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Haha, it's finally done! We have moved Our #bunnies into their #winter #home. While having one of the last warm days this year within more than 20 degrees... 😂✌️😎🐰🐰☀️☀️☀️🌦🌧🌨🌨🌨☃☃ @about_jess_ #rabbit #Rammler #Hase #cute #mümmel #autumn #pets #garden #outdoor #chillin #bunny #bunstagram #leisuretime
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Von Luftschiffen & Cyber-Tourismus - mit dem Möglichkeitssinn in die Zukunft der Mobilität (weil das Wahrscheinliche schon längst gedacht wurde...)
Stephan Rammler im Interview zu seinem neuen Buch „Schubumkehr. Die Zukunft der Mobilität“.
Sie stellen Ihr Buch auf der Leipziger Buchmesse vor und ein Krimi-Fan hat es an Ihren Stand verschlagen. Wie überzeugen Sie ihn, dass Schubumkehr sein nächstes Buch sein sollte?
Stephan Rammler: Erst einmal bin ich selbst ein großer Krimi- und Science-Fiction-Fan und als ersten, schlichtesten Versuch würde ich sagen: Es ist mindestens genauso spannend, sich mit der Zukunft auseinander zu setzen und mit den Möglichkeiten, welche die Zukunft an der einen oder anderen Stelle für uns bereithält. Natürlich gibt es keine Morde und keine Verbrechen in dem Buch und auch keinen Spannungsbogen wie ein Krimi ihn natürlich nötig hat, aber an der einen oder anderen Stelle ist das Buch und die Geschichten, die dort erzählt werden, sicherlich auch spannend und gut zu lesen. Die Erweiterung des Bildungshorizontes mit einer spannenden Lektüre zu verbinden, kann auch für einen eingefleischten Krimi-Fan - wie ich das ja selber bin - Sinn machen, um das Nützliche mit dem Angenehmen zusammen zu bringen.
Schubumkehr, ein Verfahren zum Abbremsen eines Flugzeugs, oder zur Umkehr eines Schiffes. Was verbirgt sich hinter diesem Titel noch?
Stephan Rammler: Mir ging es darum einen Begriff mit einem hohen metaphorischen Gehalt für dieses Buch zu finden, der auch eine gewisse Spekulationsoffenheit lässt. Es geht darum, einen Begriff aus der Mobilitätswelt zu nehmen. Das war der erste, schlichte Hintergrund. Das zweite war, dass die Schubumkehr im Grunde notwendiger Bestandteil von jeder Form von Mobilität ist. Oder wir übersetzen Schubumkehr mit dem Bremsen. Das Bremsen des Autos, oder die Schubumkehr bei Schiff und Flugzeug ist notwendiger Bestandteil der Mobilität. Ohne die Möglichkeit zu bremsen, ist es nicht nur riskant, sondern lebensmüde hohe Geschwindigkeiten zu erzeugen. Das stete Wechseln zwischen Beschleunigung und Abbremsen, was es mir überhaupt möglich macht, Fahrzeuge zu steuern und sinnvoll unterwegs zu sein.
Die Aussage ist, Leute, dieses Wachstum der modernen Kultur, diese stete Beschleunigung, die wir erleben in unserer Welt, die am ehesten in diesem Bereich der Mobilität und den neuen digitalen Technologien zum Ausdruck kommt, das ist zunehmend problematisch!
Je höher die Geschwindigkeit mit der ich unterwegs bin, desto schlechter kann ich mich orientieren. Also wenn ich mit Tempo 230, 300, 350 auf der Autobahn - es gibt ja solche Autos - unterwegs bin, dann wird der Korridor der Wahrnehmung sehr eng. Das heißt, ich sehe Hindernisse und Gefahren in einer Geschwindigkeit auf mich zukommen, die der menschlichen Fähigkeit diese Gefahren und Schwierigkeiten zu antizipieren, intellektuell und kognitiv gar nicht mehr entsprechen.
