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Im italienischen Cupfinale kam es diese Woche zum Aufeinandertreffen zwischen Lazio und Juventus. Lazio konnte die Coppa Italia bereits vor zwei Jahren, damals im Derby gegen die Roma, gewinne. Juves Erfolge im Cup liegen schon etwas länger zurück, dafür dominierte die Alte Dame die Serie A in den letzten Jahren und auch heuer nach belieben. Lazio spielt aber ebenfalls eine sehr gute Saison und steht kurz davor sich einen Platz für die Champions-League-Quali zu sichern. Zwischenzeitlich lag Lazio schon auf Platz zwei, derzeit liegt man aber noch einen Punkt hinter dem Stadtrivalen auf Rang drei.
Lazio spielte unter Stefano Pioli heuer stets ein 4-3-3 oder ein 4-2-3-1, passte die genaue Ausrichtung aber meistens an den Gegner an. Gegen Juventus entschied sich Pioli dazu erstmals in dieser Saison eine Dreier- bzw. Fünferabwehr auszupacken und spielte ein 3-4-3. Im Tor stand der eigentliche Ersatzgoalie Berisha, die Abwehr bildeten Lulic, Radu, Gentiletti, Vrij, Basta, das Mittelfeld Cataldi und Parolo, die Offensive bestand aus Candreva, Klose und Felipe Anderson. Biglia fehlte im Mittelfeld, die Umstellung des Systems ist aber nur eine Gegneranpassung und nicht als Reaktion auf Biglias Ausfall zu sehen, da Pioli mit Ledesma und Onazi brauchbare Alternativen zur Verfügung gestanden wären.
Juventus musste auf Marchisio verzichten und wich erneut von der heuer eingeführten Mittelfeldraute ab und begann im alten 5-3-2. Mit Storari stand auch bei Juventus der Ersatztormann im Tor, ansonsten gab es keine wirklichen Überraschungen, außer vielleicht Llorente im Sturms statt Morata. Evra, Chiellini, Bonucci, Barzagli und Lichtsteiner in der Abwehr, Pogba, Pirlo und Vidal im Mittelfeld und Tevez und Llorente im Sturm.
Die Partie begann zunächst mit einer ziemlich hohen Intensität. Sowohl Lazio als auch Juventus attackierten recht hoch, um den gegnerischen Spielaufbau zu stören. Die Folge waren einige lange Bälle und auch einige Fouls. Zwei Freistöße brachten dann auch schon sehr früh zwei Tore. Lazio konnte bereits nach zwei Minuten in Führung gehen, Radu köpfte einen Freistoß aus großer Distanz ins Tor. Bei Juventus war es Chiellini der nach einem Freistoß von der Seite nur kurz darauf den Ausgleich erzielte.
Nach dem Ausgleich sank die Intensität wieder und beide Teams hatten ihre Probleme mit dem Defensivkonzept des Gegners. Lazio versuchte Juventus vor allem mit vielen Mannorientierungen zu bezwingen.
Lazio präsentierte sich gegen den Ball grundsätzlich in einem 5-2-3. Dabei gab es sehr viele Mannorientierungen. Die Wingbacks Basta und Radu spielten auf Lichtsteiner und Evra, im Abwehrzentrum hatte Lazio 3 vs 2 Überzahl. Durch die 5er-Abwehr konnte Lazio so auf das Zurückfallen von Carlos Tevez reagieren. Ließ sich Tevez ins Mittelfeld fallen, blieb ihm einer der beiden Halbverteidiger stets auf den Fersen. In der Innenverteidigung blieb aber immer noch eine 2 vs 1 Überzahl gegen Fernando Llorente.
Im Mittelfeld agierten Cataldi und Parolo ebenfalls sehr mannorientiert auf Vidal und Pogba. Doch gerade gegen den mit einer überragenden Physis und Technik ausgestatteten Pogba ist dies wohl keine ideale Variante. Dies wäre Potentiell vielleicht der größte Schwachpunkt, doch Pogba, der erst seit kurzem wieder fit ist, machte keine gute Partie und konnte sich nur in der ersten Halbzeit paar Mal gut in Szene setzen. Vidal plagte sich mit Cataldi aber ziemlich ab und hatte nur wenige Aktionen.
Der eingewechselte Roberte Pereyra zieht in die Spitze, Cataldi verfolgt seinen Lauf nicht, sondern kommuniziert nur mit der Verteidigung.
Während zurückfallende Stürmer verfolgt wurde, wurden umgekehrt aufrückende Mittelfeldspieler - Vidal oder späten Pereyra orientierten sich öfter auch an die letzte Linie - übergeben, um das Mittelfeldzentrum wohl nicht zu gering besetzt zu haben. Diese verschiedensten Übergabemomente funktionierten bei Lazio wirklich reibungslos und waren kein wirklicher Schwachpunkt, wie sie es ansonsten oft sind in solchen Manndeckungen.
Der Dreiersturm blieb ohne Ball recht eng und übte kaum Druck auf den Spielaufbau aus. Priorität war es Andrea Pirlo zuzustellen und ihn im Deckungsschatten des zentralen Akteurs, meist Klose, zu haben. Die genaue Anordnung der drei Stürmer variierte ohne Ball ziemlich, öfters blieben auch Felipe Anderson oder Candreva zentral, was aber nichts änderte. Neben dem 5-3-2 gab es teilweise auch 5-2-2-1 oder 5-2-1-2 Staffelungen mit höherer Position der Flügelstürmer und tieferem Klose auf Pirlo. Vereinzelte Pressingläufe von Klose oder Candreva waren eher sinnlos, da meistens nicht eingebunden.
Die Innenverteidigung von Juve hatte also viel Zeit am Ball, nach vorne aber kaum brauchbare Anspielstationen. Pogba und Vidal wurden von Parolo und Cataldi stets unter Druck gesetzt, Pirlo wurde von Klose gedeckt. Der Mittelfeldregisseur reagierte darauf in dem er sich öfters zurückfallen ließ, blieb aber zentral vor Bonucci, was zu einer schlechten Einbindung des Innenverteidiger führte.
Ähnliche Probleme gab es auch für Lazio, wo die Einbindung der Verteidiger zu Wünschen übrig ließ.
Obwohl Lazio grundsätzlich eine 3 vs 2 Überzahl gegen die erste Verteidigungslinie von Juve hatte, kippte stets einer der beiden 6er ab. Meistens war es Cataldi, desöfteren aber auch Parolo der sich zurückfallen ließ, um das Spiel anzukurbeln (wobei das Zusammenspiel zwischen Parolo und Cataldi dennoch lobenswert zu erwähnen ist). Der höhere der beiden zentralen Mittelfeldspieler war daraufhin im Zentrum oft ziemlich auf sich alleine gestellt, woraufhin Antonio Candreva sehr tief agierte. Candreva ließ sich gerne sehr weit zurückfallen, war auf dem ganzen Platz zu sehen und versuchte stets Verbindungen herzustellen.
