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Italien musste im ersten Spiel des Jahres nach Bulgarien reisen. Italien lag vor der Partie mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen auf Platz Zwei der Gruppe H. Bulgarien konnte seinen Qualiauftakt gegen Aserbaidschan gewinnen, verlor dann aber gegen Kroatien und Norwegen und erreichte gegen Malta lediglich ein Unentschieden.
Antonio Conte hat vor der Partie wieder ein paar eigenwillige Nominierungen und musste auch paar verletzungsbedingte Ausfälle verkraften. Thiago Motta und Daniele De Rossi wurden erst gar nicht nominiert,Pirlo, Marchisio, Florenzi und Buffon fielen aus. Das Ergebnis aus teils fragwürdiger Kadernominierung, Verletzung und mangelnden Mut Teamdebütanten wie Valdifiori oder Vazquez von Beginn an zu bringen, war eine Startaufstellungen, die nicht gerade viel Schrecken verbreitet: Im Tor spielte Sirigu, in der 3er-Abwehr Chiellini, Bonucci, Barzagli, Antonelli und Darmian auf Außen, Bertolacci, Verratti und Candreva im Mittelfeld und Immobile und Zaza im Sturm. Es gab schon bekanntere Namen in der Squadra Azzurra.
Bulgarien begann mit einem 4-2-3-1, das in der Defensive stehts zu einem 4-4-2 wurde. Bekannte Namen gab es hier nicht viele, einige Spieler sind nur in Bulgarien aktiv, Stürmer Micanski spielt bei Karlsruhe, Innenverteidiger Bodurov bei Fulham und Zehner Popov von Kuban Krasnodar hat immerhin einen Marktwert von 12 Mio. €. Später eingewechselt wurde Retro-Stürmer Valeri Bojinov, den es zwar schon ewig gibt, der aber trotzdem noch keine 30 Jahre alt ist und mittlerweile bei Ternana in der Serie B spielt.
Bulgarien überließ den Italienern die meiste Zeit den Ball und richtete sich auf Konter aus. Die Mannschaft von Antonio Conte hatte mit dem bulgarischen Mittelfeldpressing ordentlich zu kämpfen.
Die drei Innenverteidiger wurden nicht attackiert, Micanski und Popov warteten stets im Mittelkreis und stellte Marco Verratti dazu, der kaum ins Spiel fand. Auch Candreva und Bertolacci konnten sich kaum in Szene setzen, sie bewegten sich meisten Zeit auch nur recht schlecht und waren nur selten anspielbar. Einzig die Wingbacks Antonelli und Darmian hatten als Breitengeber stets Platz.
Wenn der Ball auf einen der beiden Halbverteidiger gespielt wurde, schob einer der beiden Stürmer heraus und lief in bogenförmig an. Im Bild wird Chiellini von den andern beiden Innenverteidiger isoliert, die Rückpassoption auf Bonucci ist zugestellt und Chiellini muss mit dem Ball am Fuß nach vorne rücken. Grundsätzlich stellen sich Barzagli und Chiellini bei Juventus in diesem Punkt durchaus geschickt an, gegen Bulgarien fanden sie aber kaum Anspielstationen vor und konnten lediglich den Wingback anspielen, der schnell wieder zugestellt wurde. Gerne probierten Chiellini auch Verlagerungen auf die andere Seite, bei denen es aber an Qualität mangelte, oder spielte lange Bälle auf Zaza oder Immobile. Italien versuchte es häufig mit langen Bällen hinter die Abwehr die Stürmer ins Spiel zu bringen, was hin und wieder gute Chancen brachte, aber aufgrund der tiefstehenden Abwehr keine erfolgsstabile Variante war.
Andere Seite, gleiches Spiel.