Das spielt auch auf den Untergang der Titanic an, dieses Bild benutze ich im Buch an der einen oder anderen Stelle. Dieses große Schiff war mit hoher Geschwindigkeit unterwegs und man hat nicht weit genug vorausgeschaut und hat deswegen den Eisberg nicht gesehen. Aber bei einer frühzeitigen Schubumkehr wäre man sicher um diesen Eisberg herum gekommen. Dies unterstreicht noch einmal das erste Motiv, Schubumkehr gehört zum sicheren Navigieren bei jeder Form von Mobilität dazu.
Das ist eigentlich die Botschaft und damit ist nicht der Begriff einer Wende verbunden, oder eines Zurückkehrens, eines rückwärtsgewandten sich Entwickelns - nicht das Vermeiden, Verhindern und Verbieten. Nicht dieser Slogan "Zurück in die Steinzeit!". Sondern die Idee, durch eine Mischung aus Lebensstilveränderung und Technologie weiterhin mobil sein zu können. Aber auf eine kluge, ausgewogene und sinnvolle Art und Weise. Das alles ist mit dem Begriff Schubumkehr verbunden.
Sie betonten, dass Schubumkehr nicht mit einer 180 Grad Wendung gleich zu setzen ist. Trotzdem könnte der Begriff Schubumkehr auch mit dem Blick in die Vergangenheit assoziiert werden. Was können wir aus den Anfängen der Mobilität für unsere zukünftige Fortbewegung mitnehmen?
Stephan Rammler: Das ist schon ganz richtig. Mit dem Begriff vielleicht nicht, aber das ganze Buch ist natürlich so angelegt, dass jeder, der sich mit der Zukunft auseinandersetzt, klug beraten ist, in die Vergangenheit zu schauen. „Keine Zukunft ohne Herkunft!“ gilt ja als einer der markanten Sprüche aus der Zukunftsanalytik. Wie ein Mensch im Laufe seines Lebens das eine oder andere lernt, das er dann in Zukunft nutzen kann. Die Lehre, die er zieht. Die Erfahrung, die er gemacht hat, um in Zukunft klug handeln zu können. Genauso lernen Gesellschaften natürlich auch, oder sie sollten lernen. Und die Hoffnung wäre, dass sie lernen und dass sie nicht alles, das in der Vergangenheit liegt, entwerten und schlecht finden und nur das Neue immer hofieren. Zu gucken, wo kann ich aus dem, was wir als Kultur in der Vergangenheit gelernt haben, auch für die Zukunft etwas mitnehmen? Und in der Mobilität ist es - was ich ja gerade schon bei der Reflektion über den Titel angedeutet habe - die kluge Mischung von Bewegung und Beharrung. Von Beschleunigung und Entschleunigung. Von Unterwegssein und Rasten. Das ist eigentlich das, was hinter meinem Zukunftsbild steht.
Es geht nicht darum, eine Welt zu beschreiben, in der wir gar nicht mehr unterwegs sind. Ich glaube, wir gehen in eine hochmobile Welt hinein. Das werden wir auch nicht ändern können. Das gehört zur modernen Kultur, dass sie sehr mobil ist. Mobilität ist quasi eine notwendige Entwicklungsbedingung für moderne, globale Kulturen. Für bestimmte Dinge, die wir nicht missen wollen, ist Mobilität eine fundamentale Voraussetzung. Das Vermeiden, Verhindern, Zurückdrehen, das will ich auch nicht. Aber auf eine kluge Art und Weise durch intelligente Technologien, oder intelligente Lebensstile anders mit der Mobilität umzugehen, das ist das Bild. Also neben der Beschleunigung, die wir erleben, immer auch Zeiten und Orte oder Methoden der Entschleunigung zu finden. Das kann man aus der Vergangenheit lernen.
Das gilt auch für den Umgang mit Verkehrssystemen. Also wie konzipieren wir sie? Wie resilient machen wir sie gegenüber Krisen? Müssen das immer Hochgeschwindigkeitssysteme sein? Oder sind Systeme, die mit einer kontinuierlichen Geschwindigkeit operieren, in Punkto Output genauso funktional? Wenn beispielsweise bei einem hochriskanten Hochgeschwindigkeitssystem eine Katastrophe passiert, dann ist es auch gleich eine große Katastrophe. Das sind Dinge, die damit verbunden sind.
