Dresdner Sommeliers präsentieren sächsische Winzer - und mehr
Weinfreunde kommen am Wochenende in Dresden voll auf ihre Kosten. Und sie können einige sächsische Weine in ziemlich entspannter Atmosphäre genießen. Am Sonnabend lädt Sommelier und Inhaber der Weinzentrale, Jens Pietzonka, über die Dächer der Stadt ein. Die "Roof Top Wine Party" beginnt am 9. Juli um 19 Uhr im QF Hotel. Auf die Dachterrasse hat er die jungen Ausnahmewinzer Stefan Winter und Juliane Eller aus Rheinhessen eingeladen. Aus Sachsen vervollständigt Matthias Schuh das Trio, dem Sommelier Pietzkonka ebenfalls viel Talent bescheinigt. Zu weißen und roten Weinen serviere die QF Tagesbar Antipasti und weitere Leckereien, hieß es. Der Eintritt ist frei, für die musikalische Live-Untermalung sorgen Lars Kutsche & Band.
Grafik: Veranstalter
Für Jungwinzer Schuh wird es eine kurze Nacht werden, denn schon am Sonntagvormittag schenkt der Betriebsleiter aus dem Sörnewitzer Weingut Schuh wieder aus - dann gemeinsam mit Kollegen aus anderen sächsischen Weingütern auf dem Konzerplatz auf dem Weißen Hirsch. Ab 11 Uhr lädt dort Shahzad Talukder, der Sommelier des Sternerestaurants bean & beluga, zum Winzerfest "Fête blanche" ein. Wie der Name sagt, stehen Weißweine im Mittelpunkt und die Gäste sollen möglichst in weißer Kleidung zum Schlendern und Genießen kommen, wünscht sich der 27-jährige Sommelier. Es soll ein ungezwungenes Fest werden, das der gebürtige Hesse als Plattform für die Sachsenwinzer sieht. Zum ersten Mal sind beim sommerlichen Winzerfest auf dem Konzertplatz nur sächsische Winzer dabei. Sie sollen die Vielfalt der Weine aus dem heimischen Anbaugebiet repräsentieren. Talukder meint, dass sich die Elbhänge vor allem für Weißweine eigneten. Müller-Thurgau, aber auch die verschiedenen Cuvées aus Riesling und Traminer schätzt der Sommelier besonders. Er will künftig mehr Sachsenweine, in wechselnder Zusammensetzung, auf die Karten des Sternerestaurants und der Weinbar im bean&beluga setzen und einheimische Winzer zu bestimmten Themenabenden präsentieren, kündigte er an.
Shahzad Talukder will sächsischen Winzern eine Plattform bieten.
Am 10. Juli können Weinfreunde zunächst neben Schuh-Weinen auch Rebensaft von Schloss Proschwitz, Schloss Wackerbarth, dem eher unbekannten kleinen Weinbauern Bernd Kastler, vom französischen Weinkellner Frederic Fourré, dem selbsternannten „Winemaker“ Ronald Nüssler sowie dem Winzer Martin Schwarz und aus dem Weingut Ulf Große probieren. Zudem können Raritäten vom Loschwitzer Elbhang entdeckt werden: neue Weine von Dr. Eckhard Meisel. Der Mediziner beschäftigt einen Winzer in Teilzeit und hat die Weine in diesem Jahr erstmals von Martin Schwarz in Meißen ausbauen lassen. Der Eintritt zum Winzerfest auf dem Hirsch ist ebenfalls frei.
Aus Liebe zu guten Weinen und zu Dresden - Sommelier Jens Pietzonka im Porträt
In Jeans und Sweatshirt setzt sich Jens Pietzonka lässig auf die Ecke eines Tisches in der Weinbar des bean & beluga auf dem Weißen Hirsch. So leger stellt man sich einen Sommelier – noch dazu einen mehrfach ausgezeichneten – eher nicht vor. Der 41-jährige Dresdner wurde im vergangenen Jahr vom Gourmetfachmagazin Falstaff zum besten Sommelier des Jahres 2013 ernannt, vom Aral Schlemmeratlas in die Liste der 50 besten Sommeliers Deutschlands 2014 aufgenommen.
Pietzonka sagt nüchtern, dass er auf die Ehrungen schon stolz sei, damit gerechnet oder gar gezielt daraufhin gearbeitet habe er aber nicht. Es seien für einen Sommelier schon so etwas wie späte Ehrungen, sagt der Restaurantleiter des bean & beluga schmunzelnd mit Verweis auf sein Alter. Vor mehr als 20 Jahren ist der gelernte Restaurantfachmann im Anschluss an seine Ausbildung zum Restaurantfachmann zum Wein gekommen, erinnert er sich.
