Random pickles on the street #why #problembezirk (hier: Oranienplatz)


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Random pickles on the street #why #problembezirk (hier: Oranienplatz)
Alle wollen in den #Problembezirk, alle wollen nach #Neukoelln
Die Wohnung über mir platzt aus allen Trockenwänden. Mindestens 100 Pärchen, meist in bunten Hemden, mit riesigen Brillen auf den Nasen, und mit Baby um den Bauch gewickelt sind der Einladung gefolgt: Wohnungsbesichtigung eines Objekts, das im "gefährlichsten Bezirk Deutschlands" liegt. Alle wollen sie in den #Problembezirk ziehen "auch wenn das Wohnzimmer sehr dunkel ist".
Die Sonne scheint an diesem Sonntag Mittag – auch im Hasenbergl. Der 24. Stadtbezirk ist ruhig, wenig Menschen begegnen mir. Schlendernd mache ich mir ein Bild des größten Münchner Bezirks. Nach meinem Blog-Beitrag über Münchner Problembezirke, wurde mir geraten doch mal ins Hasenbergl zu gehen. Der Ruf des Stadtbezirks scheint trotz massiver Aufwertung durch die bayerische Landeshauptstadt immer noch miserabel zu sein. Mit eigenen Augen versuche ich mir ein Bild zu machen und der erste Eindruck ist überraschend mau. Vorstadtruhe wohin man schaut. Gähnende Leere auf den Spielplätzen. Nur vereinzelt hört man auf den Grünflächen vor den Wohnblöcken Kinderlachen. Rüstige Senioren kommen mir im Spazierschritt entgegen. Auf der Suche nach Münchens Trash-Bezirk finde ich durchschnittliche, triste Vorstadtmonotonie. Kleine Stadthäuser verstecken sich im Schatten der 50er Wohnbauten. Die sind nicht schön, aber funktional. Auf den Balkonen wehen die unterschiedlichen Landesfahnen der Bewohner. Vom Radio bis zu den Tischgesprächen schallt es in verschiedenen Sprachen aus den zahlreichen Wohnungen. Vielleicht ist es gerade das, was für die Bayern befremdlich wirkt: der Alltag in den meisten deutschen Großstädten. Die Welt ist in den Wohnkomplexen der Wirtschaftswunderzeit eingezogen. Etwas heruntergekommen sind diese Wohnformen in München eben noch bezahlbar.
Über 56.000 Einwohner leben in Feldmoching-Hasenbergl und das recht großzügig. In kaum einem anderen Stadtteil Münchens haben die Bewohner so viel Erholungsfläche: auf einem Hektar kommen 19 Münchner. Im Vergleich sind es in Schwabing-West 144. Der Stadtteil im Norden Münchens entstand in den 60ern aufgrund des akuten Wohnungsmangels. In groß angelegten Projekten sprossen hier, wie in Neuperlach, innerhalb kürzester Zeit die Wohnhäuser aus dem Boden. Bis in die 1970er mangelte es im Hasenbergl an wichtigen Einrichtungen im Bereich der Bildung und der Infrastruktur. Dies und die damalige demographische Entwicklung beförderte den Münchner Stadtteil mittelfristig in einen Problemzustand. Dem sozialen Brennpunkt sollte durch die Anbindung mit der U-Bahnlinie U2, Studentenwohnheimen in der Nordheide und durch die Förderung von Schulen sowie Kindergärten entgegen gewirkt werden.
Und klar, nur ein Sonntagsspaziergang reicht nicht aus um das Herz eines Stadtbezirks bis ins Mark kennenzulernen. Was innerhalb der Gemeinden passiert, ist von außen nicht so leicht zu erkennen. Doch ein naiver Blick lässt auch Offenheit zu. Die Monotonie der Gebäudereihen fördert nicht unbedingt Kreativität. Aber hier leben Menschen – viele Senioren und Familien mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Das sieht und vor allem hört man. Menschen, die eben nicht das schicke München repräsentieren.
