal 5cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Hubert reichte ihm den Zettel und ging dann zu seinem Auto, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Theo faltete den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten? Doch, Moment: War das ein Witz? Das war gar kein Strafzettel! Theo las:
Lieber Theo, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war, starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten; der Typ ist zu schnell gefahren.
Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben.
Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht, diesem Mann zu vergeben. Tausend Mal habe ich gedacht ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich.
Und sei bitte vorsichtig, Theo. Mein Sohn Ist alles was ich noch habe.
Hubert
Theo drehte sich um und sah Hubert wegfahren. Langsam fuhr auch er nach Hause.
Verfasser unbekannt
Herr Jesus,
Du gibst uns immer wieder die Möglichkeit neu anzufangen.
Du vergibst uns, wenn wir zu Dir kommen;
Du weist niemanden ab, der um Deine Hilfe bittet.
Gib uns die Kraft, Deine Vergebung zu erfahren und Mut, anderen zu vergeben, die uns vielleicht verletzt haben,
die uns auch unbewusst wehgetan haben.
Schenke uns ein liebendes Herz – eines, wie Du es hast.
Amen.