Juventus agierte ohne Ball wie gewohnt in einem 5-3-2, das zu einem 4-4-2 oder 4-4-1-1 – da Tevez meistens deutlich weiter zurückarbeitete als Llorente, der stets auf der Mittellinie blieb - wurde und setzte wie gewohnt auf hohe Dominanz im Zentrum, um den Gegner nach Außen zu leiten.
Lazio versuchte aber nicht über Außen zu kommen und vermied gegen die kopfballstarke Innenverteidigung sinnlose Flanken (obwohl man ja selber Miro Klose als Stürmer hätte). Stattdessen positionierte sich Wingback Dusan Basta stets im Halbraum und auch Lulic agierte eher selten als einfacher Breitengeber, wobei Basta insgesamt etwas zurückhaltender als der Bosnier auf links war.
Der rechte Wingback, Dusan Basta, steht im Mittelkreis, Senad Lulic auf der anderen Seite im linken Halbraum. Antonio Candreva steht an der linken Seite, während Felipe Anderson im Zentrum ist. (und Klose trabt gerade nach einer Defensivaktion wieder nach vorne).
So probierte es Lazio sich eher durch die Engen im Zentrum zu kombinieren, was aufgrund der eher geringen Präsenz im Zentrum ein sehr schweres Unterfangen war. Einer aus Candreva und Felipe Anderson hielt gerne auch die Breite (siehe Bild oben), um auf Außen zuerst Platz zu haben und dann diagonal in die Mitte gehen zu können, doch trotz ihrer technischen Stärke konnten beide eher wenig ausrichten (Felipe Anderson brachte es immerhin auf 7 Dribblings). Für Kombinationen fehlte es im letzten Drittel an Präsenz und an geschickten Positionierungen der Offensivakteure.
So neutralisierten sich beide Mannschaften lange Zeit, ohne dass irgendwelche Torchancen entstanden, Schüsse wurden entweder aus großer Entfernung abgeben oder resultierten aus Freistößen. Vom Rhythmus entstand eine ziemlich langsame Partie, mit sehr langen Ballstaffetten und nur sehr tiefen Balleroberungen. Offensivpressing gab es nur selten zu sehen, wobei Juventus hier mit Fortlauf der Partie immer größere Abstände hatte und relativ leicht überspielt werden konnte, woraufhin sich das Team wieder schnell tief zurückfallen ließ.
Lazio hätte mit Candreva und Felipe Anderson Potential in den offensiven Umschaltmomenten gehabt, doch gegen die überragende Restverteidigung von Juventus konnte Lazio seine Konterangriffe nie vernünftig fertig spielen.
In der Verlängerung gab es dann erneut ein recht frühes Tor, dessen Entstehung ebenfalls eher unspektakulär war. Pirlo holte sich den Ball von Bonucci ab und spielte einen nahezu perfekten langen Ball in die Tiefe auf Matri. Matri konnte den Ball nicht ganz sichern, bekam ihn aber über den Umweg durch einen abgeblockten Schuss von Tevez zurück und konnte aus etwa elf Metern abschließen.
Damit war die Verlängerung auch schon quasi entschieden: Juve in Führung, 5-3-2, Strafraumverteidigung, Flanken, Chancenlosigkeit bei Lazio... Pioli nahm noch Halbverteidiger De Vrij vom Feld, brachte den technisch versierten Balde Diao Keita und stellte damit auf 4-2-3-1 um. Lazio hatte dadurch mehr Breite, brachte aber außer aussichtslosen hohen Bällen aus allen möglichen Positionen nichts zusammen.
Fazit:
Bei Juventus bekam man das übliche 5-3-2 mit den altbekannten Stärken und Schwächen zu sehen, bei Lazio ein interessantes 5-2-3 mit vielen Mannorientierungen. Ein taktisch interessantes Duell, das aber insgesamt auf recht schwachem Niveau geführt wurde und von leichten Ballverlusten und auch ungewohnt vielen individuellen Fehlern geprägt war. Das Spiel wurde Großteils im mittleren Drittel geführt, da beide Mannschaft eher tief standen und gegen das Defensivkonzept des Gegners kaum Mittel fanden. Auf beiden Seiten waren daher je drei Torschüsse nach 120 Minuten die magere Ausbeute. Während bei Lazio Djordjevic zu Beginn der Verlängerung mit einem Schuss gleich zwei Mal die Stange traf, hatte Juventus mehr Glück und konnte in der 97. Minute in Führung gehen und diese daraufhin problemlos verteidigen. So konnte das Team von Max Allegri in einer ausgeglichenen Partie bereits den zweiten Titel in dieser Saison gewinnen und hat weiterhin gute Chancen auf das Triple, auch wenn es im Finale der Champions League sicherlich nicht einfach wird gegen Barcelona.
In der 30. Runde der Serie A kam es zum sehr interessanten Duell zwischen Torino und der Roma. Torino war eine der größten Überraschungen der letzten Saison und qualifizierte sich (durch die Lizenzverweigerung bei Parma) sogar für die Europa League. Nach den Verkäufen der Starspieler Cerci und Immobile hatte die Mannschaft zu Saisonbeginn noch einige Probleme, doch Giampiero Ventura leistete erneut hervorragende Arbeit und konnte wieder ein sehr gut funktionierendes Team herstellen. So verlor Torino in der Rückrunde erst zwei Spiele, ist wieder knapp an die internationalen Plätze herangerückt, besiegte in der Europa Legue Athletic Bilbabo und schied im Achtelfinale nur knapp gegen Villas-Boas‘ Zenit St. Petersburg aus.
Die Roma dagegen ist als Mitfavorit auf den Scudetto in die Saison gestartet und muss nun sogar um einen Champions-League-Fixplatz zittern. In der Rückrunde spielte die Roma reihenweise Unentschieden und zeigte dabei vor allem im Spielaufbau große Probleme. Mittlerweile wurde die Mannschaft schon vom Lokalrivalen Lazio überholt.