Nach 10 Minuten führte dies auch zum Ausgleichstreffer der Bulgaren. Antonelli wird von Chiellini angespielt und ist sofort unter Druck. Antonelli verliert die Geduld und entscheidet sich gegen den Rückpass auf Chiellini und spielt Immobile an, der den Ball nicht sichern kann. Italien hat keine aufgrund großer Abstände keine Chance in ein Gegenpressing zukommen und läuft in einen Konter und bekommt im Endeffekt auch durch einen individuellen Fehler von Bonucci begünstigt den Ausgleich.
Nur wenige Minuten später geht Bulgarien sogar in Führung. Italien verliert beim Umschalten im Mittelkreis den Ball, Popov kann aus der eigenen Hälfte bis vor den italienischen 16er spazieren, ohne dass er in einen Zweikampf kommt.
Ermöglicht wird der Treffer auch, weil Chiellini den Laufweg von Micanski billig verfolgt und viel zu spät an Bonucci übergibt. Milanov hat Platz und kann innerhalb des Strafraums auf Micanski flanken, der per Kopf das 2:1 erzielt.
Nach dem bulgarischen Führungstor zeigten sich bei Italien weiterhin große Probleme. Die drei zentralen Mittelfeldspieler wurden gut zugestellt, nur Außen hatte Italien Platz und konnte hier auch vereinzelt gute Durchbrücke erzielen. Die beiden Stürmer Immobile und Zaza bekamen nur wenige Bälle, sie wurden von den Innenverteidigern stets mannorientiert gedeckt und standen stets im Deckungsschatten der defensiven Mittelfeldspieler. Auffällig war auch wie nah beieinander Zaza und Immobile agierten. Sie bewegten sich äußerst schwach und konnten nie irgendwelche Löcher in die Defensive der Bulgaren reißen, obwohl dies wohl nicht allzu schwer gewesen wäre.
Auch gegen den Ball zeigten sich bei Italien noch Schwächen. Die Abstände im Pressing waren viel zu groß, im Bild benötigt Darmian viel zu lange, um in die Nähe des Außenverteidigers zu gelangen und Druck ausüben zu können. Auch die Abstände zwischen Sturm und zentralen Mittelfeld passten nicht. Bulgarien konnte das Pressing meistens Problemlos überspielen. Auch wenn dies in der Partie kein wesentlicher Punkt war, da Bulgarien ohnehin nicht so oft den Ball hatte, ist es dennoch ein Punkt an dem Conte arbeiten muss.
In der zweiten Halbzeit machte Italien etwas mehr Druck, konnte aber kaum gefährlicher werden. Durch das sehr breit stehende Mittelfeld und teils kuriose Mannorientierungen, hätte es aber sehr wohl angreifbare Punkte gegeben. Im Mittelfeld und im Sturm mangelte es aber an Bewegung, das zentrale Mittelfeld agierte sehr statisch und konnte daher viel zu leicht aus dem Spiel genommen werden. Verratti wurde stets von den bulgarischen Stürmern aus dem Spiel genommen, Bertolacci zeigte nur vereinzelt ausweichende Bewegungen auf den Flügel (was immerhin das erste Tor ermöglichte) und Candreva rückte teilweise, aber zu selten um dies konstant zu nutzen, weiter auf. Das zu statisch agierende Mittelfeld war daher eines der größten Probleme Italiens an diesem Abend.
Da Italiens 5er-Mittelfeld sehr breit agierte, stand auch Bulgarien im Mittelfeld sehr breit und war dadurch auch etwas löchrig, Italien erkannte dies aber nicht und zeigte leider kaum Reaktion. In diesem Bild aber hat Candreva Platz, worauf der Außenverteidiger (!) auf ihn drauf schiebt, der entstehende Raum für Zaza wird aber nicht genutzt.
Defensiv war es sicher keine Meisterleistung der Bulgaren. In diesem Bild hat Italien in der eigenen Hälfte den Ball erobert, das Umschalten aus dem 5-3-2 verläuft aber nicht ideal. Zaza und Immoble haben beide den gleichen Laufweg, Antonelli muss weite Wege machen, niemanden attackiert den riesigen Raum zwischen rechtem Innen- und Außenverteidiger.
