Neunziger Jahre und später
Der Rollkoffer und das Leben
Als ich in den Neunzigern die ersten Menschen mit Rollkoffern sah, kannte meine Verachtung keine Grenzen. »Wer sein Gepäck nicht mehr tragen kann, hat in seinem Leben was falsch gemacht«, dachte ich mir. (»Ich bin dieser Ansicht bis heute«, sagt Kathrin.) Es hat sich herausgestellt, dass mein Leben eins sein würde, in dem ich fast jede Woche unterwegs bin. In den Zweitausendern habe ich meinen ersten Rollkoffer gekauft, und die Hintergründe völlig vergessen. Neulich ist mir der Teleskopgriff kaputt gegangen und ich musste den Koffer auf zwei Reisen tragen. Es ist ein kleiner Koffer und ich kann ihn sehr wohl tragen. Aber es ist ein lästiges Leben so. Praktischer ist es, den Koffer hinter mir her zu ziehen und im Gym die Muskeln zu trainieren.
(André Spiegel, aus dem fortlaufenden Blog)







