I am a Surrealist â Wer interessieren will, muss provozieren (Salvador DalĂ)
Die surrealistische Kunst ist ein einziges Denkspiel, da werden Dinge zusammengeworfen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, offensichtliche Beziehungen dagegen werden hinterfragt: Die Abbildung der Pfeife macht nach RenĂ© Margritte (1898-1976) noch lange keine Pfeife (Ceci n'est pas une pipe, 1929), der Blick in den Spiegel zeigt nichts weiter als unseren RĂŒcken, es regnet MĂ€nner mit HĂŒten, wir drehen uns im Kreis, können das RĂ€tsel nicht lösen und die Zeit schmilzt uns davon.
Â
Salvador DalĂ, Die BestĂ€ndigkeit der Erinnerung, 1931.
Ăl auf Leinwand, 24,1 cm x 33 cm.
Museum of Modern Art, New York.
Â
Erfolgreicher als RenĂ© Margritte war nur Salvador DalĂ (1904-1989). Er bewies schon frĂŒh, dass er ein unglaubliches zeichnerisches Talent besaĂ, als 18-JĂ€hriger begann er sein Studium an der Academia de San Fernando (School of Fine Arts) in Madrid und war dort bei seinen Mitstudenten und Professoren nicht nur fĂŒr seine herausragenden Werke, sondern auch fĂŒr sein provokatives und exzentrisches Verhalten bekannt. Kurz vor seinem Abschlussexamen flog er von der Schule, als er verlauteten lieĂ, dass keiner der Professoren dazu qualifiziert wĂ€re, ihn zu prĂŒfen. 1929 trat DalĂ den Surrealisten bei, die Art denen die Art der Kommerzialisierung seiner Arbeiten jedoch von Anfang an unangenehm war. Als er sich weigerte, eine politische Haltung gegen den Faschismus einzunehmen und die anderen ihn daraufhin 1934 aus der Gruppe der Surrealisten ausschlossen, bemerkte er trotzig: âThe only difference between me and the Surrealists is that I am a Surrealist.â
Â
Salvador DalĂ, Selbstbildnis mit Raffaels Hals, 1921.
Ăl auf Leinwand, 41,5 x 53 cm.
Teatro-Museo DalĂ, Figueres.
Â
DalĂ verknĂŒpfte wie kein anderer eine nahezu fotografische Darstellung mit einer symbolischen Tiefe, und im Gegensatz zu vielen anderen Surrealisten konnte er sich geschickt vermarkten.
Mit seinem Markenzeichen, dem schwarzen Zwirbel-Schnauzer, zu dem ihn höchstwahrscheinlich Diego VelĂĄzquez inspirierte, stach der LebenskĂŒnstler auch optisch unter seinen Kollegen hervor. Sein eigener Stil aber insbesondere sein provokatives Verhalten sicherten ihm stets das Interesse der Medien. Sein auĂerordentliches kĂŒnstlerisches Talent, die Vielzahl seiner Arbeiten, seine narzisstische Selbstdarstellung, Luxus, Verschwendung und Exzesse sowie seine provokativen (oft nicht angebrachten) politischen Stellungnahmen haben DalĂ zu einem der bekanntesten KĂŒnstler des spĂ€ten 20. Jahrhunderts gemacht.
Das Centre Pompidou in Paris widmet dem surrealistischen KĂŒnstler eine groĂe Retrospektive: 200 Exponate, darunter neben GemĂ€lden, Skulpturen, Skizzen und SchriftstĂŒcken DalĂs auch audiovisuelle Medien geben noch bis zum 25. MĂ€rz einen recht neutralen Einblick in das Werk, das Umfeld und die Persönlichkeit des temperamentvollen spanischen KĂŒnstlers, der von 1930 bis 1932 mit seiner Muse in Paris lebte.
Einen eigenen Eindruck von dem KĂŒnstler, seinem Werk und seinen Kontroversen können Sie auch anhand des im Verlag Parkstone International erschienenen Titels Leben und Meisterwerke Salvador DalĂ gewinnen, der auch als E-Book verfĂŒgbar ist. Der Autor, Eric Shanes, erlĂ€utert DalĂs Meisterwerke, analysiert die Persönlichkeit und lĂ€dt dazu ein, in das beeindruckende und verrĂŒckte Universum des genialen KĂŒnstlers einzutauchen. Auch Victoria Charles setzt sich in der ebenfalls im Verlag Parkstone International erschienenen Einzelpublikation Salvador DalĂ mit dem spanischen Surrealisten auseinander.
C. Schmidt