Hamburg hat Wilhelmsburg, Frankfurt das Gallusviertel, Heidelberg den Emmertsgrund und Mannheim Teile der Neckarstadt West. Man muss nicht in diesen Stadtteilen gewesen sein, damit es klingelt. Ein bedenklicher Ruf eilt den Stadtbezirken voraus. Von Kriminalität, Rotlicht und zwielichtigen Leuten ist die Rede. Schauerliche Geschichten kursieren um diese kleinen Inseln des Schreckens. Kaum gibt es Meldungen über diese Stadtbereiche, die nicht negativ angehaucht sind. Die Bürgermeister sprechen meist über die Bekämpfung der Probleme, die Nachrichten melden Überfälle und Morde. Abschreckend wird ein Bild gezeichnet, das einem auf Wohnungssuche wieder entgegen schlägt. Was davon dann in der Realität haltbar ist, bleibt fraglich. Fast keine deutsche Großstadt hat nur einen Problembezirk. Denkt man gerade an Berlin, gibt es auch zwei oder drei.
Sucht man jedoch in München eine Wohnung, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Naiv spitzt man im Vorfeld seine Ohren, um das Stadtklima herauszuhören. Bei Freunden, Bekannten und Familie zapft man die Erfahrungswelt an. Wohlwollende Klänge schallen zurück. Negative Kommentare betreffen ausschließlich das etwas Kleinbürgerliche an München. Große Warnschilder von welchen Wohnbereichen man sich auf jeden Fall fernhalten soll, bleiben aus. Rosig wird einem die aufgeräumte, sichere, aber durchaus junge Maxvorstadt empfohlen. Etwas gediegener stellt sich Schwabing da und ganz hip und modern zeigt sich das Glockenbachviertel in der Ludwigvorstadt-Isarvorstadt. Geht es Richtung Osten überzeugt das Kulturviertel Haidhausen mit kleinen Gassen und vielfältigem gastronomischen Angebot. Familienfreundlicher und entspannter zeigt sich das östlich der Isar gelegene Bogenhausen. Zwischen Balkonpflanzen und Gartenzwergen ist hier die Welt noch in Ordnung. Im Westen Münchens überraschen die Au, Laim und Pasing keinesfalls mit Schauernachrichten. Hier herrscht Münchner Alttags-Idylle.
Nun könnte man die Liste noch ewig fortführen und würde nach langer Suche nur bei einem nennenswerten Problembezirk landen: Neuperlach. Jener Münchner Stadtteil, der 1967 auf einer „grünen Wiese“ aus dem Nichts gestampft wurde. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders in den 60ern wurden die großen Wohnkomplexe zügig hochgezogen. Die Satellitenstadt sollte für über 70.000 Menschen für Wohnungsentlastung sorgen – heute sind sie die Sorgenkinder. Ein achtseitiger Ring aus Wohnhäusern, der bis zu 18 Stöcke in den Himmel ragt, sollte das Herz des neuen Bezirkes bilden. Umschlossen würde der Ring durch eine geöffnete Gebäudespange. Innerhalb des Wohnrings wäre vom Schwimmbad, Einkaufspassagen bis zu Restaurants für alles gesorgt. In der Folgezeit wurde nur ein Bruchteil der Planung umgesetzt. Geldnöte und Olympia 1974 grätschten dazwischen. Das größte westdeutsche Siedlungsprojekt nach dem zweiten Weltkrieg besteht heute in seiner verkappten Version als eigenständige kleine Stadt in der Stadt. Isoliert vom Rest Münchens leben etwa 55.000 Menschen in einem kleinen Mikrokosmos. Überalterung und ein hoher Anteil von Drogen- und Jugendkriminalität sind die momentanen Herausforderungen des Bezirks.
Jedes Kind braucht nur noch auf zum großen Bruder zu sehen, um zu wissen, Mathe ist alles was ich hier brauch um zu leben. Der kriegt für hundert vier fünfzig und kauft n Kilo für vier. Rechne es aus, das ist n Gewinn von...hmm..ganz viel!