a collage that arose while i was working on the artwork for Schniposchranke's Second Album Rare. @schniposchranke_official #siehteinbisschenauswieente aber mit #pimmelnase #cool #danikaarndt #schniposchranke #rare #illustration #gestaltung #grafik #design #freelance #hamburg #paperandscissors #simple
Ein Interview über Erwartungen, Existenzängste und scheune-ähnliche Großhäuser.
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie ich auf die Hamburger Band Schnipo Schranke gekommen bin. Ob es durch das Radio war oder Facebook oder irgendein Magazin. Keine Ahnung, aber eigentlich tut das auch nichts zu Sache. Wichtig ist ja nur, dass ich die Band, oder genauer gesagt Daniela Reis und Frederike „Fritzi“ Ernst, die beiden Frauen dahinter, großartig finde. Ich stehe auf ihre unverblümten, gnadenlos ehrlichen Texte, die ungeschönt und dennoch auch mit einem liebevollen und ironischen Blick unsere geheimsten Alltags-Realitäten vermessen. Und ihre Videos sprechen mir mit ihrer Ästhetik und ihrem Humor aus der Seele.
Jetzt ist - zu unserem großen Glück - ihr zweites Album „Rare“ bei Buback erschienen und ich habe Fritzi und Daniela - zu meinem kleinen Glück - für ein kurzes Interview getroffen.
2015 seid ihr mit eurem Debüt „Satt“ regelrecht durch die Decke gegangen. Wie war es nun für euch an eurem zweiten Album zu arbeiten? Gab es da Druck, weil Erwartungen von außen oder der gleichen?
Fritzi: Eigentlich nicht, denn wir haben uns Zweifel und Druck, wie auch beim ersten Album, verboten. Wir haben wirklich versucht, solche Gedanken so gut wie möglich auszublenden und nicht an die Erwartungen anderer zu denken. Weder sie brechen noch erfüllen zu wollen, sondern einfach nur das zu machen, was uns einfällt und was wir schön finden.
Und hat das funktioniert?
Daniela: Ja, das hat vor allem deswegen gut funktioniert, weil wir aus der Stadt gefahren sind und auf dem Land in einem Scheune-ähnlichen Großhaus das Album aufgenommen haben. Da waren wir voll raus aus allem.
Und dann klappt das eigentlich immer recht gut, wenn wir versuchen alles zu verdrängen. (lacht)
Also, einfach mal flüchten…?!
Daniela: Ja, das können wir recht gut. (lacht)
Wie hat sich eigentlich seit eurem Debüt-Album euer alltägliches Leben verändert?
Fritzi: Also, wir haben nun einen Beruf (lacht). Und noch dazu einen, der uns auch sehr viel Spaß macht und erfüllt. Man hat auch Geld – jetzt nicht übermäßig viel – aber man kann halt von dem, was man macht leben und das ist total schön.
Daniela: Es hat sich – zwar noch unterschwellig – ein Gefühl der Grundzufriedenheit eingestellt. Man kann nachts wieder schlafen. Allein deswegen, weil man keine Existenzängste mehr hat. Man unterschätzt das während man die hat. Dann denkt man: „Ja, mir geht es ja eh ganz gut“. Aber, wenn diese Ängste dann weg sind und man zurück blickt, dann denkt man: „Mann, ich war krass im Arsch und richtig gebeutelt von Existenzängsten“. Das hat sich nun komplett geändert, wobei wir gleichzeitig auch wieder Angst haben alles wieder zu verlieren, was wir uns bis jetzt erarbeitet haben. Was aber wiederum sehr gut verdrängt und ausgeblendet werden kann (lacht).
Holt ihr euch in solchen Stress- und Angstsituationen dann gegenseitig auch runter?
Daniela: Ich glaube, wir schaukeln uns eher hoch. Wir sind beide sehr neurotische Wesen vom Grundding her. Ich glaube aber, dass das auch damit zu tun hat, dass alles noch ganz neu ist und wir es erst mal glauben müssen, dass jetzt wirklich alles in Ordnung ist.
Und dass man vielleicht auch stolz auf sich sein kann?
Fritzi: Ja, eben. Das sind wir viel zu selten. Wir müssen uns das auch echt mal ins Bewusstsein rufen, dass wir jetzt das geschafft haben, was wir uns vor drei Jahren gar nicht hätten vorstellen können.
Daniela: Uns ist vor Kurzem aufgefallen, dass wir noch nicht einmal unseren Plattenvertrag gefeiert haben. Wir sind einfach noch nicht dazu gekommen, obwohl das ja eigentlich das Größte war, was uns bis jetzt passiert ist. Da hatte ja keiner daran geglaubt. Alle haben gesagt, es gibt heute kaum noch Plattenverträge und dann war der plötzlich da. Und wir haben das nie gefeiert.
In einem Interview über euer erstes Album mit bento.de hast du, Daniela, einmal gesagt: "Ich habe Bock, beim nächsten Mal inhaltlich richtig tief zu gehen und krasse private Themen anzusprechen“. Ist das passiert?