Immerhin erkennt Antonio Conte Schwächen und nimmt gute Umstellungen vor. Er sieht das Problem im Sturm, wohl auch aus einer großen Ähnlichkeit zwischen Zaza und Immobile resultierend, und bringt mit dem Oriundi Eder einen Spieler, der eigentlich als Linksaußen oder hängende Spitze spielt, weitere Wege geht und technisch stärker ist. Eder ist daher weitaus besser geeignet und könnte mit seinen Bewegungen einige Löcher in der Abwehr der Bulgaren reißen. Die Idee war gut, funktionierte aber auch nicht wesentlich besser, weshalb Conte weitere Umstellungen vornahm. Er brachte Soriano für Bertolacci und Gabbiadini für Antonelli. Italien spielt damit für die letzten 15 Minuten ein 3-4-3 mit Gabbiadini als zusätzlichen Stürmer und Candreva auf der rechten Seite; Darmian rückte dafür auf links.
Bulgarien kam mit den Umstellungen nur schlecht zurecht. Chiellini und Barzagli spielten immer offensiver, Italien drückte den Gegner in der Schlussphase ziemlich hinten rein. Durch die Mannorientierungen ergaben sich interessante Staffelungen, hier zum Beispiel ein 6-3-1. Aus dieser Situation entstand auch der Ausgleichstreffer. Eder bewegt sich gut, bekommt den Pass vom weit aufgerückten Chiellini, Dyakov kommt zu spät nach und kann Eder nicht entscheidend stören. Eder dreht sich und schließt sofort ab. 2:2!
Fazit:
Letztendlich mühte sich Italien zu einem Unentschieden in Bulgarien. Bulgarien hatte zwar paar recht interessante Punkte, zeigte aber einige Schwächen, die Italien nur kaum ausnutzen konnte. Die Italiener hatten einige Probleme in der Partie, waren anfällig für Konter, schwach in der Offensive und zeigten zudem ungewohnte Ungenauigkeiten im Passspiel (Bonucci, die langen Pässe kannst du besser!). Immerhin machte Conte in der zweiten Halbzeit gute Umstellungen, die der Squadra Azzurra den Ausgleich und beinahe sogar den Sieg brachten.
Die Ausgangslage vor der Partie zwischen Juventus und Roma war klar: Roma liegt mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 2 und braucht daher unbedingt einen Sieg, Juventus dagegen könnte sich mit einem Unentschieden zufrieden geben, bei einem Sieg hätte man bereits 12 Punkte Vorsprung. Viele gaben der Partie daher einen vorentscheidenden Charakter.
Die Roma spielte wie gewohnt im 4-3-3, einzige Überraschung dabei war, dass Keita und De Rossi gemeinsam auflaufen durften, Nainggolandagegen musste auf der Bank Platz nehmen. Torosidis, Manolas, Yang Mbiwa undHolebas bildeten die Abwehr, Keita, De Rossi und Pjanic das Mittelfeld, Ljajic,Totti und Gervinho liefen im Sturm auf.
Max Allegri wich von seinem heuer neu eingeführten 4-3-1-2 ab und stellte auf ein 5-3-2 um, mit dem Juventus unter Antonio Conte bereits äußerst erfolgreich war. Die Abläufe in den beiden Systemen sind gar nicht so unterschiedlich wie man vielleicht glauben mag, zentraler Punkt ist bei beiden Varianten die Kontrolle des Zentrums. Die Umstellung von Allegri war wohl auch keine taktische Anpassung an den Gegner sondern eine Reaktion auf die Ausfälle im Mittelfeld. Pirlo verletzte sich bei der Partie gegen Dortmund, Pogba fällt ebenfalls aus und auch der talentierte Neuzugang Stefano Sturaro stand nicht zur Verfügung. Marchisio, Pereyra und Vidal waren daher die einzigen verfügbaren zentralen Mittelfeldspieler. In der Abwehr spielten Lichtsteiner, Caceres, Bonucci, Chiellini und Evra, im Sturm erneut Morata und Tevez.