Rudi Garcia entschied sich wie gewohnt für ein 4-3-3. Holebas, Manolas, Astori und Florenzi bildeten die Abwehr, Nainggolan, De Rossi, Pjanic das Mittelfeld und Ljajic, Iturbe, Ibarbo den Sturm. Giampiero Ventura spielte sein übliches 5-3-2 mit Darmian, Moretti, Glik, Maksimovic, Peres; El Kaddouri, Gazzi, Vives; Quagliarella, Martinez, in dem die Aufstellung von Giuseppe Vives als halbrechter Achter am Meisten überraschte.
Die Roma übernahm von Anfang an die Initiative im Spiel und Torino blieb als Heimmannschaft gewohnt zurückhaltend und versuchte eher über Konter gefährlich zu werden. Torino übte dabei keinen wirklichen Druck auf den Spielaufbau der Roma aus und versuchte in der eigenen Hälfte kompakt zu bleiben. Die Stürmer Fabio Quagliarella und Josef Martinez blieben stets an der Mittellinie, um dort den Sechserraum zuzustellen, durch das 3er-Mittelfeld sollte die Roma stets auf Außen geleitet werden. Folgte der Pass auf einen der Außenverteidiger schob der Wingback stets weit aus der 5er-Abwehr heraus und es formierte sich ein 4-4-2 gegen den Ball.
Die Roma wurde über Außen so stets zugestellt, die Mannschaft blieb aber gewohnt ruhig und suchte regelmäßig wieder den Rückpass auf die Innenverteidigung oder De Rossi und ließ den Ball in der ersten Aufbaulinie zirkulieren. Auffällig war dabei erneut die schlechte Einbindung der Innenverteidiger. Daniele De Rossi kippte wie gewohnt ab und agierte dabei wie immer sehr dominant. Astori und Manolas spielten zumeist nur den kurzen Ball auf De Rossi und standen auch nicht breit genug.
Neben De Rossi ließ sich aber auch Pjanic ständig zurückfallen und kippte seitlich zwischen Innen- und Außenverteidigung, egal ob links oder rechts, ab. Auch Nainggolan tat dies hin und wieder, im Normalfall war es aber Pjanic wodurch eine recht klare 2-1 Staffelung mit Nainggolan zentral vor Pjanic und De Rossi entstand. Während man De Rossi in Ruhe gewähren ließ, reagierte Torino auf das seitliche Abkippen von Pjanic durch herausschiebende Achter – entweder Vives oder El Kaddouri attackierte den Bosnier sofort bei der Ballannahme.
Torino hatte allerdings zwei Probleme gegen den Ball: Zum einen war die Arbeit der Stürmer gegen den Ball eher mangelhaft und Nainggolan konnte daher gut eingebunden werden - auch weil Gazzi recht tief blieb um den Abstand zur Abwehr nicht zu groß werden zu lassen. Zum anderen ergab sich durch das herausschieben der Achter eine 5-2-3 Staffelung, durch die das Zentrum Torinos recht offen blieb. Vives oder El Kaddouri liefen Pjanic zwar an, der hatte aber nach hinten stets mehrere Passoptionen, die nicht attackiert wurden. De Rossi bekam häufig von Pajnic den Ball und konnte mit seinen Pässen danach regelmäßig gleich zwei Linien überspielen, da Sturm und Mittelfeld bei Torino etwas löchrig waren. Sehr wichtig war hierbei auch die extrem variable Sturmreihe, die ohne Mittelstürmer und ohne fixe Positionen in der Offensive auskam. Torinos Halbverteidiger versuchten die Stürmer mannzudecken und aus der Kette herauszuschieben, doch die sehr variablen Bewegungen erschwerten dieses Unterfangen extrem, da Moretti und Maksimovic horizontal nicht so weit mitgehen konnten mit ihren Gegenspielern und es beim ständigen Übergeben auch zu Problemen kommen würde. Ibarbo, Iturbe und Ljajic konnten sich stets gut im Zwischenlinienraum oder neben den beiden zentralen Mittelfeldspielern Torinos positionieren (wie man auch schon im ersten Bild erkennt), vor allem die Positionierungen von Adem Ljajic sind ein Traum. Der zuletzt viel zu oft zu unrecht kritisierte Serbe war der Schlüsselspieler in der Partie und agierte extrem weiträumig.
Adem “Zwischenlinienraum” Ljajic
Adem Ljajic lässt sich zwischen Innen- und Außenverteidiger zurückfallen. Zwei Pässe später steht er rechts vorne frei im Raum und lässt sich wieder anspielen.
Ljajic positionierte sich ständig gut in freien Räumen oder überlud gerne auch die rechte Seite, die flexible, technisch starke, Sturmreihe stellte die Abwehr von Torino mit seinen Bewegungen vor einige Probleme. Die drei Stürmer hatten in Ballbesitz alle Freiheiten und mussten keine fixe Positionen besetzten und so kam es mal vor, dass alle drei auf der rechte Außenbahn zu finden waren und auch Ibarbo sich mal weiter zurückfallen ließ, wobei der Kolumbianer gegenüber Iturbe und Ljajic ein wenig abfiel und gegen die zumeist sehr tiefstehende Abwehr seine enorme Schnelligkeit nicht ausspielen konnte.
In der Arbeit gegen den Ball gab es aber sehr wohl klare Zuordnungen, die zuletzt nur selten so deutlich zu erkennen waren.
Die Roma formierte sich gegen den Ball in einem klaren 4-3-3, in dem der Sturm recht breit stand, Ljajic sich um den Torinos 6er kümmerte und die 8er mannorientiert gedeckt wurde. De Rossi blieb ohne Gegenspieler vor der Abwehr bzw. vor Quagliarella und Martinez. Die Roma stand dabei meistens sehr hoch, übte aber trotzdem kaum Druck auf die Innenverteidigung Torinos auf. Das ist so quasi die typisch italienische Pressingvariante: sehr hoch und mannorientiert stehen, aber nicht mit dem Ziel eines hohen Ballgewinns, um dadurch einen kurzen Weg zum gegnerischen Tor zu haben, sondern um einen ordentlichen Spielaufbau zu erschweren oder zu verhindern und den Gegner zu langen Bällen zu zwingen. Frei blieben bei Torino nur die Wingbacks Matteo Darmian und Bruno Peres, wohl ausgerechnet die beiden stärksten Spieler der Mannschaft. Die Außenverteidiger der Roma konnten grundsätzlich nicht zu weit aufrücken und mussten möglichst lange auf Höhe der Innenverteidiger bleiben, um in der Abwehr nicht zu instabil zu sein. Die Roma versuchte daher Darmian und Peres im Deckungsschatten von Ibarbo und Iturbe zu haben, die sehr breit agierten und die Halbverteidiger diagonal anliefen.
