April 2024
Urlaub im Funkloch, es gibt ihn noch
In unserer Urlaubshütte liegt ein Ordner mit laminierten Blättern, der den Internetzugang erklärt. Den brauchen wir auch, denn die Hütte liegt in einem Funkloch. Keinem sehr großen, nur wenige hundert Meter weiter gibt es Empfang, aber in der Hütte nicht.
Tagsüber kann man das offene "VISITOR"-WLAN verwenden, das aus einem der etwa hundert Meter entfernten Tourismusgebäude kommt. Aber nur zwischen 9 und 17 Uhr, denn danach gehen die Menschen, die in diesen Gebäuden arbeiten, nach Hause, und auch das offene WLAN macht Feierabend. Jetzt braucht man das "TRAVELLER"-WLAN, das nur zwischen 17 und 9 Uhr funktioniert.
Hier kommt das TRAVELLER-Internet wahrscheinlich her. In der Bildmitte und am rechten Rand erkennt man das Kabel, das einfach über den Felsen verlegt ist.
Das im laminierten Ordner angegebene Passwort für dieses WLAN, "internet2go2", stimmt nicht. Die Aussicht auf mehrere Nächte ohne Internet motiviert mich sehr und ich fange an, Passwörter zu raten. Nacheinander probiere ich ungefähr folgende Variationen durch:
internet2go
Internet2go
Internet2Go
Internet2Go2
Internet2Go3
internet3go3
internet2go2024
internet2go24
"internet2go24" ist es dann. Ich versuche im Techniktagebuch-Redaktionschat mit meinen Hacker-Skillz zu prahlen, aber leider errät Thomas Jungbluth das richtige Passwort schon im ersten Versuch.
Ein paar Meter neben der Hütte steht eine klassische rote Telefonzelle, in der – anders als in allen roten Telefonzellen, die ich in den letzten Jahren in Großbritannien fotografiert habe – ein funktionierendes Telefon hängt.
Eine der letzten funktionierenden Telefonzellen Großbritanniens.
"For best reception please stand in the middle of the main carpark or use the red telephone box in the Eco Pod site."
Man müsste aber Münzen einwerfen. Daran würden wir wahrscheinlich scheitern.
Etwa hundert Meter davon entfernt, am Rand des Parkplatzes mit dem Handyempfang, steht eine zweite Telefonzelle, die kein Telefon mehr enthält, sondern einen Defibrillator.
Das zwölf Jahre alte Bild bei Google StreetView zeigt an dieser Stelle auch schon eine Telefonzelle, die aber noch mit "TELEPHONE" beschriftet ist. Außerdem bietet der Fahrradverleih neben der Telefonzelle auf diesem alten Bild nur unelektrische Fahrräder an, auch das ist 2024 anders. Der Umbau der Telefon- zu einer Defibrillatorzelle hat wahrscheinlich irgendwann zwischen 2012 und 2016 stattgefunden. In dieser Zeit ist jedenfalls die Telefonzelle am anderen Ende des Sees umgerüstet worden. Mir gefällt, dass man sich beim Austausch der Beschriftung bemüht hat, an die Telefonzellen-Designtradition anzuknüpfen.
(Kathrin Passig)












