Was sie schon immer über Ermächtigungsgesetze wissen wollten, aber sich nie getraut haben zu fragen
Ein weiteres Mal ist DIE LISTE für euch, wie einst der Reisende in Dantes Göttlicher Komödie (und damit sind nicht seine Leistungen insbesondere gegen Wolfsburg und Mönchengladbach gemein), in die tiefste Höllen des universitären Kosmos herab – DIE LISTE war für euch im Studentenparlament. Wie es in diesem gute Sitte zu sein scheint, begann die Sitzung mit einem leichten Aufgalopp voll von absurden Langweiligkeiten, einem Verschieben des wichtigsten Antrag aus fadenscheinigen Gründen auf einen späteren Punkt der Tagesordnung und einem merkwürdig artifiziell angehauchten Test der Musikanlage, so weit so (mehr oder minder) belanglos. Eine, vom RCDS mit großer Leidenschaft geführte Debatte verwandelt das "StuPa" endgültig in ein sprachästhetisches Sodom, welches scheinbar nur noch in Abkürzungen zu kommunizieren scheint, was prinzipiell nach einer ganz lustigen Spielerei klingt, in der Realität jedoch von einer enormen Unerträglichkeit ist. Höchst wahrscheinlich hängt diese innerparlamentarische Codierung unmittelbar mit einem mysteriösen "Bund der Gutfinder" zusammen, in dem die Parlamentarier (abgesehen natürlich von den beiden von DIE LISTE entsandten Streitern) organisiert sind und der eine krude Mixtur aus den Steinmetzen (Simpsons, Staffel 2 Episode 9), dem Naturschutzbund und der Jungen Alternativen, die übrigens die einzige parteiverbundene Jugendorganisation ist, deren Abkürzung wie eine REWE-Eigenmarke lautet, darstellt.
Wirklich spaßig wurde die dieswöchige Sitzung allerdings erst mit dem tatsächlichen Erwachen unseren Kollegen, nein, fast schon Freunde vom RCDS, die eine Art "Social Sommer-Fest" planen, was an dieser Stelle jedoch nicht weiter kommentiert werden soll, sondern nur einen Teaser auf das, was da kommen mag, darstellt.Viel interessanter jedoch ist die Ansicht des RCDS zu einer durchaus löblichen Flüchtlingshilfsinitiiative, die Flüchtlingen die Möglichkeit geben möchte, am universitären Alltag zu partizipieren – erwartungsgemäß warf der versammelte RCDS ein, dass dadurch eindeutig eine Gefahr der Überfremdung durch Gasthörer bestehen könnte. Solche Sorgen gehören ernst genommen, fordert DIE LISTE, wir dürfen nicht zulassen, dass der RCDS mit seinen Nöten alleine gelassen wird! Nichtsdestotrotz schlug der Experte von DIE LISTE kurz nach diesem Ausspruch vor, den letzten Donut des RCDS zu entwenden, was jedoch zur Wahrung des Campusfriedens wieder verworfen wurde, aber trotzdem eine schöne Vorstellung ist.
Die Diskussionen um den kulturhistorischen Ursprung von Semesterstrukturdiskussionen und die teilweise in absurder Art und Weise vorgenommene Psychologisierung dieser Diskussionen möchte DIE LISTE dem geschätzten Sympathisanten gerne ersparen, denn diese Metadiskussion über Diskussionen schaffte es tatsächlich noch langweiliger zu sein als man es bei einer Diskussion über den kulturhistorischen Ursprung von Semesterstrukturdiskussionen ohnehin vermuten würde. DIE LISTE-Jahre sind eben nicht in allen Momenten Herrenjahre. Abgründe taten sich allerdings kurze Zeit später auf, als die "Leistung muss sich wieder lohnen oder so"-Front von Bildung Wählen in den Krieg um einen Platz im Regionalrat des Studentenwerks zog, den Platz in ebenjenem Rat jedoch offenkundig und für jeden zu erkennen als eine karrieristische Chance der skrupellosen und widerlichsten Art nutzen möchte, anstatt sich für studentischen Belange einzusetzen, wie es DIE LISTE tut. Bildung Wählen ist ein 31er, DIE LISTE dagegen hält sich bei ihrem Stimmverhalten strikt an die Maxime Kandidaten mit Namensähnlichkeit zu ehemaligen Bundesligaspielern zu bevorzugen.
Zum dieswöchigen Skandal im Studentenparlament kam es allerdings, als DIE LISTE einen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung eines Fernsehers für das AStA-Wohnzimmers stellte und dazu eine passende Rede vorbereitet hatte, vom RCDS und Bildung Wählen, also der rechtskonservativen Volksfront mehrfach unterbrochen wurde, ein Abgeordneter von Bildung Wählen ging sogar soweit, während der Verlesung des Textes aus dem Fenster zu gehen, wahrscheinlich jedoch in nicht-suizidaler, sondern mehr in intellektuellen- und diskussionskulturfeindlicher Absicht. DIE LISTE stellt eine Art Diskussionskulturviagra dar, wie es der Bierminister so passend bemerkte, naturgemäß kann der rechte Rand mit tatsächlichen Diskussionen schlecht umgehen. Interessanterweise ließen es sich jedoch der Vorstand des Studentenparlaments im Verbund mit Bildung Wählen nicht nehmen, den Grundtenor des von DIE LISTE eingebrachten Antrags zu bestätigen, in dem Bildung Wählen verkündete, ihr seien die Themen zu langweilig und sie hätte besseres zu tun, der Studentenparlamentsvorstand sich hingegen in bester Paul von Hindenburg-Manier entschloss, die Intention des Abstimmungsverhaltens von DIE LISTE zu deuten und sich selbst zu ermächtigen, Ergebnisse deshalb von einer Anzweifelbarkeit auszuschließen. Eine derartige Alleinherrschaft sollte jedem lupenreinen Demokraten mindestens spanisch, und zwar im franquistischen Sinne, vorkommen.
PS: Oben genannte Rede finden routinierte Tumblr nebenan.