Und natürlich ist bis hin zum persönlichen Leben gar nicht mal ausgemacht, ob die Grenzen weiterer Beschleunigung unbedingt nur in den ökologischen und ökonomischen Ressourcen liegen. Ob sie nicht viel eher im Bereich individueller Beschleunigungsgrenzen liegen. Wir erleben jetzt schon, dass Menschen, die viel unterwegs sind, Phänomene des Gestresstseins erzeugen; dass Sozialität, dass Gesellschaften, dass soziale Bindungen erodieren. In einem Topf Wasser, in den ich Hitze gebe, bewegen sich die Moleküle immer schneller und prallen mit immer größerer Geschwindigkeit aufeinander. Es wird immer ungemütlicher in gewisser Weise. Wenn wir eine Gesellschaft so erhitzen, wie wir das tun - und die Mobilisierung wäre ja im Grunde der Ausdruck des zum Kochenbringens - dann entsteht da Unruhe. Dann sind die einzelnen Teilchen, die einzelnen Individuen mit umso höherer Geschwindigkeit unterwegs und sie treffen mit hoher Geschwindigkeit aufeinander. Oder sie treffen gar nicht mehr aufeinander und gehen dann irgendwann in einen anderen Aggregatzustand über.
Man kann die Metaphern ja weiter spinnen wie man will. Schwierig wird es dann für die Kultur, Stabilität zu erzeugen. Stabile, soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten, in denen Kindererziehung möglich ist. In denen Innehalten möglich ist. Man muss sich ja auch immer wieder ausruhen können. In denen eine adäquate Eigenversorgung möglich ist. All diese Dinge werden ja umso schwieriger, je mehr und je schneller wir unterwegs sind. Je weniger Konstanz und Ruhe in unserem Leben ist. Zum klugen Leben gehört ja Reflektion, Nachdenken und Innehalten dazu. Das ist das, was wir auf der individuellen Ebene auch aus der Vergangenheit lernen können. Die stabilitas loci, also die Festigkeit des Ortes, ist einer der Gründe, warum moderne Kulturen sich überhaupt erst entwickeln konnten. Denn aus der damaligen Ruhe und Kontemplation des klösterlichen Lebens sind wichtige Modernisierungsimpulse hervor gegangen. Und ich denke, man kann auch lernen, dass wir immer wieder Orte der Entschleunigung und Ruhe und der Verdichtung brauchen.
Das Silicon Valley beispielsweise, wo man glauben würde, dass es ein Ort der permanenten Beschleunigung und Entwicklung und Innovation ist. Wenn man sich anschaut wie die Menschen dort leben und miteinander umgehen, ist es jedoch ein sehr stabiles Leben in sehr dicht bepackten räumlichen Kontexten. In denen natürlich möglichst viel kommuniziert wird. Die hohe Wirtschaftskraft dieses Ortes hängt unter anderem damit zusammen, dass die sozialen Umgangsformen sehr stark auf persönliche Kommunikation, auf Verdichtung und auf räumliche Nähe angelegt sind. Eigentlich paradox und trotzdem scheint es doch ein wichtiger Aspekt zu sein. Das ist auch etwas, das wir aus der Vergangenheit für die Mobilität der Zukunft lernen können.
Sie entführen den Leser in eine kreative und auch phantastische Szenarienwelt. Dabei betonen Sie selbst, dass diese Ausflüge in die Zukunft nicht die wahrscheinlichsten, aber durchaus wissenschaftlich machbar sind. Warum dieser Ansatz?
Stephan Rammler: Weil jeder, der sich mit Zukunft auseinandersetzt, die Redlichkeit besitzen muss zu sagen, wie gehe ich an meine Prognosen ran und wie schätze ich das eigentlich ein? Ich würde sagen, der wirklich wahrscheinliche Weg ist der, dass wir auf eine weitere Beschleunigung hingehen, dass wir noch mehr die Schattenseiten der weiteren Mobilisierung erleben werden, dass der Klimawandel weiter Thema sein wird und so weiter und so fort. Das ist das, was abzuleiten ist aus den politischen, technologischen und ökonomischen Konstellationen, die im Augenblick beobachtbar sind. Die werden sich auch nicht von heute auf morgen unter ceteris paribus Bedingungen, also gleichbleibenden Rahmenbedingungen, verändern. Das muss man einfach so nüchtern und so schlicht sagen. Der Pfad weist einfach in eine andere Richtung, nach allem, was wir über institutionelle, ökonomische und soziale Pfadabhängigkeiten wissen. Heißt: ein einmal eingeschlagener Pfad ist ganz schwierig wieder zu verlassen. Das ist die eine Seite dessen, was man redlicherweise immer sagen muss.
