Nachdem in unserem Blog bis jetzt vor allem von den neuen Möglichkeiten, die das Internet und digitale Medien bringen können, gesprochen wurde, möchten wir jetzt auch noch etwas auf die Kehrseite zu sprechen kommen.
Die Kritiken am Umgang der Kinder und Jugendlichen mit Medien sind breit gefächert. Es werden Probleme wie Internetsucht, abdriften in virtuelle Welten aber auch Verstümmelungen des kindlichen Hirns, genannt. Im Rahmen dieses Blogs werden wir zwei Autoren mit ihren Theorien und Bedenken vorstellen. In diesem ersten Teil geht es um den Jugendforscher Axel Dammler und sein Buch "Verloren im Netz". Wenn es um Gefahren und Kritik am Medienkonsum von Kindern geht, darf aber natürlich auch Manfred Spitzer nicht unerwähnt bleiben. Auf seine Theorie werden wir im nächsten Blogeintrag zu sprechen kommen.
Axel Dammlers Ansatz betrifft nicht die Schule im Konkreten, vielmehr geht es um die Wirkung die das Internetverhalten auf die ganze Gesellschaft hat. Da die Schule ein Teil der Gesellschaft ist, betrifft sie dies jedoch auch.
Dammler beschreibt in seinem Buch, dass der Internetkonsum und das Medienverhalten der Jugendlichen eine schleichende Entwicklung der Gesellschaft zur Folge haben wird. Wir werden erst merken, dass sich die Gesellschaft in eine Richtung verwandelt, die in einer Katastrophe enden könnte, wenn es bereits zu spät ist. Jetzt könnte aber noch dagegen gesteuert werden.
Aber was sind denn die Probleme? Viele der heutigen Jugendlichen ziehen sich immer mehr in virtuelle Räume zurück. Sobald sie aus der Schule nach Hause kommen, gehen sie online und treffen sich dort wieder mit den genau gleichen Personen, mit denen sie sonst schon den ganzen Tag verbracht haben. So kommen sie viel seltener mit anderen Gesellschaftsgruppen, wie z.B. der Familie oder Vereinen in Kontakt wie das früher der Fall war. Dies wäre eigentlich sehr wichtig für die Meinungsbildung oder die Entwicklung eines Wertesystems der Jugendlichen. Weiter nennt er, dass den Jugendlichen, dadurch dass sie mit dem Handy nur sehr kurzfristige Verabredungen treffen müssen und auch diese dann nicht zwingend einhalten, die Verbindlichkeit etwas abhanden kommt. Sie können und wollen sich immer weniger für etwas festlegen und sich möglichst viele der unzähligen Möglichkeiten unserer Zeit so lange wie möglich offen behalten. Dies nur einige der Probleme die Dammler in seinem Buch aufzählt.
Dabei geht es ihm jedoch um alles andere, als den Jugendlichen für ihr Medienverhalten die Schuld zu zuschieben. Im Gegenteil: Er denkt, dass die heutige Jugendgeneration eine der Besten überhaupt ist. Sie hätten zahlreiche gute Qualitäten und einen guten Willen. Viel mehr sieht er die Schuld in der Gesellschaft selbst, bei den Erwachsenen. Dammler möchte heute kein Jugendlicher mehr sein. Sie hätten es schwieriger als frühere Generationen. Die heutige Welt und Gesellschaft sei viel komplexer als früher. Es gäbe kein schwarz/weiss mehr, die Probleme seien nicht mehr so greifbar wie in früheren Generationen, in denen es ein leichtes war, sich gegen ein Feindbild wie die Kernkraft zu wenden. Dazu kommen, dass die Jugend von niemandem an die Hand genommen werde. Niemand erkläre ihnen die Welt. Dies führe bei ihnen zu einer Überforderung, vor der sie zunehmend in eine virtuelle Welt flüchten. Als weitere Ursache fügt er an, dass es für die Jugendlichen auch ein Problem sei, dass viele Erwachsenen ihnen gegenüber eher wie Freunde als wie z.B. Eltern auftreten. Sie wünschten sich oft mehr Grenzen. Auch wollen die Erwachsenen immer länger jung und cool bleiben. Auch sie gehen noch an Partys und an Konzerte. Jugendlich müssen sich jedoch zwingend von den Erwachsenen abgrenzen. Dies gehöre zu ihrer Entwicklung. Da sie dies nicht mehr auf den herkömmlichen Wegen machen, da die Erwachsenen ihnen ihre Spielplätze nicht mehr lassen, müssen sie dies jetzt an neuen, anderen Orten machen. Zum Beispiel im Internet.
Auch der Schule, die nach ihm "old school" ist, widmet er ein Kapitel. Sowohl die Schule selbst, als auch die Lehrer würden durchaus ihren Teil zu den Entwicklungen beitragen. Klar sei, das Wissen habe sich dramatisch vermehrt und der Lehrstoff könne jedoch nicht unendlich erhöht werden. Anstatt die Lehrpläne einmal richtig auszumisten und darauf zu prüfen welche Inhalte heute vielleicht nicht mehr so wichtig seien, werde krampfhaft an altem oft totem Stoff festgehalten. So werden die Schüler nicht oder zu wenig auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft vorbereitet. Als weiteres Argument, bringt er, dass die Lehrer ihre Schüler kaum verstehen würden. Nicht viele der Lehrer würden sich die Mühe machen, herauszufinden, was in den Leben der Kinder wichtig ist, was sie beschäftigt und fasziniert. Dabei wäre dies sehr wichtig, wenn sie bei ihren Schülern etwas bewegen möchten. Denn, wer seine Kunden nicht kenne, könne auch nicht mit ihnen kommunizieren. Stattdessen halten sich die meisten Lehrer und auch Eltern aus dem Medienkonsum ihrer Kinder raus.
Dammler weist wiederholt darauf hin, dass momentan nur ein ganz kleiner Anteil der Jugendlichen ein bedenkliches Verhalten mit Medien aufweise. Die meisten Jugendlichen hätten durchaus einen gesunden Umgang damit. Sie haben nicht nur virtuelle Freunde, nein, sie haben ihre Freunde auch in der Realität. Und sie hätten auch sonst genug Gegenpole, die relativierend wirken. Er zeigt lediglich auf, welche Entwicklung geschehen wird, wenn sich nichts ändert.
Quellen: Axel Dammler: Verloren im Netz