Nachdem wir viele Fragen bekommen, in denen es um das Thema professionelle Diagnose geht, haben wir Mods beschlossen, einen eigenen Post zu erstellen, in dem wir unsere Erfahrungen beschreiben. Wir hoffen, somit einen großen Teil von etwaigen Fragen beantworten zu können und denjenigen Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie gebrauchen können.
Was heißt “offizielle” Diagnose?
Diese Diagnose ist von “Ämtern” jedlicher Art anerkannt wie zum Beispiel Versorgungsamt (die Stellen zum Beispiel den Schwerbehindertenausweis aus), Sozialamt (Eingliederungshilfe bei Erwachsenen, ect.), Jugendamt (auch Eingliederungshilfe nur für Minderjährige) und so weiter. Mit einer offiziellen Diagnose können auch viele Ansprüche geltend gemacht werden, die einem helfen besser in der Welt “klar zu kommen”, das heißt nicht man muss sie in Anspruch nehmen, aber es gibt die Möglichkeit.
Viele Menschen werden erst sehr spät mit Autismus diagnostiziert. Und wiederum bei vielen von denen ist die Selbst-Diagnose der erste Schritt zu offiziellen Diagnose.
Was defintiv ein guter Anfang ist, ist die Diagnosekriterien online zu finden (da im Internet die aktuellsten Informationen vorhanden sind) und eine Liste seiner “Symptome” zu erstellen.
Außerdem gibt es auch relativ viele Tests im Internet, die andeuten können ob man eventuell auf dem Spektrum ist. Aber hier muss erwähnt werden, dass diese Test euch zwar Gewissheit verschaffen könne, aber keine “offizielle” Diagnose ersetzen.
Mehrere Autismus Organisationen sind definitiv Pro-Selbstdiagnose. Vor allem bei nicht cis-Männern wird Autismus erst sehr spät oder oft gar nicht diagnostiziert, deswegen kann es ungemein helfen, wenn man die Sache selber in die Hand nimmt. Manchmal ist es schwer für jemanden, so bald wie möglich zu einem Profi zu gehen um sich diagnosizieren zu lassen, und das ist okay.
(solange letztendlich die Unterstützung, die jemand braucht, da ist)
Wohin gehe ich für eine Diagnostik?
1. Zuerst würde ich mit den eigenen Hausarzt sprechen, wenn Ihr volljährig seid, bei Jugendlichen haben leider eure Eltern noch etwas mit zu reden. Der Hausarzt würde euch nicht an eure Eltern “verpfeifen”, wenn ihr den gleichen Arzt haben solltet, denn er hat eine Schweigepflicht und er darf nur mit deinem Einverständnis über dich reden.
2. Dieser Arzt überweist euch dann einem Psychologen oder einem anderen Spezialisten. Nicht wundern diese Spezialärzte haben sehr lange Wartezeiten, teilweise halbes Jahr und mehr.
3. Nachdem du einen Termin ausgemacht hast und das Warten vorbei ist, hast du das erste Gespräch. Es wird mehrere Termine geben, da Autismus mehrere Überschneidungen mit anderen Störungen aufweist, teilweise nicht auseinanderzuhalten. Diese anderen Störungen müssen ausgeschlossen werden, damit sicher ist, dass du Autismus hat und z.B. keine Soziale Phobie. Was genau bei der Diagnose gemacht wird, ist bei jedem Spezialisten anders. Es gibt schriftliche Tests und Fragebögen, die du ausfüllen musst oder du führst Gespräche mit dem Diagnostiker und beantwortest ihm Fragen zu deinem Autismus. Der Diagnostiker kann aber auch mit deinen Bezugspersonen über deine Kindheit sprechen und wie sich dein Autismus hier gezeigt hat.
Hier ist ein guter Tipp: Notiere dir im Vorfeld, was dir schwerfällt und wie du darauf gekommen bist, dass du ein autistischer Mensch bist. Gehe die Autismus-Symptomatiken vorher nochmal durch und schaue, was zutreffen würde.
4. Nach den Diagnose-Gesprächen heißt es: wieder warten, bis der Bericht des Arztes feststeht und damit auch die Diagnose.
