Weit weg - für eine der wunderbarsten Personen (@rapid-heartbeat), die auf dieser Welt so rumirren:)
„Weit weg, sagst du, „es ist gut, dass wir jetzt weit weg sind. Das Meer liegt hinter uns, der Sturm, der Winter.“- „Ja“, möchte ich antworten. Denn ich schmecke noch immer Schneeflocken auf meinen Lippen. Ich weiß, dass es dir genauso geht. Salzig sind sie. Tränengleich. Der Sturm, das Meer sind die Jahre in der Schule, vor allem im Gymnasium. 8 Jahre waren es. 8, eine Zahl, so nah an der Unendlichkeit. Man müsste sie nur umdrehen und wäre verloren. Wir sind nicht mehr im Kindergarten, wo wir für Zahlen Bauklötzchen nehmen. Zahlen sind nun scharfe Gegenstände. Tatsachen, die uns daran erinnern, dass wir erwachsen geworden sind. Wir schneiden uns an Banknoten. Während wir uns nach der Zeit sehnen, in der Geld wie Geld aussah und weniger wie Monopolypapier. Wir wünschen uns, wir müssten nicht dauernd daran denken. „Weit weg“, sagst du, „es ist gut, dass wir jetzt weit weg sind.“ Dieses Weit-Weg, unser Gespräch vertieft sich in andere Ozeane, wie sprechen darüber wie es ist, dieses Weit-Weg. Bei dir ist es das Gegenteil von Einsamkeit, die verschiedenen Adressen, die du zugeworfen bekommst. Du berichtest von deinen Erfahrungen, zu bunt, zu laut, zu großartig, um von dieser Welt zu sein. Von Beats, die in deinen Venen wiederhallen und schlaflosen Nächte, in denen du Besseres zu tun hattest. Warst du eingesperrt, ohne dass du es selbst wusstest, frage ich mich. Bist du über deinen Schatten getanzt, bist du nun endlich frei? Ich berichte von engen Gassen und verwinkelten Bücherläden. Von Menschen, die nach Galaxien Ausschau halten, von unaufdringlicher Herzlichkeit und geschwiegenem Verständnis, von dem Hier-gehörst-du-hin-Gefühl, von Flauschedecken und Mittnernachtsfeuern. Von einem Verstand, der sich zum ersten Mal nach Unendlichkeit anfühlt. Es gibt noch so vieles, dass ich nicht weiß. Ich habe keine Angst davor. „Wir sind jetzt andere Menschen.“, sagst du und wieder muss ich nicken. Wir wurden erschaffen, nicht nur einmal. Wir haben uns neu erfunden, so wirklich und irgendwie auch nicht. Wir waren schon immer beides: Sehr verschieden und gleichzeitig unheimlich ähnlich. Deine Haare haben immer noch dasselbe Blond, deine Augen sind erfüllt von einem Grinsen, wenn du einmal richtig lächelst. Ich laufe noch immer schlecht in hohen Schuhen. Der Großteil meiner Kleider ist nach wie vor schwarz wie mein Humor. Wir sind älter geworden und klüger und mutiger. Wir sind lebendiges Treibgut. Wir wissen, wie gnadenlos Gedanken sein können. Aber Gefühle sind es auch. Erste Hilfe liegt uns mittlerweile. Wir sind gewappnet gegen Herz & Kopfchaos. Wir bluten nur noch Glitzer und Tinte. „Wir sind jetzt andere Menschen“, sagst du, an diesem Ort, der weit weg ist. Im Grunde ist er gar nicht so weit weg. Aber wir glauben es, weil wir eine andere Luft in unseren Lungen spüren. Weil unsere Herzen wieder schneller schlagen. In Wirklichkeit bist du nur eine Armbewegung entfernt. Ein paar Buchstaben und 9 Ziffern, um deine Stimme zu hören. Ich trage noch immer das Armband. Das vierte oder fünfte schon. Wir kennen uns zu lange, die Billigdinger haben nicht so lange überlebt. Unsere Freundschaft schon. Wir auch. Es kommt mir gar nicht mehr so selbstverständlich vor. „Weit weg.“, sagst du (vermutlich hast du es noch nicht einmal so gesagt), „Es ist gut, dass wir jetzt weit weg sind.“