Dennoch wurden die Wingbacks sehr häufig angespielt, manchmal mit kurzen hohen Bällen oder, häufiger gewählt, mit Pässen auf den entgegenkommenden Achter, der direkt auf Außen prallen lässt.
Nach Ballannahme wurden die Wingbacks bereits von den herausschiebenden Außenverteidiger gestört, Torino hatte es dadurch sehr schwer, allerdings ist dies aufgrund der Stärke von Peres und Darmian nicht unbedingt das allerbeste Mittel. Darmian ist offensiv ganz gut und zieht gerne auch Mal in die Mitte, Peres ist eine echte Maschine, der mit Sicherheit offensivstärkste Wingback der Liga, mit unglaublichem Tempo und gestörten Dribblings. Wenn Torino Gefahr erzeugen konnte, dann über ihn. Denn ansonsten hatte Torino nur wenig zu bieten, die langen Bälle hinter die herausschiebenden Außenverteidiger auf entweder einen von hinten durchstartenden Wingback oder einen ausweichenden Stürmer waren nämlich kein besonders erfolgreiches Mittel. So hatte Torino in der ganzen Partie eigentlich nur eine wirkliche Torchance, aus der natürlich der Ausgleichstreffer erzielt wurde. Die Aktion zum Tor ist dabei sehr interessant.
Nach einem Ballverlust von Iturbe kann Torino den Ball in der Abwehr sichern und ruhig das Spiel aufbauen. Abwehrchef Glik hat wieder Mal viel Zeit am Ball und dribbelt Adem Ljajic geschickt an. Gazzi kann sich aus dem Deckungsschatten der Stürmers lösen und bekommt den Ball.
Gazzi spielt den Ball raus zu Darmian, der aufgrund der tiefstehenden Position von Florenzi frei im Raum steht. Entscheidend ist nun der Laufweg von El Kaddouri, der von Florenzi vor ein Problem stellt: Er weiß nicht ob er El Kaddouri übernehmen soll oder ob Nainggolan ihn weiter verfolgt. Das gibt dem beidfüßigen Darmian genug Zeit, um sich in die Mitte zu bewegen und dann den Wechselpass auf Bruno Peres zu spielen – Florenzi ist dabei zu weit weg, um ihn zu stören. Der Pass kommt an die Außengrenze des Strafraums, wo ihn Peres mit seiner Schnelligkeit noch ganz knapp vor der Toroutlinie erreicht und aus kurzer Distanz zur Mitte bringen kann. Vives kann den Ball annehmen und kurz auf den eingewechselten Maxi Lopez ablegen, der schließlich das Tor macht.
Der Treffer der Roma kurz zuvor resultierte aus einer geschickten Positionierung von Florenzi im Halbraum und dem schlechten Übergeben von El Kaddouri. Links lässt sich Iturbe zurückfallen, dafür ist Nainggolan in die Spitze gerückt, El Kaddouri deckt ihn allerdings weiterhin anstantt ihn der Verteidigung zu überlassen. Florenzi ist eingerückt und kein Gegenspieler fühlt sich für ihn zuständig, wobei er auch noch zu weit weg steht von der Abwehr. Darmian schiebt erst raus als Florenzi den Ball bereits von De Rossi bekommen hat. De Rossi startet überraschend durch und bekommt den Ball erneut von Florenzi mit dem schwachen Fuß (!) zugespielt. Es folgen eine klare Schwalbe und ein Elfmetertor.
Während sich Torino nach dem Ausgleich mit dem Unentschieden zufrieden gab, wollte die Roma mehr und machte in der Schlussphase nochmal ordentlich Druck. Rudi Garcia überraschte dabei aber ein wenig mit seinen Wechseln, da er mit Ljajic seinen besten Spieler für Doumbia aus dem Spiel nahm und Innenverteidiger Yang-Mbiwa für Ibarbo brachte. Yang-Mbiwa spielte daraufhin als offensivschwacher Außenverteidiger und Florenzi rückte in den Sturm.
Fazit:
Die Roma zeigte im Spielaufbau gewohnte Probleme, die aber aufgrund der Ausrichtung Torinos nicht so schwer wiegten. Zudem zeigte sich erneut, dass die Roma entgegen der Meinung vieler Fans kein Sturmproblem hat, sondern dass die Sturmreihe sogar der interessanteste und womöglich am besten funktionierende Mannschaftsteil ist. Die Roma brachte es immerhin auf 22 Schüsse, nur sechs davon gingen aber auch aufs Tor. Torino dagegen hatte nur zwei Schüsse und erzielte aus seiner einzigen richtigen Torchance heraus das 1:1. Ein Auswärtssieg wäre insgesamt wohl nicht unverdient gewesen, allerdings wurden auch die Römer nur selten zwingend. Positiv bei Rudi Garcias Team fiel die dieses Mal sehr klar strukturierte Arbeit gegen den Ball auf, wobei die grundsätzliche Idee so hoch zu stehen und Torinos Wingbacks, die stärksten und wichtigsten Spieler der Mannschaft, so viel Raum zu lassen, doch sehr fragwürdig wirkte und auch in einem Tor resultierte.
Italien musste im ersten Spiel des Jahres nach Bulgarien reisen. Italien lag vor der Partie mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen auf Platz Zwei der Gruppe H. Bulgarien konnte seinen Qualiauftakt gegen Aserbaidschan gewinnen, verlor dann aber gegen Kroatien und Norwegen und erreichte gegen Malta lediglich ein Unentschieden.
Antonio Conte hat vor der Partie wieder ein paar eigenwillige Nominierungen und musste auch paar verletzungsbedingte Ausfälle verkraften. Thiago Motta und Daniele De Rossi wurden erst gar nicht nominiert,Pirlo, Marchisio, Florenzi und Buffon fielen aus. Das Ergebnis aus teils fragwürdiger Kadernominierung, Verletzung und mangelnden Mut Teamdebütanten wie Valdifiori oder Vazquez von Beginn an zu bringen, war eine Startaufstellungen, die nicht gerade viel Schrecken verbreitet: Im Tor spielte Sirigu, in der 3er-Abwehr Chiellini, Bonucci, Barzagli, Antonelli und Darmian auf Außen, Bertolacci, Verratti und Candreva im Mittelfeld und Immobile und Zaza im Sturm. Es gab schon bekanntere Namen in der Squadra Azzurra.
Bulgarien begann mit einem 4-2-3-1, das in der Defensive stehts zu einem 4-4-2 wurde. Bekannte Namen gab es hier nicht viele, einige Spieler sind nur in Bulgarien aktiv, Stürmer Micanski spielt bei Karlsruhe, Innenverteidiger Bodurov bei Fulham und Zehner Popov von Kuban Krasnodar hat immerhin einen Marktwert von 12 Mio. €. Später eingewechselt wurde Retro-Stürmer Valeri Bojinov, den es zwar schon ewig gibt, der aber trotzdem noch keine 30 Jahre alt ist und mittlerweile bei Ternana in der Serie B spielt.