Andererseits gibt es immer wieder Beispiele - auch das ist wieder etwas, was wir lernen können aus der Geschichte - wo Gesellschaften, oder große Teile einer Gesellschaft es geschafft haben, mit einem starken Willen etwas wirklich anders zu machen: Mit einem starken Leitbild und einer starken Zielorientierung es geschafft haben, etwas, was vorher für unmöglich gehalten worden ist, umzusetzen. Da gibt es das eher traurige Beispiel der Atombombe. Wo es wissenschaftlich gelungen ist, eine Waffe zu entwickeln, von der man dachte, dass man sie unbedingt braucht in dem Augenblick, um diesen schrecklichen Krieg zu beenden. Man hat damals in enormen Maße Ressourcen und Technologie und Manpower und Kapital gebündelt, um das umzusetzen. Und man hat es geschafft. Das zweite Beispiel ist das Mondfahrt Projekt, das Man on the Moon Projekt in den USA. Auch das schien wenige Jahre davor noch total unmöglich bis dann die Entscheidung getroffen worden ist, wir wollen das aus den und den Gründen möglich machen. Wo auch die nordamerikanische Kultur unglaublich viel investiert hat.
Das sind natürlich Beispiele, die ihre Grenzen darin finden, dass es sektorale Innovationen waren. Mobilität ist so tief in unserer Kultur, in unserer Gesellschaft, in unseren Lebensstilen, in unseren Praktiken verankert. Also dieses Man on the Moon Projekt betrifft ja Einzelne. Beim Apollo Projekt hatte man Wissenschaft, Geld und Technologie. Das hat nicht die Notwendigkeit mit sich gebracht, Lebensstile und Alltag radikal zu verändern, wie dies nötig wäre, um ein Mobilitätstransformationsprojekt umzusetzen. Aber das Bild bleibt gleich. Wenn eine Gesellschaft sich entscheidet, uns ist das Ziel und die damit verbundenen Werte und das, was wir damit erreichen viel, viel wichtiger als das, was wir jetzt haben. Dann kann eine Gesellschaft unter Einsatz von Intelligenz, von Technologie und Kapital fast alles, glaube ich, was nicht dem 1. und 2. Hauptsatz der Thermodynamik und den Grundlagen der modernen Physik widerspricht, umsetzen.
Das war die Grundlage für die Szenarien, die ich beschrieben habe. Es gibt die Technologien, man muss sie nur bündeln, man muss sie anders kombinieren. Dann sind da Quantensprünge auch in Bereichen möglich, die noch gar nicht so weit entwickelt sind. Es geht in die Robotik hinein. Es geht in die digitalen Technologien hinein und da ist ja die Dynamik ohnehin unglaublich groß. Das gilt aber auch für die ganzen Luftschiffszenarien, die ich beschrieben habe. Das gilt für alternative Antriebssysteme. Das gilt für neue Konstruktionsformen für Schiffe und so weiter. Die Technologien sind im Grundlagenbereich, oder zum Teil auch schon in der angewandten Entwicklung da. Es geht nur darum, Ressourcen zu bündeln und einzusetzen, um das jetzt weiter zu entwickeln.
