Der Chef hatte zu sich nach Hause eingeladen. Es sollte Fugu im Ganzen geben. Er zeigt seine Lizenz rum, die er in Japan erhalten hatte und die ihm erlaubt, diesen giftigen Fisch zu zubereiten. Aber alle waren skeptisch, sie kannten ihren Chef - ein Großmaul und Blender. Im besten Fall hatte er sich bei irgendeinem Online-Workshop über's Ohr hauen lassen, im wahrscheinlichsten Fall hatte er sich die Lizenz einfach selber gebastelt. Aber keiner traute sich abzusagen, das ging nicht. Da war man dann fällig und eine Woche später wahrscheinlich rausgemobbt. Also besprach man in der Büroküche Lösungsmöglichkeiten... viele wollten versuchen, einfach nix runter zu schlucken… einige hatten Gegengifte gegooglet... schwer zu besorgen… einige wollten Salzlösung mitbringen, um möglichst schnell kotzen zu können. Die meisten aber organisierten Partner oder Freunde, die vor dem Haus vom Chef mit laufendem Motor warteten und im Fall schnell in ein Krankenhaus fahren konnten.Wie groß war die Erleichterung, als man bei Tisch sofort sah, dass sich der Chef einen Zackenbarsch oder Dorade oder irgendwas anderes hat andrehen lassen, aber niemals einen Fugu. Erleichtert spachtelten alle rein und lobten den Fisch und seine komplizierte Zubereitung. Dabei war der Geschmack grässlich. Trotzdem kann sowas wie eine gute Stimmung auf und der Chef war wirklich mal sichtlich erfreut und gerührt in Anwesenheit seiner „zurückgebliebenen Büroklammerhengste und -stuten“ wie er sie gern nannte.Der Fisch war leider verdorben und alle bekamen noch in derselben Nacht Durchfall. Aber blass, dehydriert und trotzdem irgendwie erleichtert erschienen alle pünktlich zur Arbeit. Außer der Chef. Der ging vormittags zu Hause noch mal schön in aller Ruhe scheißen.











