Reaktionen zum Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris
Unter dem Hashtag #JeSuisCharlie kondolieren und solidarisieren sich Tausende mit der Redaktion von „Charlie Hebdo“.
Und auf Facebook sammelte die Beileidsseite "Soutien à Charlie Hebdo" (Unterstützung für Charlie Hebdo) schon zehntausende Likes.
Allerdings ist es leicht und schnell gemacht, sich auf Twitter und Facebook zu solidarisieren.
Islamismus und Dschihadismus brauchen aber nachhaltige Reaktionen aus der Zivilgesellschaft - überlegte, differenzierte, unpopulistische, nicht-spalterische Reaktionen. Pegida ist hier nicht mit gemeint.
Pegida-Demonstrationen fördern Salafismus
«Der französische Rat des muslimischen Glaubens (CFCM) bezeichnet das Attentat als "barbarischen Akt" gegen die Demokratie, berichtete die Zeitung "Le Monde". Auch die den Muslimbrüdern nahestehende Union der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) kritisierte den "kriminellen Angriff und diese schrecklichen Morde“» Quelle: Spiegel online
„Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft. ... Heute wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube verraten und unsere muslimischen Werte in den tiefsten Dreck gezogen.“ (Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek). Quelle: faz.net
„Dieser extrem schwerwiegende barbarische Akt ist auch ein Angriff auf die Demokratie und die Pressefreiheit.“ (Der Rat der Muslime in Frankreich)
«Der Imam von Bordeaux hat die Muslime in Frankreich zu Protesten gegen den Anschlag aufgerufen. Die Attacke sei "fast eine Kriegshandlung", sagte Imam Tareq Oubrou. Der Anschlag reiche "an das heran, was der 11. September für die USA war". Er sei zwar eigentlich ein Gegner von Demonstrationen, fügte der Imam einer der größten französischen Städte hinzu. Doch nun rufe er die Muslime in Frankreich auf, "in Scharen auf die Straßen zu gehen und ihre Empörung zu zeigen". Er nannte den Angriff auf die Satire-Zeitschrift ein "monumentales Beben. Eine rote Linie wurde gebrochen. Der zivile Frieden ist bedroht. Muslime müssen ihre Wut zeigen."» Quelle: n-tv.de
Benjamin Idriz, Imam in der oberbayerischen Gemeinde Penzberg, im Interview mit der "Süddeutschen":
"Es spricht vieles dafür, dass die Täter sogenannte Islamisten waren. Nein, ich muss mich korrigieren: Ich würde sie eher Wahnsinnige nennen. Es sind kriminelle Menschen. Das ist gegen den Islam. Ich komme zu diesem Schluss, weil dieses Magazin Karikaturen veröffentlicht hat, zuletzt haben sie den IS-Führer al-Baghdadi karikiert."
"Was halten Sie denn von den Karikaturen?"
"Kein Muslim kann es begrüßen, wenn Religionen verspottet werden - sei es das Christentum oder der Islam. Das ist jedes Mal ein Angriff auf die Würde dieser Menschen. Aber: Eine freie Religionsausübung ist nur möglich in einer freien Gesellschaft, in der die Prinzipien der Meinungsfreiheit für alle gelten. Die Meinungsfreiheit muss geschützt werden, sie ist ein hoher Wert. Ich akzeptiere die Karikaturen nicht, aber wir müssen mit ihrer Kritik umgehen - wir müssen eine intellektuelle Antwort finden. Wir müssen mit Argumenten, wir dürfen nicht mit Gewalt reagieren. Für Muslime beginnt nun eine schwierige Zeit."
Quelle: "Das ist gegen den Islam"/ sueddeutsche.de
Der deutsche Terror-Experte Guido Steinberg im Interview mit dem "Tages-Anzeiger":
"Weshalb sind die Islamisten so furchtbar humorlos?"
"Es sind religiöse Fanatiker. Das ist nicht nur bei den Islamisten so. Bei allen grossen Offenbarungsreligionen können wir feststellen, dass jene, die ihre Religion wortgetreu interpretieren, ein Problem haben, über ihren Religionsstifter zu lachen. Das gilt für etliche protestantische Sekten, etwa die Zeugen Jehovas, aber auch für viele Juden. Die Islamisten sind keine Ausnahme, nur sind sie besonders gewalttätig und politisch motiviert."
Quelle: "Wer diese Karikaturen publiziert, muss für Sicherheit sorgen"