In Deutschland darf jede Person selbst entscheiden, ob sie nach ihrem festgestellten Hirntod ihre Organe spenden möchte. 2020 hatten etwa 39 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis, was zwar gegenüber 2012 einem Anstieg von 17 Prozent entspricht, aber immer noch zu wenig ist. Oftmals beschäftigen sich Menschen einfach überhaupt nicht mit einer Organspende, sind aber nicht aktiv dagegen. Aus diesem Grund wurde in den letzten Jahren immer wieder vorgeschlagen, das aktuelle opt-in System gegen ein opt-out System auszutauschen.
Was bedeutet opt-in System?
Das opt-in System ist das, was wir in Deutschland gerade verwenden. Jede:r Bürger:in kann kostenlos einen Organspendeausweis anfordern, ausfüllen und ist dann automatisch Organspender:in. Wer nicht möchte, macht einfach nichts. Kein Organspendeausweis = Keine Organspende.
Was bedeutet opt-out System?
Beim opt-out System wäre es genau umgekehrt. Jede:r Bürger:in wäre automatisch Organspender:in. Anstatt eines Ausweises, mit welchem die Entnahme von Organen erlaubt wird, mit sich zuführen, müssten Personen aktiv dagegen verfügen. (Zum Beispiel einen “Antiorganspendeausweis” bei sich tragen.) Keine Verfügung gegen Organspende = Organspender:in.
Warum sollte man das aktuelle System ändern?
Laut einer repräsentativen Umfrage standen 2020 82 Prozent der Deutschen einer Organspende positiv gegenüber. Wenn wir uns also noch mal in Erinnerung rufen, dass nur 39 Prozent einen Organspendeausweis besitzen, bedeutet das also, dass 43 Prozent zur Spende bereit wären aufgrund des fehlenden Ausweises im Fall der Fälle trotzdem nicht für eine Organspende infrage kommen würden. Es würden also automatisch mehr Leute, die wollen auch spenden und wer definitiv nicht möchte, müsste ja nicht.
Warum sollte man am aktuellen System festhalten?
Mindestens 18 Prozent der Bevölkerung würde man aufzwingen festzuhalten, dass sie nicht spenden wollen. Anders als jetzt würde damit die völlige Entscheidungsfreiheit, also auch die Freiheit, nicht darüber nachzudenken, nahezu entfallen. Außerdem würde auf Menschen, die möglicherweise gegen eine Spende sind, ein gesellschaftlicher Druck aufgebaut werden, der im aktuellen System so nicht vorhanden ist.
Ich selbst bin im Besitz eines Organspendeausweises und kann durchaus verstehen, warum Menschen an unserer aktuellen Verordnung festhalten wollen. Dennoch wäre ich für eine Umstellung. Es stehen hier 43 Prozent, die zum Spenden bereit wären, aber aus verschiedensten Gründen keinen Ausweis haben, gegen 18 Prozent, die auf keinen Fall spenden wollen. Da ist eine Umstellung auf ein opt-out System das, was für Deutschland am besten passt.
"Informationen über Organspende und den Organspendeausweis."