Häusliches Programm bei unerwünschtem Verhalten
Das Häusliche Programm als Kernthema beim (Ver-)Halten von und Zusammenleben mit Hunden
Ein Häusliches Programm umfasst ausgesuchte Richtlinien/Regeln für den Umgang im Alltag zu Hause, die der Halter ein-/durchführt, um einen gewünschten Status zu erreichen, der vom Hund akzeptiert wird. Es ist die Grundlage, unerwünschtes Verhalten zu verändern, besser (wenn frühzeitig durchgeführt) erst gar nicht entstehen zu lassen. Es geht also darum, die Mensch-Hund-Beziehung zu formen und eine Struktur zu schaffen, die dem Hundehalter die Fähigkeit verleiht, Dinge regeln zu können und den Status, regeln zu dürfen. Maßgeblich ist beim Häuslichen Programm das Einteilen von „Ressourcen“ und das Schaffen von „Tabu-Zonen“: Nicht alle Ressourcen, die dem Hund wichtig sind (Fressen, Spielzeug, Plätze/Räume oder der Mensch), müssen/sollten ihm immer und ausreichend zur Verfügung stehen. Damit ist das Häusliche Programm die Grundlage und „Lebensphilosophie“ zur Konfliktlösung. Konflikte, die entstehen, können so gerne angenommen und ausgetragen werden um die Beziehungsstruktur zu fördern und zu festigen.
Aus welchen Gründen wird in den meisten Fällen vor dem eigentlichen Training ein Häusliches Programm vorweg geschaltet?
Da in der Regel kein Hundehalter, der sich mit seinem Hund sicher und unauffällig in seine Umwelt integriert (das heißt: man ist zufrieden mit der Be-/Erziehungsstruktur), Rat sucht, betrachten wir hier Mensch-Hund-Teams, die im Alltag Probleme haben. Das (Erst-) Gespräch/Training beginnt in der Regel mit der Überprüfung der Beziehungsstruktur: Welchen Status hat der Halter bei seinem Hund, hat er das Recht zu belohnen/betrafen? Grundsätzlich gilt, dass Menschen, die mit einem Hund (oder auch mit mehreren) leben, dafür die Verantwortung übernehmen, zu helfen, dass sie zusammen in der Welt klar kommen, in der sie leben (=Erziehungsauftrag). Dazu zählt das Vermitteln von Werten und Einhalten von Regeln. Mangelnde Beziehung (oder auch Bindung) ist nicht der Grund – sie besteht immer – sondern ein Ungleichgewicht und eine zu enge Bindung kann ebenfalls Konflikte auslösen. Wird also ein „Ungleichgewicht“ in der Mensch-Hund-Beziehung festgestellt, ist es sinnvoll, vor dem eigentlichen Training (z. B. Leinenführigkeit, Freifolge, Abruf, …) ein Häusliches Programm vorweg zu schalten. Ergibt die Überprüfung der Beziehungsstruktur ein positives Ergebnis, das heißt unerwünschtes Verhalten wird nicht durch einen sozialen Gesichtspunkt ausgelöst, sondern ist stoffwechselbedingt (z. B. Jagdverhalten), ist ein Häusliches Programm nicht notwendig.
Worum geht es beim Häuslichen Programm?
Wenn in der Mensch-Hund-Beziehung Veränderungen in Situationen auftreten, die es dem Halter erschweren den Hund zu managen und das Verhalten des Hundes dem Halter missfällt und ihn belastet, hilft es ein Häusliches Programm (HP) zu absolvieren. Ziel des HP ist es, den Status des Halters zu erhöhen (nicht den Hund klein zu machen!). Durch eine bewusste Selbstdarstellung des Menschen (mehr Ego sein, mehr für sich tun, bei sich bleiben, da sein – aber trotzdem nicht verfügbar) und eine Veränderung im Umgang/in der Kommunikation mit dem Hund (Mittel zwischen Beziehung und Formalismus) wird an der Beziehungsstruktur gearbeitet. Es werden für den Halter machbare, möglichst wenige Abweichungen zum bisherigen Tagesablauf zu Hause eingeführt, die jedoch für den Hund spürbar und vor allem gegen seine Erwartungen sind. Durch das „Zerstören“ von Erlerntem, altbekannten Mustern und Strukturen, das „Brechen“ mit Ritualen (hier könnte auch das Einführen von Ritualen stehen, wenn es bisher keine gab!), wird der Hund sensibilisiert, wieder aufmerksamer, bekommt neue Ideen und wird somit offen für eine Verhaltensänderung. Zudem sollte der Halter versuchen, bisher gezeigte Emotionen in bestimmten Situationen (Wut, Angst, Enttäuschung, …) abzustellen, die Grundstimmung positiv zu verändern, das schlechte Gewissen abzulegen, zu entspannen und seinen Hund wieder „mit anderen Augen zu sehen“. Beim HP ist keine Funktonalität beabsichtigt, es sind willkürliche Maßnahmen (keine Erziehung, sondern Nährboden für Erziehung – und keinesfalls Strafe!), bei denen es im Moment um nichts geht (aber langfristig um Beziehung). Das heißt der praktische Nutzen HPs ist nicht sofort erkennbar, es ist ein Prozess, keine Übung mit einem sichtbaren Ergebnis (aber bringt langfristig Statuserhöhung). Zu Beginn des HP sollten unlösbare Konflikte vermieden werden, in dem man zunächst Zeiten und Orte verändert. Zu Hause – weil das meistens außerhalb von Konflikten ist – bestehen am Anfang die besten Rahmenbedingungen. So kann man in Situationen in denen es normalerweise kein Problem gibt den Hund auch mal kurz verunsichern (ohne ein großes Risiko einzugehen) um ihn aber später wieder zu versichern und ihm zu helfen, wenn es nötig ist. Ein HP beginnt und endet (wenn Verhaltensänderung eingetreten ist) irgendwann – willkürlich – bleibt aber Grundphilosophie. Folgeschritte nach dem HP werden für den Halter einfacher, so dass er auf den Hund weniger einwirken muss in Bezug auf Zeit, Intensität, Quantität. Am Ende eines HP sollten Beziehung und Status gefestigt und geklärt ein. Einen hohen Status hat der Mensch dann erreicht, wenn er in einer sozialen Gruppe die Möglichkeiten und das Recht erlangt hat, den anderen zu manipulieren, willkürliches Verhalten zu zeigen („Weil er es kann!“), die Ressourcen zu verwalten, in Konfliktsituationen zu entscheiden und soziale Sicherheit bieten zu können. - Das kann ein 24-Stunden-Job sein …
Für wen eignet sich ein Häusliches Programm?
Welpen (Lebensphilosophie)
Im Welpenalter kann ein HP bereits „vorgelebt“, sollte jedoch noch nicht durchgeführt werden.
Junghunde (Lebensphilosophie)
Im Junghundealter kann bei Bedarf ein HP absolviert werden.
Erwachsene Hunde
Für erwachsene Hunde eignet sich ein HP bei: Trivialer Unerzogenheit Aggressionsverhalten Jagdverhalten (Rückruf) Ängsten/Unsicherheiten Mehrhundehaltung Tierheimhunde Läufigkeit/Chip Krankheit/Störung
Für die Korrektur von Problemverhalten ist Einzeltraining am wirkungsvollsten.
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