Das ist aber eine Entscheidung, die eine Gesellschaft treffen muss. Und wenn unsere Gesellschaft jetzt eine Entscheidung treffen würde, oder in Stellvertretung die entsprechenden politischen Instanzen eine Entscheidung treffen würden, und zwar: Wir möchten gerne ein funktionierendes Luftschiffsystem aufbauen, wir investieren in diesen Bereich. Dann würde das funktionieren. Man müsste erst einmal Geld investieren und das ist das, was man auch immer dazu sagen muss. Einen Paradigmenwechsel so großer Art in Richtung Nachhaltigkeit - ob es nun Luftschiffe sind, ob es nun die Elektromobilität angeht - der wird sich nicht von heute auf morgen unter reinen Marktbedingungen vollziehen. Dafür braucht es einen Primat der Politik. Warum ist das so? Es ist deswegen so, weil die Welt, die wir heute haben, sich ja auch über viele Jahrhunderte - im Bereich der Automobilität fast über die letzten 150 Jahre - unter massiver politischer, infrastruktureller, investitionspolitischer Einflussnahme überhaupt erst in diese Richtung entwickelt hat. Deswegen kann man nicht erwarten, dass das Elektroauto beispielsweise unter reinen Marktbedingungen jetzt plötzlich ohne jegliche Form von politischer Unterstützung eine konkurrenzfähige Alternative wird. Also das heißt, wenn wir eine andere Zukunft wollen, dann müssen wir Entscheidungen treffen für diese Zukunft. Wir müssen uns gegen andere Dinge entscheiden, die uns vielleicht lieb geworden sind. Aber das, was ich da beschreibe, ist sehr wohl technologisch und physikalisch machbar.
Warum schreibt man Szenarien so und nicht so? Warum bleibt man nicht bei der Realität und sagt, wahrscheinlich ist, dass es sich so entwickelt? Weil ich glaube, Szenarien als Bilder einer anders gelegenen Zukunft zu beschreiben, hat eine hochmotivierende Kraft inne. Also wenn ich dazu beitragen möchte - wovon ich zutiefst überzeugt bin - dass wir eine andere Form des Umgangs mit Mobilität, mit Energie, mit Nachhaltigkeit brauchen, dann muss ich andere Leitbilder erzeugen. Um diese Gesellschaft und Teile dieser Gesellschaft, um die es ja geht, jeden Einzelnen davon zu überzeugen, dass wenn man sich entscheidet, diese Entscheidung auch Sinn machen würde. Dann brauche ich andere kognitive, emotionale Bilder. Sozusagen ein Hoffnungsvorhorizont zu dem ich mich hinwenden kann und sagen kann, ja, das ist ein Zielbild, was ich erreichen möchte. Da bin ich auch bereit, etwas zu investieren. Deswegen ist es wichtig, nicht nur bei dem Wahrscheinlichen, beim Wirklichkeitssinn zu bleiben, sondern immer wieder auch den Möglichkeitssinn zu bemühen.
Cyber-Tourismus mit Datenbrille und Multi-Sense Anzügen, Wandern im Harz mit dem Exoskelett, eine zwei tägige Luftschifffahrt nach New York, mit dem Weltraumfahrstuhl ins All, als Avatar im virtuellen Gemeinschaftsbüro, auf der Autobahn nächster Generation ein Nickerchen in der autonomen „Pennreiselimousine“ halten, mit dem zweiten künstlichen Unterbewusstsein unterstützt uns ein kleines In-Ohr-Gerät bei täglichen Entscheidungen oder der Handel mit Autokilometer-Zertifikaten. Nur ein kleiner Auszug aus der ideenreichen Szenarienwelt, die den Leser in Ihrem Buch erwartet. Wenn Sie auf der Stelle in eine der Welten eintauchen könnten, welche wäre das und warum?
Stephan Rammler: Ich bin selber begeistert von diesen Luftschiffszenarien, deshalb nimmt das auch so einen großen Teil in meinem Buch ein. Einmal, weil ich das unheimlich faszinierend finde, auf eine langsame Art und Weise zu Reisen, dabei doch in großer Höhe zu sein und sehr viel wahrnehmen zu können. Dann, weil ich die Luftschiffe sehr majestätisch und auch in sich als Gefährt sehr ästhetisch finde. Und drittens, weil ich eben glaube, dass der Luftverkehrsbereich eine der größten Herausforderungen für die Zukunft der Mobilität darstellt. Weil ich glaube, dass im Rahmen der Digitalisierung und im Rahmen von weiteren globalen und kulturellen Vernetzungsprozessen der Luftreiseverkehr und die internationale Mobilität als komplementäre, oder auch dadurch induzierte Entwicklung noch wahnsinnig steigen wird. In einem Maße wie wir das noch gar nicht so richtig in den Prognosen vor Augen haben. Das heißt, es gibt auch wirklich einen harten Grund zu sagen, wir brauchen ganz dringend Alternativen zum Fliegen mit dem Flugzeug und zu diesem Wahnsinn, dass man mittlerweile für 19 oder 20 Euro - das sind ja die Überlegungen - nach Nordamerika fliegen kann. Das kann nicht sein. Deswegen würde ich unheimlich gerne und sofort in dieses Szenario eintauchen und einmal erleben wie das ist, wenn man dann in Tempelhof mit dem Luftschiff startet. Und damit dann langsamer, aber sicher und mit einer hohen Aufenthaltsqualität an Bord nach Nordamerika oder anderswohin fliegt. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne reist. Und ich habe im Augenblick große Schwierigkeiten international zu reisen und dabei das Fliegen zu vermeiden. Und das wäre für mich natürlich eine ideale Alternative. Das wäre das Wichtigste für mich, dieses Thema Luftschiffe.