Bulgarien überließ den Italienern die meiste Zeit den Ball und richtete sich auf Konter aus. Die Mannschaft von Antonio Conte hatte mit dem bulgarischen Mittelfeldpressing ordentlich zu kämpfen.
Die drei Innenverteidiger wurden nicht attackiert, Micanski und Popov warteten stets im Mittelkreis und stellte Marco Verratti dazu, der kaum ins Spiel fand. Auch Candreva und Bertolacci konnten sich kaum in Szene setzen, sie bewegten sich meisten Zeit auch nur recht schlecht und waren nur selten anspielbar. Einzig die Wingbacks Antonelli und Darmian hatten als Breitengeber stets Platz.
Wenn der Ball auf einen der beiden Halbverteidiger gespielt wurde, schob einer der beiden Stürmer heraus und lief in bogenförmig an. Im Bild wird Chiellini von den andern beiden Innenverteidiger isoliert, die Rückpassoption auf Bonucci ist zugestellt und Chiellini muss mit dem Ball am Fuß nach vorne rücken. Grundsätzlich stellen sich Barzagli und Chiellini bei Juventus in diesem Punkt durchaus geschickt an, gegen Bulgarien fanden sie aber kaum Anspielstationen vor und konnten lediglich den Wingback anspielen, der schnell wieder zugestellt wurde. Gerne probierten Chiellini auch Verlagerungen auf die andere Seite, bei denen es aber an Qualität mangelte, oder spielte lange Bälle auf Zaza oder Immobile. Italien versuchte es häufig mit langen Bällen hinter die Abwehr die Stürmer ins Spiel zu bringen, was hin und wieder gute Chancen brachte, aber aufgrund der tiefstehenden Abwehr keine erfolgsstabile Variante war.
Andere Seite, gleiches Spiel.
Nach 10 Minuten führte dies auch zum Ausgleichstreffer der Bulgaren. Antonelli wird von Chiellini angespielt und ist sofort unter Druck. Antonelli verliert die Geduld und entscheidet sich gegen den Rückpass auf Chiellini und spielt Immobile an, der den Ball nicht sichern kann. Italien hat keine aufgrund großer Abstände keine Chance in ein Gegenpressing zukommen und läuft in einen Konter und bekommt im Endeffekt auch durch einen individuellen Fehler von Bonucci begünstigt den Ausgleich.
Nur wenige Minuten später geht Bulgarien sogar in Führung. Italien verliert beim Umschalten im Mittelkreis den Ball, Popov kann aus der eigenen Hälfte bis vor den italienischen 16er spazieren, ohne dass er in einen Zweikampf kommt.
Ermöglicht wird der Treffer auch, weil Chiellini den Laufweg von Micanski billig verfolgt und viel zu spät an Bonucci übergibt. Milanov hat Platz und kann innerhalb des Strafraums auf Micanski flanken, der per Kopf das 2:1 erzielt.
Nach dem bulgarischen Führungstor zeigten sich bei Italien weiterhin große Probleme. Die drei zentralen Mittelfeldspieler wurden gut zugestellt, nur Außen hatte Italien Platz und konnte hier auch vereinzelt gute Durchbrücke erzielen. Die beiden Stürmer Immobile und Zaza bekamen nur wenige Bälle, sie wurden von den Innenverteidigern stets mannorientiert gedeckt und standen stets im Deckungsschatten der defensiven Mittelfeldspieler. Auffällig war auch wie nah beieinander Zaza und Immobile agierten. Sie bewegten sich äußerst schwach und konnten nie irgendwelche Löcher in die Defensive der Bulgaren reißen, obwohl dies wohl nicht allzu schwer gewesen wäre.
Auch gegen den Ball zeigten sich bei Italien noch Schwächen. Die Abstände im Pressing waren viel zu groß, im Bild benötigt Darmian viel zu lange, um in die Nähe des Außenverteidigers zu gelangen und Druck ausüben zu können. Auch die Abstände zwischen Sturm und zentralen Mittelfeld passten nicht. Bulgarien konnte das Pressing meistens Problemlos überspielen. Auch wenn dies in der Partie kein wesentlicher Punkt war, da Bulgarien ohnehin nicht so oft den Ball hatte, ist es dennoch ein Punkt an dem Conte arbeiten muss.
In der zweiten Halbzeit machte Italien etwas mehr Druck, konnte aber kaum gefährlicher werden. Durch das sehr breit stehende Mittelfeld und teils kuriose Mannorientierungen, hätte es aber sehr wohl angreifbare Punkte gegeben. Im Mittelfeld und im Sturm mangelte es aber an Bewegung, das zentrale Mittelfeld agierte sehr statisch und konnte daher viel zu leicht aus dem Spiel genommen werden. Verratti wurde stets von den bulgarischen Stürmern aus dem Spiel genommen, Bertolacci zeigte nur vereinzelt ausweichende Bewegungen auf den Flügel (was immerhin das erste Tor ermöglichte) und Candreva rückte teilweise, aber zu selten um dies konstant zu nutzen, weiter auf. Das zu statisch agierende Mittelfeld war daher eines der größten Probleme Italiens an diesem Abend.
Da Italiens 5er-Mittelfeld sehr breit agierte, stand auch Bulgarien im Mittelfeld sehr breit und war dadurch auch etwas löchrig, Italien erkannte dies aber nicht und zeigte leider kaum Reaktion. In diesem Bild aber hat Candreva Platz, worauf der Außenverteidiger (!) auf ihn drauf schiebt, der entstehende Raum für Zaza wird aber nicht genutzt.
Defensiv war es sicher keine Meisterleistung der Bulgaren. In diesem Bild hat Italien in der eigenen Hälfte den Ball erobert, das Umschalten aus dem 5-3-2 verläuft aber nicht ideal. Zaza und Immoble haben beide den gleichen Laufweg, Antonelli muss weite Wege machen, niemanden attackiert den riesigen Raum zwischen rechtem Innen- und Außenverteidiger.