Seine Chefs im Schlosshotel Bühlerhöhe in Bühl bei Baden-Baden sowie im Sternerestaurant Traube Tonbach in Baiersbronn haben den jungen Sachsen seinerzeit gefördert und für den Wein begeistert. „In Baden waren wir ja quasi mitten in den Weinbergen, haben auch bei Winzern mitgeholfen“, sagt Pietzonka. Als Jugendlicher in Dresden habe er nie Kontakt zu Sachsenwein gehabt. „Ich kannte von meiner Familie nur die Gruselgeschichten über die damalige Weinqualität an der Elbe“, erinnert er sich. In Diensten der HO hatten seine Eltern die Gastronomie im Dresdner Fernsehturm verantwortet. Aufgewachsen ist Pietzonka im Stadtteil Gruna, im Sommer 1989 flüchtete die Familie mit ihrem alten Wartburg über Ungarn in den Westen.
Offen für Neuentdeckungen: Sommelier Pietzonka (Foto: bean & beluga)
In einem Hotel in Ludwigshafen machte Pietzkonka schließlich seine Lehre. Nach den Jobs in der Spitzengastronomie in Baden – unter anderem als Commis Sommelier - arbeitete er in Berlin, auf Sylt und in Frankfurt am Main. In der Regel war er für die Weinauswahl der gehobenen Restaurants und Nobel-Caterer zuständig, hat dabei immer enge Kontakte zu europäischen Spitzenwinzern gepflegt. Seiner Heimatstadt Dresden und nicht zuletzt dem Dynamo-Fußball habe er sich stets eng verbunden gefühlt, bis er schließlich 2007 auch wieder an die Elbe zurück kam und hier mit seiner Freundin aus Schulzeiten eine Familie gegründet hat, sagt er.
Unkompliziert genießen: die Weinbar des bean & beluga im Stammhaus auf dem Weißen Hirsch. (Foto: bean & beluga)
Eine offizielle Sommelier-Ausbildung hat der anerkannte Weinfachmann nie absolviert. „Es war immer wieder einmal geplant, aber irgendwie hat es zeitlich nicht geklappt“, sagt er. Die Berufsbezeichnung Sommelier ist in Deutschland nicht geschützt. Für ein fehlendes Diplom habe er sich aber auch nie rechtfertigen müssen. Und seine Kompetenz in Sachen gute Weine stellt augenscheinlich in der Gastroszene niemand ernsthaft in Frage. Jens Pietzonka hat sich einen Namen gemacht und weiß auch um die Verantwortung: Hebt der Sommelier den Wein eines neuen Weinguts auf die Karte, beschert das dem Winzer zweifelsohne Aufmerksamkeit. „Ich bin immer offen für Newcomer“, sagt er. Allerdings sollten die Winzer schon stabil hohe Qualitäten liefern und nicht nur mit einzelnen Tropfen glänzen. Inzwischen darf der Sommelier in sechs Weingütern bei Cuvées sogar selbst mitreden. Diese Weine sind dann als exklusive Editionen ausschließlich in den Restaurants, Bars und im Feinkostladen des Dresdner bean&beluga-Imperiums zu haben. Rund 400 Positionen stehen auf der Weinkarte. Zudem werden die von Jens Pietzonka ausgewählten Weine inzwischen auch über einen Online-Shop vertrieben.
Feinkost und Weine gibt es bei bean & beluga auf zum Mitnehmen für die heimische Küche. (Foto: bean & beluga)
Der Weinexperte schwört dabei nach wie vor auf traditionelle Rebsorten. Pilzwiderstandsfähige Neuheiten hätten ihn bisher nicht überzeugen können. Missionieren will der Sommelier aber niemanden. „Wir präsentieren die Weine, bieten sie an und beraten“, sagt er. Es liegt ihm auch fern, eine Wissenschaft aus guten Weinen zu machen. Das schrecke eher aber, Pietzonka will aber für Wein begeistern. Um noch mehr Weinfreunden neue Tropfen vorzustellen, sollen in der Weinbar künftig mehr Veranstaltungen und Weinproben unter besonderen Themensetzungen stattfinden. „Zudem laden wir jeden Monat einen Spitzenwinzer ein und stellen dessen Weine dann einige Zeit in den Mittelpunkt“, kündigte Pietzonka an. Ende März geht es mit gleich drei Winzern aus dem benachbarten Anbaugebiet Saale-Unstrut los. Mehr dazu demnächst auf dresdenwein.de.