Fritzi: Echt, das hast du gesagt?!
Daniela: Ja.
Fritzi: Ich finde schon. Es sind auf diesem Album nun auch viele krasse Sachen dabei, bei denen wir uns auch echt überwinden müssen sie live zu spielen.
Zum Beispiel?
Daniela: Also, mein Sorgenkind ist der Song „Dope“. Nein, er ist nicht mein Sorgenkind, sondern eher mein Lieblingskind. Aber, ich muss schon schlucken, wenn ich daran denke, mit diesem Lied auf die Bühne zu gehen. Im Vergleich zu den meisten anderen Songs, die wir machen, versteckt sich dieser viel weniger unter dem Deckmantel des Humors. Schon allein musikalisch. Oft versuchen wir ja besonders schwere Texte mit lustigen Melodien zu durchbrechen. Das haben wir bei „Dope“ eben nicht gemacht und daher kann dieser Song unter Umständen die Laune auch ganz schön runter ziehen.
Er ist auch ganz schön hart.
Daniela: Er ist ernst und hart. Und bin ich gespannt, wie er vom Publikum aufgenommen wird.
Sind eure Songs auch autobiographisch?
Daniela: Ich finde es nicht wichtig darüber ins Detail zu gehen, was wirklich biographisch ist und was nicht. Ich gehe davon aus, dass es den Leuten klar ist, dass ein Song, wie Dope nie völlig an den Haaren herbeigezogen wird und dass ich mir das nicht ausdenke, um einen möglichst krassen Song zu schreiben.
Fritzi: Aber auch, wenn die Songs sehr persönlich sind, dann suchen wir uns genau aus, was wir preisgeben und was nicht und…
Daniela: …es bedarf keine weiteren Erklärungen. (lacht)
Fritzi: (lacht) Ja, genau das wollte ich sagen.
In fast jedem Artikel oder Interview wird eure - ich zitiere - „derbe“ Sprache angesprochen. Nervt euch das eigentlich?
Fritzi: Naja, nerven würde ich nicht sagen. Wir hatten es aber auch nicht auf dem Schirm, dass das eine so auffällig „derbe“ Sprache ist (lacht). Für uns steht das auch nicht im Vordergrund.
Daniela: Wir reden halt auch privat so. Wenn jemand sagt: „Du hast eine unnormale Sprache“ – was jemand ja auch damit sagt, wenn er unsere Sprache als „derb“ bezeichnet – dann hat der Fragesteller, meiner Ansicht nach, wahrscheinlich eine ganz andere Sozialisation als ich. Dann ist das aber weder gut noch schlecht, sondern ganz einfach zu erklären, warum es manchen Menschen mehr auffällt und anderen nicht.
Die meisten Leute reden privat ja mit ihren Freunden genauso.
Fritzi: Ja, eben. Und oft entsteht auch genau so ein Song, weil in einem Gespräch ein lustiger Satz gefallen ist.
Daniela: Mir ist einfach dieser Prozess komplett schleierhaft, einen Text noch einmal zu verblumen, bevor ich ihn an die Öffentlichkeit schicke. Ich verstehe überhaupt nicht, wo darin der Sinn liegen soll.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Sprache auch thematisiert wird, um eine Art Vorsichtigkeitsfilter anzuwenden, um nicht allzu viele Leute vor den Kopf zu stoßen.
Fritzi: Wir wollen auch niemanden vor den Kopf stoßen. Ich finde das immer voll schade, wenn sich jemand von unseren Texten provoziert fühlt.
Daniela: Ich glaube dann aber auch, dass in solchen Fällen das Problem nicht bei uns, sondern bei demjenigen liegt, der uns das jetzt krumm nimmt.
Passiert das?
Daniela: Es wird selten an uns heran getragen, aber es passiert schon. Aber die Leute die uns nicht mögen, die reden nach dem Konzert ja auch nicht mit uns.
Fritzi: Beziehungsweise, kennen sie uns auch noch nicht. Ich denke, wir sind auch noch nicht „fame“ genug, dass die Leute, für die unsere Sprache ein absolutes No-Go ist, mitkriegen was wir machen.
Daniela: Für die ist das dann ja auch echt nicht gemacht. Mir tut das eher leid und es macht mich eher etwas betroffen, wenn Leute verärgert sind. Ich denke mir dann immer: Was ist dein Problem? Es ist ja nichts dabei.
And’re Mütter haben auch noch kluge Söhne
Und manche haben sogar Schöne
Doch es hilft ja nicht
Denn ich, ich will ja dich
Du sagst ich weiß, wenn ich dir sag
Dass ich dich mag
Ja nun, es kann nicht immer alles auf Gegenseitigkeit beruh'n
Ja nun, ich will dich nun mal haben, da hast du nichts zu sagen, ja nun
ich will dich nur mal küssen, mehr brauchst du nicht zu wissen, ja nun
Dein Verzicht auf mich ist jetzt Pech für dich und Unheil find ich eigentlich gut
Ja nun, jaja