Und dann bin ich natürlich auch ein großer Freund des Themas Weltraum und des Reisens in den Raum hinein. Ich würde auch unheimlich gerne einmal in den Weltraum reisen. Und das Dritte ist das Thema Digitalisierung. Das Reisen in den virtuellen Welten, was mich auch extrem fasziniert. Diese Surrogatwelten und wie sie sich weiter entwickeln werden. Ich lese gerade viele Sciene-Fiction/Cyber-Romane, wo es um eine zweite, dritte Ebene von Wirklichkeit geht, in der wir ja dann auch auf andere Art und Weise mobil sind. Also das sind die drei Bereiche, die mich im Augenblick persönlich am meisten interessieren und faszinieren.
Jeder spricht über nachhaltige Mobilität. Sie weisen in Ihrem Buch darauf hin, dass die Nachhaltigkeitspolitik durch die Effizienzstrategie dominiert wird. D.h. wir optimieren Produkte und Prozesse in erster Linie lediglich in Hinblick auf ihre technologische und organisatorische Ausgestaltung - ein sparsamerer Motor, ein effizienteres Parkleitsystem usw. Warum greift dieser Ansatz zu kurz?
Stephan Rammler: Weil wir aus der Technikforschung mittlerweile eigentlich relativ gut wissen, dass jede Form von technologischer Effizienzsteigerung mit sogenannten Rebound Effekten verbunden ist. Also Rebound ist ja nichts anderes als Zurückspringen, Zurückfedern. Wenn ich auf einem Trampolin springe, dann sinke ich erst einmal ein. Die Beschaffenheit des Materials sorgt dafür, dass ich zurückfedere. Wenn ich jetzt im übertragenen Sinne die Effizienz eines Motors steigere, also im Endeffekt mit einem geringeren Aufwand an Primärenergie-Input entweder genauso schnell unterwegs bin, oder mit dem gleichbleibenden Input mehr erreichen kann - und das sind ja zwei unterschiedliche Formen der Effizienz - dann führt das meistens dazu, dass das, was eingespart wird, also Kosten beispielsweise oder Zeit, an anderer Stelle wieder reinvestiert wird. Der Effekt ist, wenn der einzelne Nutzer eines Fahrzeugs mit effizienteren Motoren durch geringere Energiekosten für das Fahrzeug Geld einspart, dann legt er dieses Geld nicht zurück und bleibt auf diesem Niveau, sondern reinvestiert dieses wahrscheinlich an anderer Stelle in längere Reisen oder größere Geschwindigkeiten. Es macht dann nicht so viel aus, wenn man schneller fährt, weil es ja trotzdem noch sparsam ist. Also am Ende habe ich aus einer systemischen Gesamtperspektive betrachtet denselben Verbrauch wie vorher, oder sogar einen noch größeren Verbrauch. Das ist der direkte Rebound.