Immerhin erkennt Antonio Conte Schwächen und nimmt gute Umstellungen vor. Er sieht das Problem im Sturm, wohl auch aus einer großen Ähnlichkeit zwischen Zaza und Immobile resultierend, und bringt mit dem Oriundi Eder einen Spieler, der eigentlich als Linksaußen oder hängende Spitze spielt, weitere Wege geht und technisch stärker ist. Eder ist daher weitaus besser geeignet und könnte mit seinen Bewegungen einige Löcher in der Abwehr der Bulgaren reißen. Die Idee war gut, funktionierte aber auch nicht wesentlich besser, weshalb Conte weitere Umstellungen vornahm. Er brachte Soriano für Bertolacci und Gabbiadini für Antonelli. Italien spielt damit für die letzten 15 Minuten ein 3-4-3 mit Gabbiadini als zusätzlichen Stürmer und Candreva auf der rechten Seite; Darmian rückte dafür auf links.
Bulgarien kam mit den Umstellungen nur schlecht zurecht. Chiellini und Barzagli spielten immer offensiver, Italien drückte den Gegner in der Schlussphase ziemlich hinten rein. Durch die Mannorientierungen ergaben sich interessante Staffelungen, hier zum Beispiel ein 6-3-1. Aus dieser Situation entstand auch der Ausgleichstreffer. Eder bewegt sich gut, bekommt den Pass vom weit aufgerückten Chiellini, Dyakov kommt zu spät nach und kann Eder nicht entscheidend stören. Eder dreht sich und schließt sofort ab. 2:2!
Fazit:
Letztendlich mühte sich Italien zu einem Unentschieden in Bulgarien. Bulgarien hatte zwar paar recht interessante Punkte, zeigte aber einige Schwächen, die Italien nur kaum ausnutzen konnte. Die Italiener hatten einige Probleme in der Partie, waren anfällig für Konter, schwach in der Offensive und zeigten zudem ungewohnte Ungenauigkeiten im Passspiel (Bonucci, die langen Pässe kannst du besser!). Immerhin machte Conte in der zweiten Halbzeit gute Umstellungen, die der Squadra Azzurra den Ausgleich und beinahe sogar den Sieg brachten.
Die Ausgangslage vor der Partie zwischen Juventus und Roma war klar: Roma liegt mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 2 und braucht daher unbedingt einen Sieg, Juventus dagegen könnte sich mit einem Unentschieden zufrieden geben, bei einem Sieg hätte man bereits 12 Punkte Vorsprung. Viele gaben der Partie daher einen vorentscheidenden Charakter.
Die Roma spielte wie gewohnt im 4-3-3, einzige Überraschung dabei war, dass Keita und De Rossi gemeinsam auflaufen durften, Nainggolandagegen musste auf der Bank Platz nehmen. Torosidis, Manolas, Yang Mbiwa undHolebas bildeten die Abwehr, Keita, De Rossi und Pjanic das Mittelfeld, Ljajic,Totti und Gervinho liefen im Sturm auf.
Max Allegri wich von seinem heuer neu eingeführten 4-3-1-2 ab und stellte auf ein 5-3-2 um, mit dem Juventus unter Antonio Conte bereits äußerst erfolgreich war. Die Abläufe in den beiden Systemen sind gar nicht so unterschiedlich wie man vielleicht glauben mag, zentraler Punkt ist bei beiden Varianten die Kontrolle des Zentrums. Die Umstellung von Allegri war wohl auch keine taktische Anpassung an den Gegner sondern eine Reaktion auf die Ausfälle im Mittelfeld. Pirlo verletzte sich bei der Partie gegen Dortmund, Pogba fällt ebenfalls aus und auch der talentierte Neuzugang Stefano Sturaro stand nicht zur Verfügung. Marchisio, Pereyra und Vidal waren daher die einzigen verfügbaren zentralen Mittelfeldspieler. In der Abwehr spielten Lichtsteiner, Caceres, Bonucci, Chiellini und Evra, im Sturm erneut Morata und Tevez.
Juventus war sich der Ausgangslage der Partie natürlich bewusst und agierte dementsprechend abwartend. Juventus spielte gegen den Ball im 5-3-2 und legte seinen Fokus deutlich auf die Kontrolle des Zentrums und fühlte sich sichtlich wohl ohne Ball. Durch das spielen mit zwei Stürmern und durch das enge 3er-Mittelfeld wurde die Roma früh auf Außen geleitet. Dort hätte die Roma eigentlich Überzahl, da Lichtsteiner und Evra die einzigen Flügelspieler bei Juventus sind. Kam der Ball allerdings auf Außen, rückte der ballnahe Wingback heraus, attackierte den gegnerischen Außenverteidiger und übergab den Flügelstürmer auf den nachrückenden Halbverteidiger, wodurch regelmäßig ein 4-4-2 entstand
Manolas spielt den Ball auf die linke Seite auf Holebas, Lichtsteiner schiebt sofort heraus, Caceres übernimmt seine Position. Gervinho wird von Vidal attackiert, im Mittelfeld bieten sich keine Anspielmöglichkeiten und es folgt der Ball zurück auf De Rossi.
De Rossi verlagert das Spiel auf die andere Seite, doch hier ergibt sich das gleiche Spiele von vorne. Als Torosidis den Ball bekommt, stürmt Evra bereits auf ihn zu, Chiellini verschiebt auf Evras Außenverteidigerposition und übernimmt Adem Ljajic. Dieses Mal kommt Seydou Keita zur Hilfe, der zwischen Außen- und Innenverteidiger abgekippt ist. Pjanic hat sich ebenfalls zurückfallen lassen, es fehlt daher an Anspielstation nach vorne bzw ins Mittelfeld. Keita bleibt eigentlich nur erneut der Ball zurück auf die Innenverteidigung und auf De Rossi, er entscheidet sich aber für den langen Ball auf Totti, der den Raum zwischen Bonucci und Chiellini attackiert. Totti kann den Ball nicht direkt sichern, in 5 gegen zwei Unterzahl hat die Roma danach keine Chance den zweiten Ball zu gewinnen, es kommt logischerweise zum Ballverlust.
Die Roma baute ruhig um das 5-3-2 der Turiner herum auf, genau wie es sich Allegri wohl gewünscht hat. Penetration war dabei keine möglich.