Mod Rot ( mit 21 diagnostiziert)
Ich wurde von einer Fachärztin - einer Psychiaterin - zu einer klinischen Psychologin überwiesen. Ich hatte das Glück, relativ wenig warten zu müssen. Bei der Psychiaterin war es ein Monat, bei der Psychologin zwei Wochen.
Meine Diagnostik hat ca zwei Stunden gedauert. Am Tag vor meinem Termin hat mich die Psychologin nochmal angerufen, um mich an den Termin zu erinnern, und mir eine kurze Wegbeschreibung zu ihrer Praxis zu geben - was ich irrsinnig angenehm gefunden habe, da ich echt Probleme mit sowas habe.
Ich werde es nur kurz zusammenfassen. Einen ausgiebigen Post kann ich ja immer noch machen.
Seltsamerweise hatte ich nur eine Einheit, bei der ich alleine befragt und getestet wurde. Meine Familie war gar nicht involviert.
Nach der Diagnostik hab ich meinen Befund mit der Psychiaterin besprochen - beim nächsten Termin mit ihr, da sie die Ergebnisse zugeschickt bekommen hat. Zusätzlich zum Aspergersyndom wurden bei mir auch Depressionen diagnostiziert - was sehr häufig ist. Meine Psychaterin hat mich bei der Besprechung auch dran erinnert, dass Aspergers ASS ist.
(Anmerkung: Ich lebe in Österreich, nicht Deutschland)
Mod Èowyn (mit 12 diagnostiziert)
Ich wurde in einem Sozialpädiatrisches Zentrum, die für Entwicklungsprobleme und andere Behinderungen bei Kindern spezialisiert sind, diagnostiziert. Ich hatte das Glück, dass sie mich damals schon kannten, da ich schon mit 1-2 Jahren das erste Mal dort war. Da ich in der 6. Klasse sehr stark gemobbt wurde, haben meine Eltern nach den Gründen, warum ich ich gemobbt wurde, gesucht. Meine Eltern hatten eine Dokumentation über Autismus im Fernsehen gesehen und Parallelen entdeckt.
In diesem Zentrum gibt es Wartezeiten bis zu einem halbem Jahr. Zuerst gab es eine kinderärtzliche Untersuchung für motorische und ähnliche Einschränkungen und dann noch 2 Termine bei einem Psychologen, der dann gezielt auf Autismus getestet hat.
Kurz nach der Diagnose griffen dann schon die ersten gezielten Fördermaßnahmen auf Grund der Autismus-Spektrum-Störung.
Mod Einstein (mit 22 diagnostiziert)
Ich hatte mich ein Jahr vorher selbst diagnostiziert und meinen Eltern “geoutet”. Die nahmen das Ganze sehr positiv auf und unterstützten mich bei meiner offiziellen Diagnose. Nach einer Wartezeit von 3 Monaten wurde ich in einer Spezialambulanz für Autisten im Erwachsenenalter diagnostiziert. Ich hatte 6 Gesprächstermine mit einem Diagnostiker und bekam bei jedem Fragebögen mit nach Hause, die ich bis zum nächsten Mal ausfüllen sollte. Bei einem Termin sollte ich meine engste Bezugsperson mitbringen, die Fragen zu Autismus in meiner frühen Kindheit beantwortete. Beim letzten Termin sagte mir die Diagnostikerin, dass sie glaube, dass ich Asperger habe, aber sie mir die Diagnose nicht offiziell stellen wollte, da ich zu intelligent sei und keinen Leidensdruck hätte. (Zu der Zeit war ich praktisch nur zuhause und habe meine Bachelorarbeit geschrieben. Ich war also in meiner gewohnten Umgebung und meinen Routinen und fühlte mich wohl. Heute würde das ganz anders aussehen.) Deshalb werde ich die Diagnose in Zukunft nochmal wiederholen.
Sonstiges
https://autismus-kultur.de/autismus/autismus-diagnose-bei-kindern.html
https://autismus-kultur.de/autismus/autipedia/autismus-diagnose.html