Ein weiterer Rebound wäre auch, wenn ich mit telematischen Verkehrsleitsystemen die Gesamtbelastungssituation eines zu betrachtenden Verkehrsraums in einer Stadt entlaste. Es läuft einfach flüssiger, effizienter, schneller, staufreier. Dann ist das ja erst einmal gewünscht, auch aus der ökonomischen und ökologischen Perspektive. Aber in dem Moment, wo ich ein System entlaste und es nicht an anderer Stelle deckele durch beispielsweise Kostensteigerungen für Parkraumbewirtschaftung, oder durch Citymaut-Systeme, oder anderes. Dann erzeuge ich durch die Entlastung über mittel- und langfristige Prozesse wiederum Wachstum und Überkompensation. Das heißt, ich werde ein, zwei Jahre später in derselben zu betrachtenden Verkehrszelle wahrscheinlich genau so viel, wenn nicht sogar mehr Verkehr haben. Das kann ja gewünscht sein, wenn ich sage, ich habe keine anderen Probleme. Ich möchte nur den Verkehrsfluss optimaler machen. Ich möchte mehr Menschen Gelegenheit geben, noch effizienter mit dem Automobil unterwegs zu sein. Dann kann das ja sehr wohl gewünscht und zielsicher sein, das so zu machen. Aber wenn ich noch ökologische Steueransätze habe, dann ergibt sich insbesondere aus dieser ökologischen Perspektive ein Problem. Dann habe ich damit nichts gewonnen, sondern im Grunde habe ich durch die Effizienzsteigerung das Problem noch größer gemacht.
Ein anderes Beispiel sind die so genannten psychologischen Rebounds. Menschen, die sich einen grünen Lebensstil angewöhnen, weil sie fest davon überzeugt sind. Die anfangen biologisches Essen zu kaufen und weniger Fleisch zu essen, vielleicht ein Carsharing-Auto benutzen, ihr privates Auto abschaffen, oder viel Rad fahren. Diese Menschen neigen interessanterweise an anderer Stelle dazu, mehr zu fliegen. Die sagen, na ja, ich mach ja schon so viel in meinem direkten Alltag, ich fahre so viel Rad und weniger Auto, ich kaufe Bio und esse weniger Fleisch. Jetzt kann ich aber 3- oder 4-mal im Jahr Sonne tanken, also international reisen. Das ist so eine Art psychologische Kontokorrentenrechnung. Ich rechne das gegeneinander auf. Man macht dabei aber nicht den konsequenten Schritt mal genau zu betrachten, wie denn die ökologischen Mengeneffekte sind. Und das führt dann dazu, dass man seinen ökologischen Fußabdruck umso größer gestaltet. Weil das Fliegen ist das unökologischste, aus der Klimaperspektive heraus Schlimmste, was ich tun kann. Das kann ich an anderer Stelle gar nicht mehr einsparen, wenn ich mir dieses Kriterium Co2 Emissionen anschaue. Ein Flug nach Nordamerika bedeutet ein bis zwei Jahre mit dem Auto im Alltag unterwegs zu sein, und dann habe ich dieselben Co2 Emissionen.
Und das ist natürlich etwas, was im Endeffekt als Gesamtgesellschaft überhaupt nicht opportun ist. Technologische Effizienzsteigerung, die an anderer Stelle wieder Wachstumseffekte hervorruft, führt zum ökologischen Desaster. Insbesondere wenn wir über Digitalisierung reden. Das sind ja Technologien, die ein enormes Maß an Effizienzsteigerungen mit sich bringen und möglich machen. Und meine große Befürchtung ist, alles wird noch schneller, die Ressourcendurchsätze werden noch größer und zwar in dem Augenblick, in dem ich versuche durch digitale Technologien den Bereich der Mobilität effizienter und klüger zu machen. Es sei denn - und das ist der Punkt, auf den ich hinweisen möchte - ich kombiniere Technologie mit Lebensstilveränderung.
Also ich bin ja überhaupt kein Feind von Technologie. Im Gegenteil, ich glaube, wir werden die Probleme ohne Technologie und ohne eine massive Technologieentwicklung in der Zukunft nicht ändern und nicht lösen können. Aber wir brauchen gleichzeitig Mechanismen, die diese Wachstumsprozesse beschränken und an anderer Stelle ausgleichen. Ich werde die Probleme, die im Bereich des Fliegens existieren, nicht über reine Technologieentwicklung und technologische Effizienzsteigerung, beispielsweise von Turbinen oder aerodynamischen Konstruktionsprinzipien oder alternativen Treibstoffen, lösen können. Ich muss also wirklich hingehen und überlegen, wie kann ich über Lebensstilveränderungen etwas verändern? Indem ich weniger fliege, gar nicht mehr fliege, virtuelle Technologien nutze, oder aber mich einlasse auf das Thema Luftschiffe und sage, ok, dann fliege ich anders, ich brauche länger, aber ich komme auch an mein Ziel. Es ist eine Kombination von technologischer Innovation und Lebensstilveränderung, die hinter dem Szenario der Luftschiffe steht. Für eine wirklich nachhaltige Entwicklung in der Zukunft brauche ich Technik plus Lebensstil. Effizienz plus Suffizienz. Nur das eine zu tun, da drücken wir uns vor den wirklich relevanten und interessanten Fragen.
