Im letzten Blog hat Eliane von unserem Besuch bei einer Oberstufenklasse, die nur mit IPads arbeitet erzählt. Als die Schüler nach der Mathelektion Fussball spielten, hatten wir noch die Gelegenheit dem Seklehrer Michael Hugentobler einige Fragen zu seinem Projekt zu stellen.
Da seine Klasse eine Pilotklasse im Kloserschulhaus ist, und sie dieses Jahr die ersten Erfahrungen mit dieser Art von Unterricht gemacht haben, nahm uns natürlich Wunder, wie diese bis jetzt aussehen. Positiv? Gab es viele Probleme?
Michael gefällt der Unterricht mit den iPads sichtlich. Sofort kann er uns zahlreiche Vorteile davon aufzählen. Er habe die Schüler viel schneller da wo er sie haben möchte. Mit vorbereiteten Links z.B. muss er nicht mehr lange warten, bis alle ihren Text gefunden haben. Die Schüler seien durch das auch viel ruhiger während dem Unterricht, denn nun ist er es, der warten muss, bis alle Schüler ihr Arbeitsblatt heruntergeladen und geöffnet haben. Früher entstand immer ein Tumult, während dem er die Blätter ausgeteilt hat. Ein weiterer wesentlicher Vorteil sieht er darin, dass die Schüler jederzeit alle Informationen zur Verfügung haben. Er setzt im Unterricht auch Apps aus Fachgebieten ein. Die Schüler dürfen beispielsweise während der Chemieprüfung auf die Stoffdatenbank Gestis zugreifen. Dies ist ein Gefahrstoffinformationssystem, welches anscheinend auch in der Praxis in Laboren benutzt wird. Er begründet dies damit, dass es keinen Sinn mache, dass die Schüler solche Informationen auswendig lernen müssen. Es sei viel sinnvoller, wenn sie lernen, wo und wie sie zu den Informationen kommen können.
Aber hat er denn nur positive Erfahrungen gemacht? Ja, in seinem Unterricht schon, meint Michael Hugentobler. Etwas anders sieht es bei den Eltern zu Hause aus. Von dort hätte er doch ab und zu mal eine negative Rückmeldung erhalten. Die Schüler würden oft den ganzen Abend am iPad hängen. Für die Eltern sei dies schwierig zu kontrollieren, da die Schüler ja auch ihre Hausaufgaben auf dem Gerät lösen.
Wir konnten fast nicht glauben, dass es nicht auch in der Schule gewisse negative Aspekte geben soll. Was sei denn mit spicken? Oder mit Hausaufgaben abschreiben? Das wäre ja mit iPad viel einfacher! Gespickt, meint Michael, werde wohl mindestens in seinem Unterricht eher nicht. Er verbringt die Zeit während den Prüfungen auch nicht an seinem Pult, sondern läuft zwischen den Schülern umher. Da würde ihm schon auffallen, wenn sie noch ein weiteres Fenster geöffnet hätten. Meistens hätten sie auch gar nicht genügend Zeit, noch irgendetwas nachzuschauen.
Dass Hausaufgaben abgeschrieben werden, bezweifelt er jedoch nicht. Lehrer, die denken ihre Schüler würden das nicht machen, seien vielleicht etwas naiv. Schliesslich wäre das Hausaufgaben abschreiben heute so oder so einfacher als früher. Mit den Smartphones ist schnell ein Foto gemacht und in den WhatsApp Chat gestellt. Ausserdem haben ja auch wir früher ohne jegliche elektronische Hilfsmittel immer wieder einen Weg gefunden die Matheaufgaben unserer Mitschüler zu kopieren!
Grundsätzlich habe Michael Hugentobler einen sehr offenen Umgang mit seiner Klasse. Seit er mit den Schülern, die das wollen, auf Facebook befreundet ist, kommen sie öfter mal zu ihm und fragen, ob sie dies oder jenes jetzt da posten dürfen, oder ob das keine so gute Idee sein. So entständen immer wieder gute Diskussionen. Auch erfährt er von seinen Schülern immer mal wieder von Diskussionen, die sie in Chats über den Unterricht, Prüfungen etc. führen. Grundsätzlich hätten die Schüler kein Problem damit, auch wenn es nicht immer für alle nur angenehm sei. So würden sie jedoch gleich lernen, dass man zu dem stehen muss, was man schreibt, da es nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden kann.
Zur Frage, was denn der iPad- Unterricht den Schülern konkret bringe, meint er, dass er ihnen nicht so viel Technisches beibringen müsse. Er möchte das sie sensibilisiert darauf werden, wie sie technische Hilfsmittel, Social Media etc. sinnvoll nutzen können. Sie sollen auch die Gefahren und Nachteile kennenlernen. Beispielsweise, möchte er, dass die Schüler selbst die Erfahrung machen, dass sie vom Unterricht nichts mitbekommen, wenn sie gleichzeitig gamen. Dies klappe auch ziemlich gut. Einen weiteren Vorteil für die Schüler, sieht er ausserdem, dass sie alle Unterlagen digital zur Verfügung hätten, und so auch eher in einigen Jahren mal wieder altes Material hervorsuchen um etwas nachzuschlagen.
Michael Hugentobler hofft, dass er auch nächstes Jahr wieder eine iPad – Klasse unterrichten darf. Es wäre ein zweiter Testlauf. Dieses Mal mit einer ersten Sek.