Fahrt nach Managua und Wiedersehen mit Melba &Co.
Und so bin ich dann Dreiviertel Fünf (für unsere Freunde aus dem kapitalistischen Teil Deutschlands: Viertel vor Fünf ;)) aufgestanden, habe mein Zeug gepackt und bin über die Straße direkt in den „Terminal 7-10“, wo auch schon der Bus nach Managua bereit stand. Rucksack abgeben, Kaffee und zwei Apfelstrudel kaufen, letzter Check der Finanzen und dann rein in den Bus. Man wird belehrt, dass an der Grenze für das VerlassenCosta Ricas 10$ zu zahlen sind und für das Einreisen nach Nicaragua 14$. Das ist neu.
Die Busfahrt verlief normal, ich hatte keinen Sitznachbarn, dadurch war es nicht ganz so unbequem. An der Grenze dann das übliche Spiel: Ausreisen aus Costa Rica - nur den Pass in die Hand, anstellen, zack einen Stempel rein und fertig. Dann die Einreise nach Nicaragua. Zuerst wurde ich und ein britisches Paar im Bus interviewt, nachdem alle anderen Mitfahrer ausgestiegen waren. Nach der Befragung durch einen Grenzoffizier haben wir dann all unsere Sachen geschnappt und haben uns an der Immigration angestellt. Da ich dem Busbegleiter gesagt habe, dass ich eine Drohne dabei habe, hat er mich an der Schlange vorbei nach vorn geschickt. Er ahnte wohl, was kommt. Da war aber eine honduranische Großfamilie am Start, und das in Kombination mit einer seeeeehr bedächtigen Frau am Schalter dauert dann eben glatt eine halbe Stunde, bis die permanent plappernden Damen der Familie irgendwann ihre Stempel und Papierchen hatten und abzogen. Der Busbegleiter war schier am Verzweifeln. Die Dame am Schalter stellte mir exakt die gleichen Fragen, wie der Beamte im Bus. Effektivität sieht anders aus. Nach fünf Minuten war ich durch und dann kam das Gerät zum Durchleuchten des Gepäcks. Und siehe da - große Aufregung, denn da war ja was. Ich sagte der Dame am Band, „ja, ich habe da eine Drohne drin“. Nichtsdestotrotz durfte ich meinen Rucksack vollständig leeren und am Ende verkündete die Dame mit meiner Drohne in der Hand stolz: „Un dron!“ Überraschung! Und da eine Drohne natürlich die nationale Sicherheit des Landes gefährdet, wurde die Drohne sichergestellt. Man könnte auch sagen, sie wurde mir weggenommen - aber laut Grenzbeamten natürlich nur „aufbewahrt“, damit ich damit keinen Schaden für das Land anrichten kann. Ich könne sie ja am Ende meines Aufenthaltes wieder hier abholen. Das wiederum konnte ich so nicht akzeptieren, da ich ja einen Flug von Managua aus nach Guatemala habe. Nach einer langen Diskussion (ich muss sagen, dass die Damen meine wütenden Bemerkungen zur Sinnlosigkeit dieses Unterfangens stoisch ertrugen) war dann folgendes klar:
1. die Drohne wird eingezogen,
die Drohne wird nach Managua zum Zoll des Flughafens geschickt,
dort kann ich sie dann gegen Vorlage diverser Papiere am Abflugtag abholen,
das Verschicken der Drohne kostet 30$,
die 30$ muss natürlich ich bezahlen.
Nun war das Spiel natürlich noch nicht zu Ende. Denn nun mussten ja die Papiere ausgefüllt werden. Ich erspare euch die Einzelheiten, möchte aber noch einen interessanten Fakt nicht verschwiegen. Als ich zu den Schaltern ging, wo ich dann erneut befragt wurde (siehe oben), waren zwei der Frauen gerade am Essen und die dritte telefonierte wohl mit ihrem Schatz. Als ich dezent darauf hinwies, dass sehr viele Fahrgäste das Busses auf mich warten, zeigte jede der Damen auf eine andere. ARBEITSMORAL! Nun, irgendwann hatte ich alle Papiere, sie hatten die Drohne, ich die Hoffnung, sie vielleicht wiederzubekommen und dann ging die Busfahrt mit einer leichten Verspätung von nur einer Stunde weiter. Ich habe mich dann in El Cruzero raussetzen lassen, da ich mir so Managua ersparte. In einem krachevollen Bus bin ich dann über San Rafael del Sur nach Pochomil gefahren. Natürlich hatte ich den allerbesten Stehplatz mitten im Gedränge, und das mit vollem Gepäck. Unnötig zu erwähnen, dass ich der einzige „Gringo“ im Bus war. In Pochomil angekommen, bin ich dann die paar Meter runter zur Strandpromenade gelaufen, wo sich die Pension Johana befindet. Und gleich kam mir Melba entgegen und es gab erstmal eine lange und heftige Umarmung.
Kurze Anmerkung: ich kenne die Familie von Melba und Enrique seit 2000 und besuche sie jetzt das siebte Mal. Originalton Melba:“Ekki, tu no eres amigo, tu eres parte de familia!“
Nachdem ich mein Zeugs abgelegt hatte, fragte mich Melba, ob ich denn ein Wasser wolle, da ich doch recht durchgeschwitzt war. „Agua???“, daraufhin wusste Melba natürlich sofort, was zu tun war und drei Sekunden später hatte ich ein kaltes „Toña” in der Hand. Und dann wurde natürlich erstmal viel erzählt. Innerhalb kurzer Zeit trafen dann alle drei Töchter samt ihren Kids ein und es gab immer wieder ein herzliches Drücken und Küssen. Ich erfuhr allerdings als erstes von Melba, dass es Enrique gerade nicht so gut geht. Man hatte ihm wegen einer Blutvergiftung den linken großen Zeh amputieren müssen. Er war jetzt auch in einem anderen Haus. Naja, mir wurden die „neuen“ Kinder vorgestellt und natürlich auch die anderen, die ich schon kannte, die aber nun sieben Jahre älter sind.
Hier ein kurzer Überblick meiner „zweiten“ Familie:
Mama: Yelba Melba Hernandez
Sohn: Norwing Enrique Lanza Hernandez Partnerin: Clara
Tochter 1: Samantha Massiel Lanza Hernandez Partner: Carlos
Tochter 2: Gabriela Guadelupe Lanza Cerda Partner: Luis
Milton Alfredo Arellano Lanza (M)
Jhadeling Neyzeth Estrada Lanza (M)
Adriana Misseybri Gutiérrez Lanzas(G)
Leyni Samantha Gutiérrez Lanza (G)
Keidy Victoria Brenes Lanzas (K)
Norwing Enrique Lanza Cruz (N)
Ragnar Caleb Lanza Cruz (N)
Kendall Jhareth Lanza Cruz (N)
Verwirrt? Macht nichts. Ich muss mich auch laufend neu ordnen.
Es war ein schöner erster Abend und nach und nach verabschiedeten sich alle bis auf Melba und Marta, eine Freundin (?) des Hauses. Mein elend warmer Raum war präpariert und mit einem Ventilator konnte ich auch halbwegs schlafen. Es war ja auch ein langer Tag gewesen!
Vokabel des Tages: Arbeitsmoral - ética de trabajo