Erneut zeigten sich die zuletzt großen Probleme der Roma im Spielaufbau. Doch es mangelt nicht einfach an Tempo im Passspiel, wie viele Fans kritisieren. Viel mehr sind die Positionierungen im Spielaufbau problematisch. Juventus verzichtet darauf die Roma zu pressen und stellte sich ruhig im 5-3-2 auf. Daniele De Rossi ließ sich ständig zwischen die Innenverteidigung zurückfallen, Seydou Keita kippte seitlich zwischen Innen- und Außenverteidigung ab, was Torosidis eine höhere Grundposition ermöglicht und wodurch Adem Ljajic ins Zentrum rückte. Da Juventus auf ein richtiges Pressing verzichtete und lediglich versuchte die Angriffe auf Außen zu leiten, war dieses abkippen von gleich zwei Spielern eigentlich überflüssig, es fehlte dadurch deutlich an Anspielstationen. Da Miralem Pjanic nur sehr wenige Bälle bekam, ließ sich auch er des Öfteren zurückfallen, wodurch die Roma teilweise mit allen drei Mittelfeldspielern hinter der ersten Verteidigungslinie der alten Dame stand, was katastrophale Stellungen im Aufbau ergab. Totti und auch Ljajic bewegten sich sehr oft geschickt im Zwischenlinienraum, um sie anzuspielen müsste De Rossi allerdings mit nur einem Pass den Sturm und das Mittelfeld der Gäste überspielen, was natürlich äußerst schwer ist (war der Passwege frei, wurde der zurückfallende Totti meistens von einem der Halbverteidiger mannorientiert verfolgt). Versuche die rechte Seite mit Gervinho und Totti zu überladen, scheiterten an den kompakten Turiner 4er-Ketten und vor allem auch an den fleißig zurückarbeitenden Stürmern Morata und Tevez. Dadurch hatte Juventus zwar sehr schlechte Staffelungen im Umschaltspiel, was Allegri aber auch nicht sonderlich störte, man schien sich ja von Beginn an mit einem Unentschieden zufrieden zu geben. Platz zum Kontern hätte es aber durchaus genug gegeben, die seitlich abkippenden Keita oder De Rossi ermöglichten den Außenverteidigern zwar sehr hohe Positionen, allerdings sicherten sie diese nur unzureichend ab was bei Ballverlusten teilweise wunderschöne Räume für Turiner Konter bot.
Torosidis ist weit aufgerückt als die Roma den Ball verliert. Morata zieht die Innenverteidigung auf rechts, Vidal attackiert den freien Raum
Die Roma macht sich durch ihre schlechten Positionierungen der Mittelfeldspieler das Leben selber schwer. Unter Rudi Garcia agierte die Mannschaft stehts sehr fluide, im Mittelfeld und im Angriff werden ständig die Positionen getauscht und dabei sehr variabel interpretiert. Was im Angriff oft zu interessanten Überladungen führt, ist im Mittelfeld nun derzeit ein großen Problem. Gegen Juventus hat man sich im Prinzip die eigene Innenverteidigung selber aus dem Spiel genommen und mit zwei Spielern weniger baut es sich natürlich schwieriger auf als sonst.. Die schlechte Einbindung der Innenverteidiger verbunden mit den schwachen Positionierungen im Mittelfeld war wohl das größte Problem der Roma gegen Juventus. Die sauber verschiebenden Turiner hatten überhaupt keine Mühe, auch ohne Ball kontrollierte Juventus klar das Geschehen. Die erste Hälfte endete daher erwartungsgemäß mit 0-0, die Roma hatte zwar 66% Ballbesitz, Torschüsse gab es aber keine.
Zweite Halbzeit
Allegri sah eine schwächelnde Roma und merkte, dass an diesem Tag ein Sieg und damit eine Vorentscheidung im Duell um die Meisterschaft möglich ist. Ab der Halbzeit tat Juventus daher nun auch weitaus mehr für das Spiel und trat dominanter auf.
Interessant war dabei, wie sich die Gäste aus Turin bei eigenem Abstoß positionierten. Die Abläufe glichen hier nämlich eher jenen aus einem 4-3-3, Bonucci und Chiellini splitteten am 16er auf, Marchisio ließ sich zentral zurückfallen, Caceres schob auf die rechte Außenverteidigerposition und agierte gleich hoch wie der linke Wingback Evra. Stephan Lichtsteiner, der rechte Wingback schon extrem hoch und stand auf der Höhe der beiden Stürmer. Die Roma stellte sich daraufhin sehr hoch im 4-3-3 um den Spielaufbau zu verhindern und ließen lediglich Caceres und Evra anspielbar, was aber durchaus riskant wäre und Buffon daher zum langen Ball zwang.
Konnte Juventus aber seinen gewohnten Spielaufbau aufziehen zeigten sich auch deutlich die Probleme der Roma im Pressing. Mal presste man im 4-3-3-, dann im 4-4-2, dann in einer Art 4-1-3-2, im Grunde genommen war es einfach total unorganisiert. Die Römer verfolgten den Gegenspieler jeweils mannorientiert, nur klare Zuordnungen und eine Struktur waren nicht zu erkennen. Zudem waren die Abstände zwischen Angriff und Mittelfeld meistens viel zu groß, was wohl auch an einer Uneinigkeit darüber, wann man den Gegner überhaupt anpresst, lag. Die spielstarke Innenverteidigung von Juventus hatte mit diesen Pressingversuchen jedoch überhaupt keine Mühe und konnte diese dank relativer simpler Dreiecksbildungen um Marchisio oder auch durch geschickt mit Ball aufrückende Bewegungen der Halbverteidiger umspielen, wodurch sich danach natürlich mehr Platz für das Spiel der Turiner bot.
Auch mit Ball dominierte Juventus weiterhin, in Minute 61 folgte dann auch ein durchaus verdienter Führungstreffer für die Gäste. Nach einem Abschlag von De Sanctis konnte Juventus im Mittelfeld den Ball gewinnen und schaltete schnell um. Vidal attackierte den Raum zwischen Manolas und dem beim Abschlag sehr hoch stehenden Torosidis und fühlte sich dabei vom zurückeilenden Außenverteidiger gefoult. Gelb-rote Karte für Torosidis, Freistoßtor durch Tevez.
Rudi Garcia reagierte darauf in dem er Adem Ljajic aus dem Spiel nahm und Alessandro Florenzi auf die rechte Außenverteidigerposition stellte. Florenzi, eigentlich Außenstürmer, wäre aufgrund der offensiven Interpretation dieser Rolle vielleicht schon von Beginn weg sinnvoller gewesen, da er den sich auf Außen bietenden Platz besser als Torosidis nutzen konnte. Durch die Herausnahme von Ljajic agierte die Roma in einem 4-3-2, welches also in der Offensive noch weniger Anspielstationen als zuvor bot. Es zeigte sich im Prinzip erneut das alte Spiel aus der ersten Halbzeit, Juventus überließ der Roma nun wieder den Ball und verlegte sich darauf den Gegner aus dem Zentrum fern zu halten.