Juventus war sich der Ausgangslage der Partie natürlich bewusst und agierte dementsprechend abwartend. Juventus spielte gegen den Ball im 5-3-2 und legte seinen Fokus deutlich auf die Kontrolle des Zentrums und fühlte sich sichtlich wohl ohne Ball. Durch das spielen mit zwei Stürmern und durch das enge 3er-Mittelfeld wurde die Roma früh auf Außen geleitet. Dort hätte die Roma eigentlich Überzahl, da Lichtsteiner und Evra die einzigen Flügelspieler bei Juventus sind. Kam der Ball allerdings auf Außen, rückte der ballnahe Wingback heraus, attackierte den gegnerischen Außenverteidiger und übergab den Flügelstürmer auf den nachrückenden Halbverteidiger, wodurch regelmäßig ein 4-4-2 entstand
Manolas spielt den Ball auf die linke Seite auf Holebas, Lichtsteiner schiebt sofort heraus, Caceres übernimmt seine Position. Gervinho wird von Vidal attackiert, im Mittelfeld bieten sich keine Anspielmöglichkeiten und es folgt der Ball zurück auf De Rossi.
De Rossi verlagert das Spiel auf die andere Seite, doch hier ergibt sich das gleiche Spiele von vorne. Als Torosidis den Ball bekommt, stürmt Evra bereits auf ihn zu, Chiellini verschiebt auf Evras Außenverteidigerposition und übernimmt Adem Ljajic. Dieses Mal kommt Seydou Keita zur Hilfe, der zwischen Außen- und Innenverteidiger abgekippt ist. Pjanic hat sich ebenfalls zurückfallen lassen, es fehlt daher an Anspielstation nach vorne bzw ins Mittelfeld. Keita bleibt eigentlich nur erneut der Ball zurück auf die Innenverteidigung und auf De Rossi, er entscheidet sich aber für den langen Ball auf Totti, der den Raum zwischen Bonucci und Chiellini attackiert. Totti kann den Ball nicht direkt sichern, in 5 gegen zwei Unterzahl hat die Roma danach keine Chance den zweiten Ball zu gewinnen, es kommt logischerweise zum Ballverlust.
Die Roma baute ruhig um das 5-3-2 der Turiner herum auf, genau wie es sich Allegri wohl gewünscht hat. Penetration war dabei keine möglich.
Erneut zeigten sich die zuletzt großen Probleme der Roma im Spielaufbau. Doch es mangelt nicht einfach an Tempo im Passspiel, wie viele Fans kritisieren. Viel mehr sind die Positionierungen im Spielaufbau problematisch. Juventus verzichtet darauf die Roma zu pressen und stellte sich ruhig im 5-3-2 auf. Daniele De Rossi ließ sich ständig zwischen die Innenverteidigung zurückfallen, Seydou Keita kippte seitlich zwischen Innen- und Außenverteidigung ab, was Torosidis eine höhere Grundposition ermöglicht und wodurch Adem Ljajic ins Zentrum rückte. Da Juventus auf ein richtiges Pressing verzichtete und lediglich versuchte die Angriffe auf Außen zu leiten, war dieses abkippen von gleich zwei Spielern eigentlich überflüssig, es fehlte dadurch deutlich an Anspielstationen. Da Miralem Pjanic nur sehr wenige Bälle bekam, ließ sich auch er des Öfteren zurückfallen, wodurch die Roma teilweise mit allen drei Mittelfeldspielern hinter der ersten Verteidigungslinie der alten Dame stand, was katastrophale Stellungen im Aufbau ergab. Totti und auch Ljajic bewegten sich sehr oft geschickt im Zwischenlinienraum, um sie anzuspielen müsste De Rossi allerdings mit nur einem Pass den Sturm und das Mittelfeld der Gäste überspielen, was natürlich äußerst schwer ist (war der Passwege frei, wurde der zurückfallende Totti meistens von einem der Halbverteidiger mannorientiert verfolgt). Versuche die rechte Seite mit Gervinho und Totti zu überladen, scheiterten an den kompakten Turiner 4er-Ketten und vor allem auch an den fleißig zurückarbeitenden Stürmern Morata und Tevez. Dadurch hatte Juventus zwar sehr schlechte Staffelungen im Umschaltspiel, was Allegri aber auch nicht sonderlich störte, man schien sich ja von Beginn an mit einem Unentschieden zufrieden zu geben. Platz zum Kontern hätte es aber durchaus genug gegeben, die seitlich abkippenden Keita oder De Rossi ermöglichten den Außenverteidigern zwar sehr hohe Positionen, allerdings sicherten sie diese nur unzureichend ab was bei Ballverlusten teilweise wunderschöne Räume für Turiner Konter bot.
