Dantons Tod, Handschrift von Georg Büchner
Ludwig Büchner hatte 1850 bei der Drucklegung von d3 (1850) eine große Zahl der von Karl Gutzkow unterdrückten oder veränderten Stellen aus Dezenzgründen nicht wiederhergestellt. Franzos folgte dagegen der Handschrift und restituierte sogar anstößige Stellen, die Büchner selbst schon gestrichen hatte. Ein schlagendes Beispiel dafür ist eine Stelle aus dem Religionsgespräch, die Franzos so überliefert:
Erst beweist ihr Gott aus der Moral und dann die Moral aus Gott. Ein schöner Cirkelschluß , der sich selbst den Hintern leckt. Was wollt ihr denn mit eurer Moral?
H p. 99, MBA III.1., S. 202,22 f.
Tatsächlich hatte Büchner den mittleren der drei Sätze selbst schon in der Handschrift gestrichen – vermutlich aus Rücksichten auf die Zensur.
Luise Büchner (Fotografie um 1870).; Stadtmuseum Darmstadt.
(geb. 12. Juni 1821 in Darmstadt, gest. 28. November 1877 ebd.), Schwester Georg Büchners, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, die sich besonders für die Schulbildung von Mädchen einsetzte. Autorin u. a. von Die Frauen und ihr Beruf. Frankfurt a. M.: Meidinger 1855; Aus dem Leben. Erzählungen aus Heimath und Fremde (1861); Frauenherz. Gedichte (1862).
Georg Büchner Portal :: 8.2. Burghard Dedner: Offene Fragen zur Druckgeschichte von Danton's Tod
Am Grab des Bruders
Nach langem, langem Sehnen
An deinem Grab ich stand,
Nach vielen, bittren Tränen
Sah ich dies Stückchen Land,
Das Alles kalt bedecket,
Woran voll Zärtlichkeit,
Seit Leben ihm erwecket,
Das Kind hing allezeit!
Das Kind - o, Schmerz! ich habe
Dich anders nicht gekannt,
Stiegst jetzt du aus dem Grabe,
Du hättst mich kaum erkannt.
Doch wie ich so hier stehe,
Wird Eins mir wunderbar,
Trotz allem Schmerz und Wehe,
Im tiefsten Innern klar.
Zu früh mir hingeschwunden
Warst du mein Lebensstern,
Nach dem in allen Stunden
Ich sah zum Himmel gern;
Sein Strahl ward meine Leuchte,
Zog meinem Geist voran,
Zum Guten, Schönen zeigte,
Zur Wahrheit mir die Bahn.
Und dass in ewger Treue
Ihm stets gefolgt mein Herz,
Dass hier ich steh ohn Reue,
Dies sänftigt meinen Schmerz;
Dass tief mir im Gemüte
Dasselbe Feuer wacht,
Das deine Brust durchglühte
Mit seltner Liebesmacht.
So fühl ich mit Entzücken,
Stündst eben du vor mir,
Als Geistesschwester drücken
Würdst du ans Herz mich dir!
Die Hände segnend breiten
Auf meine Stirne bleich,
Mich wie in Kinderzeiten
Anlächeln mild und weich. -
Muss wieder von ihm gehen,
Dem schmerzlich teuren Ort,
Doch was mir dort geschehen,
Wirkt mutig in mir fort!
Dass so du in mir lebest
Für alle Ewigkeit,
Zum Höchsten mich erhebest -
Dies ist Unsterblichkeit!
Luise Büchner
Am Grab des Bruders
Die Zürcher Glocken
O, du wunderbarer grüner
See, im schönen Schweizerland,
Wie so lieblich sich die stolze
Zürich schmiegt an deinen Rand!
Hüben sanfte Rebenhügel
Hingestreut wie ein Idyll,
Drüben majestätsche Alpen,
Schneebedecket, ernst und still.
Wie ein Mann ruhst du dazwischen,
Dem ein Zaubrer Alles lieh,
Tiefsten Ernst und Morgenfrische,
Frohe, starke Poesie.
Lächelst in so holder Schöne -
Fast Vergessen mich umstrickt,
Dass mir von den grünen Höhen
Auch ein Grab entgegen blickt.
Weh, da tönen Glockenklänge,
Schneiden mir ins tiefste Herz,
Niemals wachte so gewaltig
In mir auf der erste Schmerz!
Weh, das sind dieselben Glocken,
Welche bebten durch die Luft,
Als man deine teure Hülle
Senkte in die kühle Gruft!
Alles Andre ist vergangen,
Selbst den Schmerz betört die Zeit,
Aber diese Glocken sprechen
Noch so laut, als wär es heut,
Dass der besten Geister einem,
Ganz erfüllt vom höchsten Drang,
Dass dem treusten, wärmsten Herzen
Sie getönt den Grabgesang!
Luise Büchner (* 1821-06-12, † 1877-11-28)
Die Zürcher Glocken
Prinzessin Alice von Hessen und bei Rhein (1843-1878)
Zusammen mit Prinzessin Alice von Hessen und bei Rhein (1843-1878) gründete Luise Büchner 1867 mehrere Frauenvereine, die weit über die Grenzen von Hessen-Darmstadt hinaus bekannt wurden. Der Alice-Frauenverein für Krankenpflege bildete Krankenschwestern ohne konfessionelle Bindung aus, und der Verein für Förderung weiblicher Industrie (ab 1872 Alice-Verein für Frauenbildung und -Erwerb) unterhielt eine Verkaufsstelle für Heimarbeiterinnen (Alice-Basar) und gründete 1872 eine Berufsfachschule für Mädchen (heute Alice-Eleonoren-Schule). Seit 1860 bot Luise Büchner in ihrer Wohnung Geschichtsvorlesungen für Mädchen und Frauen an. 1870 war sie Mitbegründerin des Alice-Lyceums, einer Volkshochschule für Frauen, an der namhafte Wissenschaftler geistes- und naturwissenschaftliche Vorträge hielten.
Luise Büchner | Luise Büchner-Gesellschaft









