Juli 2026
Mit dem Spectrum Analyzer durch die Prüfungen
Ich gehe davon aus, dass wir jetzt vielleicht schon gelegentlich bei den Prüfungen betrogen werden mit Ohrstöpsel und Smartwatch und so weiter. Und dass das in Zukunft noch schlimmer wird, wenn die Smartglasses billig werden und man sie nicht mehr erkennen kann. Ich wäre gerne an der Fakultät, die die Lösung dafür hat. Wir sind die E-Techniker, wir müssen einfach in der Lage sein, Sendequellen im Raum aufzuspüren. Deswegen habe ich für ungefähr 150 Euro aus Fakultätsmitteln einen Spectrum Analyzer gekauft.
WLAN sieht so aus wie auf dem Bild. Bluetooth, um das es mir eigentlich geht, ist dummerweise im selben Frequenzbereich. Wir haben bei uns im Hörsaal WLAN-Access-Points und das kann man auch gut sehen, wo die sind. Der Signalpegel steigt an der Stelle sehr klar und WLAN bleibt ungefähr am selben Fleck von der Frequenz. Die Bluetooth-Signale haben so Frequency-Hopping-Verfahren und springen die ganze Zeit zwischen Frequenzen hin und her.
Aber man sieht die Bluetooth-Quellen so aus eineinhalb Meter Entfernung dann schon ziemlich deutlich. Es geht über die Signalstärke vom Rest raus, weil der WLAN-Access-Point weiter weg ist als der Bluetooth-Sender. So ab eineinhalb, zwei Meter merke ich, hier stimmt was nicht und ab einem halben Meter ist es ganz eindeutig. Der normale Signalpegel im Hörsaal vom WLAN ist ungefähr minus 50 dB. Wenn ich in die Nähe von Bluetooth-Sendern komme, also auf einen Meter oder sowas ran, dann bin ich bei minus 30, minus 25 dB, das sind ganz deutliche Ausschläge nach oben.
Bisher habe ich aber noch niemanden entdeckt. In einem Raum mit 25, 30 Leuten braucht man Nerven aus Stahl, um da tatsächlich zu betrügen, glaube ich. Aber wenn es mal 50 Leute sind und wenn es der Drittversuch ist und wenn das leichter wird in den nächsten Jahren mit Smartglasses, dann wird das noch häufiger werden.
Im Moment werden die Studierenden aufgefordert, alle Geräte auszuschalten und in der Tasche verschwinden zu lassen. Das heißt, eigentlich müssen sie Smartwatches auch ausschalten, verräumen, Handy ausschalten, verräumen. Viele schalten das Handy nicht aus, das liegt dann in der Tasche.
Der nächste Schritt ist, dass ich jetzt mal zur Rechtsabteilung gehen muss und fragen muss, was sind eigentlich meine Rechte? Geht mich die HF-Ausstrahlung von meinen Studierenden was an oder nicht? Sind das Persönlichkeitsrechte, wenn die Studierenden Funk ausstrahlen oder nicht? Und ich würde sagen, nein, aber es geht mich natürlich nichts an, wenn jemand einen Blutzuckersensor trägt. Und das werden wir adressieren müssen in Zukunft. Man müsste dann sagen, wir werden mit Scannern durch die Räume gehen, melden Sie sich bitte bei der Aufsicht, wenn Sie einen Blutzuckersensor haben. Aber wir wollen ja niemandem extra Nervenstress verursachen. Also ich laufe mit dem Scanner rum und der Diabetiker denkt sich, oh shit, der sieht jetzt gleich meinen Blutzuckersensor, Konzentration beim Teufel. Das wollen wir auch vermeiden, dass wir Leute unnötig bei der Prüfung stören. Andererseits, der Blutzuckersensor sendet einmal jede Minute, oder alle fünf Minuten. Das ist unkritisch. Dagegen der Stöpsel im Ohr erzeugt halt kontinuierlich Datenverkehr, und auf den habe ich es abgesehen.
Ich bin damit jetzt in mehreren Prüfungen durchgelaufen. Ich mache das auch, weil ich mir denke, das spricht sich dann schon rum. Danach bin ich zum Auto gegangen und habe die Studierenden, die vorher in der Prüfung waren, unten getroffen. Die kenne ich vom letzten Jahr. Die haben dann gesagt, Herr Passig, was haben Sie da gemacht? Was war denn das? Ich habe gesagt, das ist ein Scanner und erklärt, dass wir als E-Techniker die Fakultät sind, die dieses Problem lösen muss. Dann haben wir uns sehr nett zwanzig Minuten darüber unterhalten, wie es jetzt aussieht, wenn man spickt. Also, wie das funktionieren würde. Es ist jetzt wahrscheinlich Smartwatch fürs Foto und Ohrstöpsel für den Rückkanal. Aber mit den Smartglasses wird es dann die Kamera in den Smartglasses und der Körperschall-Lautsprecher am Schädelknochen. Wobei ich nicht weiß, ob der Körperschall-Lautsprecher von außen unhörbar ist. Heute hat mir ein Kollege gesagt, das hört man, wenn man in der Nähe sitzt. Ich weiß es nicht.
War jedenfalls ein sehr nettes Gespräch mit den Studierenden. Ich habe dann auch gesagt, das ist ein großes Theaterstück, das wir hier aufführen mit Ausweiskontrolle und Paragrafen, nur Stift auf dem Tisch und nur erlaubter Taschenrechner und da gehört halt das jetzt mit dazu. Das, was wir gerade machen, ist ja auch Sinn der Sache. Sie werden es ihren Freunden erzählen und die erzählen es ihren Freunden. Ich bin noch nicht sicher, ob es funktioniert. Das finde ich jetzt raus und in den nächsten Jahren funktioniert es vielleicht besser. Auf jeden Fall müssen wir hochrüsten, das ist ja klar. Theoretisch ist es sicher auch möglich, Spickgeräte zu haben, die auf anderen Frequenzen oder auf andere mit diesem Gerät nicht erfassbare Weise senden. Wenn man sie selber baut. Dann hat man den Abschluss aber auch verdient.
(Georg Passig, aufgezeichnet und leicht nachbearbeitet von Kathrin Passig)