Torosidis ist weit aufgerückt als die Roma den Ball verliert. Morata zieht die Innenverteidigung auf rechts, Vidal attackiert den freien Raum
Die Roma macht sich durch ihre schlechten Positionierungen der Mittelfeldspieler das Leben selber schwer. Unter Rudi Garcia agierte die Mannschaft stehts sehr fluide, im Mittelfeld und im Angriff werden ständig die Positionen getauscht und dabei sehr variabel interpretiert. Was im Angriff oft zu interessanten Überladungen führt, ist im Mittelfeld nun derzeit ein großen Problem. Gegen Juventus hat man sich im Prinzip die eigene Innenverteidigung selber aus dem Spiel genommen und mit zwei Spielern weniger baut es sich natürlich schwieriger auf als sonst.. Die schlechte Einbindung der Innenverteidiger verbunden mit den schwachen Positionierungen im Mittelfeld war wohl das größte Problem der Roma gegen Juventus. Die sauber verschiebenden Turiner hatten überhaupt keine Mühe, auch ohne Ball kontrollierte Juventus klar das Geschehen. Die erste Hälfte endete daher erwartungsgemäß mit 0-0, die Roma hatte zwar 66% Ballbesitz, Torschüsse gab es aber keine.
Zweite Halbzeit
Allegri sah eine schwächelnde Roma und merkte, dass an diesem Tag ein Sieg und damit eine Vorentscheidung im Duell um die Meisterschaft möglich ist. Ab der Halbzeit tat Juventus daher nun auch weitaus mehr für das Spiel und trat dominanter auf.
Interessant war dabei, wie sich die Gäste aus Turin bei eigenem Abstoß positionierten. Die Abläufe glichen hier nämlich eher jenen aus einem 4-3-3, Bonucci und Chiellini splitteten am 16er auf, Marchisio ließ sich zentral zurückfallen, Caceres schob auf die rechte Außenverteidigerposition und agierte gleich hoch wie der linke Wingback Evra. Stephan Lichtsteiner, der rechte Wingback schon extrem hoch und stand auf der Höhe der beiden Stürmer. Die Roma stellte sich daraufhin sehr hoch im 4-3-3 um den Spielaufbau zu verhindern und ließen lediglich Caceres und Evra anspielbar, was aber durchaus riskant wäre und Buffon daher zum langen Ball zwang.
Konnte Juventus aber seinen gewohnten Spielaufbau aufziehen zeigten sich auch deutlich die Probleme der Roma im Pressing. Mal presste man im 4-3-3-, dann im 4-4-2, dann in einer Art 4-1-3-2, im Grunde genommen war es einfach total unorganisiert. Die Römer verfolgten den Gegenspieler jeweils mannorientiert, nur klare Zuordnungen und eine Struktur waren nicht zu erkennen. Zudem waren die Abstände zwischen Angriff und Mittelfeld meistens viel zu groß, was wohl auch an einer Uneinigkeit darüber, wann man den Gegner überhaupt anpresst, lag. Die spielstarke Innenverteidigung von Juventus hatte mit diesen Pressingversuchen jedoch überhaupt keine Mühe und konnte diese dank relativer simpler Dreiecksbildungen um Marchisio oder auch durch geschickt mit Ball aufrückende Bewegungen der Halbverteidiger umspielen, wodurch sich danach natürlich mehr Platz für das Spiel der Turiner bot.
