Warmes, flackerndes Licht findet seinen Weg durch den kleinen Raum in meine Augen. Es versteckt sich hinter der bereits weichen Wachshülle, als wolle es nicht gesehen werden.
Hinter meinen Augenlidern lodern die Kerzenflammen noch immer, sie tanzen auf dem Schwarz meiner geschlossenen Augen, das vorherige Versteckspiel nun umgedreht.
Zum Rhythmus des rauschenden Windes verblassen die Nachbilder langsam ins Nichts.
Meine Konzentration flieht mit dem Wind und zu dem Wind. Das einzige hörbare Geräusch, die zischelnden Bäume in der Nachtbrise. Keine Menschenseele wandert durch die dunklen Strassen, kein Auto verirrt sich in dem grauen Gebäude-Dschungel, nur der Wind ist zu hören, die Musik der Nacht.
Bloss von dem sanften Grollen des Himmels wird er hin und wieder unterbrochen, doch die beiden Geräusche harmonieren wie die unendliche Dunkelheit mit strahlendem Licht.
Ich werde von einem Zucken der vor sich hin brennenden Kerzen zurück in die Welt des Visuellen begrüsst. Mein Blick wird von der dunklen Silhouette des Horizonts angezogen, wie zwei Magnete, die irgendwie immer wieder zusammenfinden.
Der Himmel dahinter erscheint düster und mürrisch.
Ein lila Lichtblitz erhellt den Nachthimmel und verleiht dem Schattenriss des Walds eine machtvolle Eleganz.
Dunkelheit nimmt den Platz wieder ein. Ein unaufhörlicher Krieg zweier gegensätzlichen Instanzen, ausgefochten von den Himmelsmächten.
Jeder Blitz wird von einem kühlen Windstoss begleitet, der das Aroma junger Luft mit sich bringt.
Leises Tröpfeln dringt an meine Ohren.
Das Gewitter kommt näher.
Bald wird es hier sein, in seiner vollen Pracht, begleitet von einer Sinfonie aus mächtigem Donner und blendenden Himmelsfunken.
Doch mein Herz schlägt nicht schneller, meine Gedanken rasen nicht angstvoll.
Ich werfe einen letzten Blick aus dem offenstehenden Fenster und wundere mich, ob wohl hinter dem Horizon dieselben Gedanken gedacht werden wie die meinen.
Ich schliesse die Augen und sauge die kühle Luft tief in mich herein.