Dreitausend Jahre vor Christi nähert sich ein Raumschiff unserer Erde, die vorzufindende primitive Entwicklungsstufe weckt jedoch kein Interesse bei den intelligenten Lebewesen. Auch bei Ihrer Rückkehr fünftausend Jahre später verlassen sie wieder einmal die Umlaufbahn der Erde, nachdem sie das bedrohliche Ungleichgewicht unserer Ökosysteme erkennen. Mit dieser kleinen Geschichte begrüßen Sie den Leser Ihres Buches und auch im abschließenden Kapitel werden die Fremden ein drittes Mal zur Erde zurückkehren. Welches Bild bietet sich ihnen im Jahr 2500?
Stephan Rammler: Ich wollte der Erzählung noch eine dritte Ebene, eine dritte Perspektive geben. Das was ich versuche im ersten Teil dieses Buches zu beschreiben, nämlich diese enorme Entwicklung der modernen Zivilisation, die sich am ehesten und am stärksten auch an unseren Mobilitätsthemen und an unserer Art und Weise mit Raum und Zeit umzugehen, widerspiegelt. Das kann man nur mit dem Kunstgriff eines Zeitraffers deutlich machen. Das kann ja nur ein Externer, ein Außerirdischer sein, der andere Lebenszeiten und andere Lebenshorizonte hat. Der im Zeitraffer quasi sehen kann, was in diesen wenigen tausend Jahren der Modernisierung passiert ist. Man guckt von außen auf diesen Erdball und sieht alles das, was mit der Mobilität verbunden ist. Das war die Idee, das noch einmal in Form eines starken Bildes nieder zu schreiben. Und durch das Aufgreifen hat mein eutopisches Szenario, meine insgesamt positiv ausgerichtete Utopie, ein optimistisches Ende. Und diese Fremden, die dann wieder kommen, sehen sehr hoffnungsfrohe Anzeichen, dass sich hier doch einiges getan hat. Eigentlich hätte man ein Gesamtszenario schreiben müssen. Von einer Mentaltransformation hin zu einer nachhaltigen Kultur. Ich habe das nur am Beispiel der Mobilität gemacht. Es gelingt dieser menschlichen Zivilisation in der Fortschreibung der Szenarien, die ich da als eutopische Szenarien entwickelt habe, das Ruder rumzureißen, die Schubumkehr zu vollenden. Das ist also auch noch einmal der Rückgriff auf die Schubumkehr. Es geht im Grunde um die Schubumkehr, die wir jetzt beginnen müssen, um am Ende bei dem optimistischen Szenario meines Buches zu landen. Das wir auch weiterhin gut und kommod und mit einem guten Auskommen sicher und friedlich auf dieser Erde leben können. Und dann ist die Frage, kommt es zu einer Kontaktaufnahme, oder nicht? Und das lassen wir jetzt einmal offen.
Prof. Dr. Stephan Rammler, geb. 1968, studierte Politikwissenschaften und Ökonomie. Promotion am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und der TU Berlin. Seit 2002 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, von 2007 bis 2014 Gründungsdirektor des Instituts für Transportation Design (www.transportation-design.org). Arbeitsschwerpunkte sind die Mobilitäts- und Zukunftsforschung, Verkehrs-, Energie- und Innovationspolitik, Fragen kultureller Transformation und zukunftsfähiger Umwelt- und Gesellschaftspolitik.
Vielen Dank an Herrn Rammler für das Interview. Das Gespräch wurde geführt von Sophia von Berg (@multi_mobility, Blog Multi-Modal-Mobility), 2015.
барашек by Ivan_Poleshchuk