Auch mit Ball dominierte Juventus weiterhin, in Minute 61 folgte dann auch ein durchaus verdienter Führungstreffer für die Gäste. Nach einem Abschlag von De Sanctis konnte Juventus im Mittelfeld den Ball gewinnen und schaltete schnell um. Vidal attackierte den Raum zwischen Manolas und dem beim Abschlag sehr hoch stehenden Torosidis und fühlte sich dabei vom zurückeilenden Außenverteidiger gefoult. Gelb-rote Karte für Torosidis, Freistoßtor durch Tevez.
Rudi Garcia reagierte darauf in dem er Adem Ljajic aus dem Spiel nahm und Alessandro Florenzi auf die rechte Außenverteidigerposition stellte. Florenzi, eigentlich Außenstürmer, wäre aufgrund der offensiven Interpretation dieser Rolle vielleicht schon von Beginn weg sinnvoller gewesen, da er den sich auf Außen bietenden Platz besser als Torosidis nutzen konnte. Durch die Herausnahme von Ljajic agierte die Roma in einem 4-3-2, welches also in der Offensive noch weniger Anspielstationen als zuvor bot. Es zeigte sich im Prinzip erneut das alte Spiel aus der ersten Halbzeit, Juventus überließ der Roma nun wieder den Ball und verlegte sich darauf den Gegner aus dem Zentrum fern zu halten.
Romas enorme Präsenz im Angriff
Später brachte Garcia noch Nainggolan für De Rossi, der deutlich mehr Präsenz in höheren Zonen brachte, und Iturbe für Totti. Insgesamt brachten die drei Einwechslungen, vor allem jene von Nainggolan und Florenzi (der es in nur 25 Minuten auf drei erfolgreiche Dribblings brachte), ordentlich frischen Schwung in die Partie, dessen Tempo nun etwas höher wurde. Juventus ließ sich ein wenig von einer leichten aufkommenden Hektik anstecken und immer wieder kam es zu Fouls. Aus einem der daraus folgenden Freistöße konnte Seydou Keita, der seinen Manndecker Caceres leicht umstieß und dadurch frei zum Kopfball kam, schließlich den Ausgleich erzielen. Aufgrund des 9-Punkte-Rückstandes wollte die Roma mehr, drückte auf das 2-1, erhöhte das Tempo, konnte aber letztendlich nie gefährlich werden, womit es beim Unentschieden blieb.
Fazit
Die großen Problemstellen der Roma wurden auch in dieser Partie wieder deutlich. Erneut gab es klar ersichtliche Probleme im Spielaufbau, durch die gemeinsame Aufstellung von Keita und De Rossi wurden diese Probleme nicht behoben, sondern im Endeffekt noch verstärkt. Dass Juventus einen sehr hohen Wert auf die Kontrolle des Zentrums legt und versucht den Gegner auf Außen zu leiten, ist nichts Neues, bedenkt man die Probleme der Roma in den letzten Spielen war es aber wohl kaum ein bewusste Entscheidung von Rudi Garcia um den Defensivblock der Juventini herumzuspielen. Als Juventus in der zweiten Hälfte selber mehr für das Spiel tat, zeigten sich auch erneut die Probleme im Pressing. Die defensivstarke Alte Dame hatte das Spiel daher ständig unter Kontrolle und hätte das 1-0 eigentlich auch heimbringen müssen, aufgrund der vielen Fouls in dieser hitzigen Begegnung erreichte die Roma durch einen Freistoß aber noch das Unentschieden, mit dem man in Turin weitaus besser leben kann als in Rom.