Juni 2019
Israelische Tiefgaragen – künstlich intelligent oder einfach sehr religiös?
Es ist Juni 2019, an einem Samstag. Wir sind gerade spät in Tel Aviv gelandet, haben den Mietwagen am Flughafen abgeholt und sind auf dem Weg zu unserer Airbnb-Wohnung. Mein Host bat mich um das Kennzeichen unseres Fahrzeugs, damit er es für das Sicherheitssystem der Tiefgarage ergänzen konnte. Ich schicke es ihm per WhatsApp.
Dann stehen wir vor der Tiefgarage, das Auto und wir schauen in die Kamera und es passiert … nichts. Das Tor öffnet sich nicht, unser Kennzeichen wird nicht erkannt.
Bisher waren mir in Deutschland noch nie Kameras in Tiefgaragen oder Parkhäusern aufgefallen, die Kennzeichen erfassen und dann automatisch die Tore öffnen konnten. Ich vermute, das hat etwas mit unseren Datenschutzgesetzen zu tun.
Wir versuchen unseren Host zu erreichen. Über die Airbnb-App, über WhatsApp, sogar übers Telefon, leider erfolglos. Es ist inzwischen auch schon 23.30h, vielleicht schläft er ja auch schon. Wir brauchen eine geschlagene weitere Stunde, bis wir ein Parkhaus und den Wohnungstürschlüssel finden.
Unser Host meldet sich am nächsten Morgen, und tatsächlich, ab dann können wir mit dem Auto vorfahren und – magisch – das Tor zur Tiefgarage öffnet sich. Sehr praktisch, so eine künstlich intelligente Tiefgarage mit maschineller Kennzeichenerfassung.
Hier könnte dieser kurze Blog aufhören, doch während unseres Israelurlaubs lerne ich ein wenig mehr über die Sabbat-Gesetze. Orthodoxe Juden verrichten am Sabbat keine Tätigkeiten, die als Arbeit definiert sind. Darunter fällt auch das Verbot, ein Feuer zu entzünden, dies schließt aus orthodoxer Sicht heute auch das Ein- und Ausschalten elektrischen Lichts sowie elektrischer Geräte aus.
Viele Geräte haben einen Sabbat-Modus, also eine Einstellung, die orthodoxen Juden deren Gebrauch während der Sabbatruhe ermöglichen soll. Ich bin beeindruckt vom Sabbat-Fahrstuhl. Im Sabbat-Modus fährt er automatisch jedes Stockwerk an, wobei sich dort die Türen automatisch öffnen und schließen, sodass bei ihrer Benutzung kein Schalter betätigt werden muss.
Ich vermute, dass die Kennzeichenerkennung unserer Tiefgarage eben auch für den Sabbat einen positiven Nebeneffekt hat: man muss ja keinen Knopf mehr drücken, um das Tor zu öffnen. Und vielleicht war unser Host auch sehr religiös, und konnte deshalb leider keine WhatsApp-Nachrichten am Samstagabend lesen.
(pblume70)











