EINE SCHRECKLICH ALLTÄGLICHE GESCHICHTE
Eigentlich ist die Geschichte alltäglich und darum kaum eine Zeile wert. Anderseits ist diese Geschichte schrecklich, weil man sich bereits an solche schrecklichen Geschichten gewöhnt hat. Das schreckliche an der Geschichte ist nicht nur der Überfall auf eine wehrlose Frau, sondern dass die Tat in einer Gegend passierte, wo man mit solchen Übergriffen nicht rechnet. Die Attacke passierte nicht in einem Großstadtpark, nicht am Mainufer in Frankfurt nach 21 Uhr, nicht in einem „sozialen Brennpunkt“, sondern mutmaßlich am Rande eines Naturschutzgebietes, mitten im freien Feld, wie aus dem Nichts. Wie aus dem Nichts tauchten da laut FNP, die sich an einem Polizeibericht entlanghangelt mitten im freien Feld drei „Männer“ auf und beleidigten eine 54jährige Frau, die dort mit ihrem Hund spazieren geht.
Einer schlägt ihr in den Bauch. Als sie zu Boden geht, tritt ihr ein weiterer ins Gesicht. Sie wird stationär in einem Krankenhaus aufgenommen, heißt es weiter. Und dann beginnen, schon für einen Laien erkennbar, die Ungereimtheiten, die zumindest beim kritischen Leser jede Menge Fragen aufwerfen. Die Tat geschah am letzten Donnerstag, aber erst am Sonntag erstattet die Frau Anzeige. Im Polizeibericht werden Zeugen gesucht, aber gleichzeitig alles nur Denkbare unternommen, um den Vorgang zu verschleiern. Es beginnt schon mit der Beschreibung des Tatortes. Da ist von einem Ort namens „Hünfelden“ die Rede. Dieser Ort existiert de facto gar nicht sondern ist ein Kommunalpolitischer Begriff. Es ist der Kunstname einer großen Verbandsgemeine, die aus den Ortschaften Dauborn mit Gnadenthal, Heringen, Kirberg, Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Ohren besteht. 62 Quadratkilometer groß! Um den genauen Tatort herauszufinden, muss man schon sehr genau recherchieren. Da ist von einem „Modellflugplatz“ die Rede. Interessanter weise taucht ein solcher „Modellflugplatz“ nicht einmal auf der offiziellen Homepage der Verbandsgemeinde auf. Auf Google-map erscheint ein Modellfluglatz im Ortsteil Mensfelden, nordöstlich des markanten Mensfelder Kopfes. Ein beliebter Aussichtspunkt. Warum steht so etwas nicht im Polizeibericht? Hinzu kommt, dass es bei Kirberg, acht Kilometer entfernt, einen zweiten Modellflugplatz gibt, der von einem Verein mit eigener Homepage betrieben wird.
Den Rest der Geschichte könnte man in Satireform weiterschreiben, frei im Sinne des Komikers Otto. Wer waren die „drei Männer“ oder „drei Täter“? Waren das die heiligen drei Könige, die drei von der Tankstelle, die drei Musketiere? Wie sahen die Burschen aus? Waren es junge „Männer“ oder rauflustige Opas? Noch brisanter wäre die Frage, welche Hautfarbe sie hatten. Waren es die berüchtigten „Südländer“, die immer seltener in Polizeiberichten auftauchen? Wie waren sie angezogen? Da die drei Männer im freien Feld mutmaßlich keine Masken trugen, dürften alle diese Fragen kinderleicht zu beantworten sein, es sei denn, dass man aus „ermittlungstaktischen Gründen“ gezielt darauf verzichtet. Die vorletzte Frage lautet, warum man dies mutmaßlich macht. Gefolgt von der letzten Frage, wozu man eigentlich noch eine Polizei braucht oder Anzeige erstattet.
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