Romas enorme Präsenz im Angriff
Später brachte Garcia noch Nainggolan für De Rossi, der deutlich mehr Präsenz in höheren Zonen brachte, und Iturbe für Totti. Insgesamt brachten die drei Einwechslungen, vor allem jene von Nainggolan und Florenzi (der es in nur 25 Minuten auf drei erfolgreiche Dribblings brachte), ordentlich frischen Schwung in die Partie, dessen Tempo nun etwas höher wurde. Juventus ließ sich ein wenig von einer leichten aufkommenden Hektik anstecken und immer wieder kam es zu Fouls. Aus einem der daraus folgenden Freistöße konnte Seydou Keita, der seinen Manndecker Caceres leicht umstieß und dadurch frei zum Kopfball kam, schließlich den Ausgleich erzielen. Aufgrund des 9-Punkte-Rückstandes wollte die Roma mehr, drückte auf das 2-1, erhöhte das Tempo, konnte aber letztendlich nie gefährlich werden, womit es beim Unentschieden blieb.
Fazit
Die großen Problemstellen der Roma wurden auch in dieser Partie wieder deutlich. Erneut gab es klar ersichtliche Probleme im Spielaufbau, durch die gemeinsame Aufstellung von Keita und De Rossi wurden diese Probleme nicht behoben, sondern im Endeffekt noch verstärkt. Dass Juventus einen sehr hohen Wert auf die Kontrolle des Zentrums legt und versucht den Gegner auf Außen zu leiten, ist nichts Neues, bedenkt man die Probleme der Roma in den letzten Spielen war es aber wohl kaum ein bewusste Entscheidung von Rudi Garcia um den Defensivblock der Juventini herumzuspielen. Als Juventus in der zweiten Hälfte selber mehr für das Spiel tat, zeigten sich auch erneut die Probleme im Pressing. Die defensivstarke Alte Dame hatte das Spiel daher ständig unter Kontrolle und hätte das 1-0 eigentlich auch heimbringen müssen, aufgrund der vielen Fouls in dieser hitzigen Begegnung erreichte die Roma durch einen Freistoß aber noch das Unentschieden, mit dem man in Turin weitaus besser leben kann als in Rom.
Da selber schreiben etwas einfacher ist als für das Radio interviewed zu werden, hier noch paar Sachen zur Situation von Inter und der Entlassung von Mazzarri:
Grundsätzlich bin ich gar kein Freund der häufigen Trainerentlassungen in Italien. Die Entlassung von Walter Mazzarri zeigte sehr schön, welche Faktoren solch eine Entscheidung beeinflussen und diente daher als Anlass für meinen letzten Bericht.
Betrachtet man die sportliche Situation von Inter ist die Entscheidung sich von Mazzarri zu trennen aber durchaus nachvollziehbar. Mazzarri bekam viel Vertrauen von Thohir und wurde bei den Transfers im Sommer scheinbar viel einbezogen. Doch obwohl er gutes und auch zu ihm passendes Spielermaterial hatte, lief es nicht so wirklich rund.
Das erste große Problem zeigt sich hier schon in Mazzarris Spielphilosophie. Mazzarri will zuerst in der Defensive gut stehen und einen dynamischen und direkter Konterfussball spielen lassen. Dass hat bei Reggina und Sampdoria gut funktioniert, aufgrund der dafür sehr gut geeigneten Offensive mit sehr hoher individueller Qualität auch bei Napoli. Nicht aber bei Inter.
In der Vorbereitung zeigte Inter sehr ansprechende Leistungen, Gegner wie Real, Roma oder Manchester United liegen Mazzarris Philosophie aber mehr als die meisten Gegner in der Serie A. Diese Die treten gegen Inter sehr defensiv und zurückhaltend auf und zwingen Mazzarris Mannschaft das Spiel auf. Inter hatte aber scheinbar kein Konzept für solche Gegner parat.
Der Spielaufbau und das Herausspielen von Chancen funktionierte sehr schlecht. In der 3er Kette agierten die Halbverteidiger sehr verhalten, Rannocchia fühlte sich in seiner neuen Rolle nicht ganz wohl und war noch zu zögerlich beim Einschalten in die Offensive. Hier machte sich auch stark bemerkbar, dass man statt Vidic lieber einen Ersatz für Hugo Campagnaro, der sowohl bei Sampdoria als auch bei Inter einer der Key-Player von Mazzarri war.
Zudem kommt noch hinzu, dass sich vor allem Gary Medel - aber auch MVila - weit zurückfallen lässt um sich den Ball von der Abwehr zu holen, was bei Inters 3er Kete gar nicht nötig wäre. Dadurch fehlt ein wenig die Anbindung in die Offensive, das Zentrum ist schlecht besetzt, die wingbacks agieren isoliert und was folgt ist eine Vielzahl an Flanken (vielleucht auch der Grunde warum Palacio heuer noch kein Tor erzielte). Die mangelnde Präsenz im Zentrum des Mittelfeld bringt auch defensive Probleme, man kann kaum gegenpressen und ist so anfälliger für Konter. Die 3er Abwehr agierte dann ebenfalls oft fehlerhaft, Abwehrchef Vidic tat sich noch schwer mit der Umstellung auf eine 3er Abwehr, was möglicherweise auch an Kommunikstionsproblemen lag.
Aufgrund dieser taktischen Probleme (die Schwächen im Pressing seien hierzu auch noch erwähnt) macht die Entlassung von Mazzarri durchaus Sinn. Erick Thohir lobt ihn dennoch als sehr guten Trainer. Dem würde ich prinzipiell zustimmen, Mazzarri ist ein guter Trainer, aber er war wohl einfach nicht der richtige für Inter.
Bis sich jedoch der Erfolg unter Mancini einstellt könnte es aber ein wenig dauern. Der Trainerwechsel bringt viele Veränderungen mit sich, vor allem ändert sich die ganze Spielphilosophie wieder. Zudem könnte die Umstellung auf eine 4er-Kette in der Abwehr Probleme bereiten. Nicht nur wegen der grundsätzlichen Veränderungen im Abwehrverhalten sondern auch aufgrund des Spielermaterials. Mit Nagatomo, Dodo, Jonathan und D'Ambrosio stehen sehr gute Wingbacks im Kader, aber keine richtige Außenverteidiger. Den Unterschied macht Dodo gut deutlich, der als wingback bei Inter gute Leistungen zeigen konnte, aber bei der Roma als Außenverteidiger in einer 4er-Abwehr Probleme hatte.
Insgesamt zeigt sich also, dass die Entscheidung gegen Mazzarri und für Mancini langfristig gesehen durchaus Sinn macht. Jedoch bringt der Trainerwechsel auch noch neue Probleme mit sich, die Mancini in den Griff bekommen muss.