Optionsschein-Mathematik für Fortgeschrittene (by Goldman Sachs)
Goldman Sachs hat an der Börse Hongkong einen Haufen Optionsscheine emittiert, bei denen ein klitzekleiner Fehler in den Bedingungen steckte. Und zwar wurde der Indexstand (in diesem Fall der japanische Nikkei Index) nicht durch die Währung geteilt, sondern mit dem Währungskurs multipliziert.
Dadurch steigt der innere Wert des Optionsscheins natürlich massiv. Man rechne das mal mit einem Dow durch: 11.000 Punkte mal 1,40 Wechselkurs sind halt deutlich mehr als 11.000 durch 1,40 ...
Nun gibt es diese Wechselkurse immer in beide Richtungen, z.B. schauen die Amerikaner auf den Euro aus Dollarsicht (Für 1 Dollar bekomme ich 71 Euro-Cent), die Europäer genau andersherum (für 1 Euro bekomme ich 1,40 Dollar). Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, wie ein solcher Fehler in die Optionsscheinbedingungen kommen kann. Es müssen halt die Formel UND der eingesetzte Wechselkurs zusammenpassen. Und von den 4 möglichen Kombinationen passen halt nur zwei ...
Im Fall der Optionsscheine von Goldman Sachs in Hongkong sollen jetzt statt wie geplant 10 Millionen Dollar offenstehen, sondern bis zu 350 Millionen. Die Goldman Sachs auch nicht richtig abgesichert haben kann, weil die ja intern mit der ursprünglich gedachten Konstruktion agiert und diese abgesichert haben.
Als der Journalist vom Economist den Fehler bemerkte, hat Goldman Sachs schnell versucht, die Papiere mit einem Aufschlag von 10% zurückzukaufen. Das haben die Anleger aber nicht angenommen, da der Wert der Papiere auf Basis der verbrieften Bedingungen wesentlich höher ist.
Mal schauen, ob und wie sich Goldman Sachs aus der Nummer herauswinden kann ...
FT Alphaville » Goldman Sachs makes an expensive typo
Übrigens lustig, wie lange ein solcher Fehler unbemerkt bleiben kann, sowohl von den Anlegern, wie auch vom Emittenten. Kein Wunder, bei Bedingungen, die leicht Buchdicke erreichen können.
Eigentlich sollte man alles verbieten, was nicht auf zwei Seiten vollständig beschrieben werden kann.