Frieden, Freiheit und Äpfel
Äpfel sind bekanntlich Symbole der Revolution. In ihrer runden Ästhetik spielen sie auf den Kreis der Arbeiter an, welche sich im Sonnenlicht, von der reifen, vollen, sozialsmusfarbenen Frucht reflektiert, zu einem Mob vereinen. Außerdem sind Äpfel auch höchstgefährliche Waffen, die vor allem auf durch diese Mobs veranstalteten Demonstrationen kriegerischer Natur als weitgehend bekannte und funktionierende Methode gelten, friedliche Staatsdiener an ihrer gerechten Pflicht zu hindern. Nur gut, dass diese missverstandenen Hassobjekte der Extremisten präventiv zu handeln wissen und die Gefahr bereits Stunden vor der angekündigten Massenrandale ausmerzen. Steigt heutzutage beispielsweise ein potenzieller Demonstrant gegen die Sicherheitskonferenz am Münchner Bahnhof aus, wird er kontrolliert und etwaige Äpfel sofort konfisziert. Deeskalierungstaktik. Wer nichts isst, verhungert und randaliert nicht mehr.
Vielleicht müssen wir unsere Physikanekdoten erneuern. Vielleicht fiel auch Newton kein Apfel von einem Baum, sondern einer aus dem Fenster eines besetzen Hauses der 68'ger Generation auf den Kopf, wie wir wissen hat Newton zu dieser Zeit freiwillig bei der Polizei gejobbt, um seine Fallstudien zu finanzieren. Und ähnlich dämlich waren auch die Forderungen jener Generation. Frieden und Freiheit auf Kosten der Wirtschaft. Pff.
Schafft es nun ein Demonstrant trotz der fehlenden Nahrung unbeschadet und weitgehend unkontrolliert den Bahnhof zu verlassen und sich auf den Weg Richtung Versammlungsort Marienplatz zu machen, so verlässt der Schutz vor dem Terror von links die braven Bürger natürlich nicht. Auch ent-apfelte „Genossen“, wie sie sich nennen, stehen weiterhin unter Beobachtung der Adleraugen der ausführenden Gewalt unserer Exekutive, die sich de facto für den Moment des Einsatzes auch zur Judikative und gegebenenfalls zur Legislative erheben, sofern die Situation es denn notwendig macht. Was haben wir nicht alles aus Weimar gelernt! Nicht, dass die Polizei nur bei der Übertretung geltender Gesetze eingreift, sie urteilt sofort über den Härtegrad des Vergehens und erfindet im Zweifelsfall einfach neue Gesetze! Das Konfiszieren von Äpflen ohne trifftigen Grund als Präventivmaßnahme zum Beispiel steht in keinem Gesetzbuch der Welt. Naja, zugegebenermaßen bin ich mir bei der bayrischen Verfassung nicht sicher, da diese doch sehr konfuse Passagen erhält. Ist das nicht trotzdem großartig? Wie viel parlamentarischen Kauderwelsch sie uns doch damit ersparen, welch Entlastung für das Budget der Bundesrepublik und somit für den hart arbeitenden Steuerzahler! Vive la gendarmerie d'Allemagne!
Von der weiten und großen Güte der Pozilisten, ähh Polizisten, ermöglicht, marschierte am Samstag, den 1. Februar eine Armee aus Pazifisten, Wehrdienstverweigerern und Leuten, die nicht die CSU wählten, apffellos los, um einen großen, unproduktiven Spaziergang durch die Innenstadt zu machen, rund um den Bayrischen Hof herum, in dem die Sicherheitskonferenz der NATO stattfand. „Sicherheit“ steht in diesem Falle für den Beschluss, dass mehr Soldaten Kriegssituationen nur beruhigen können. Ein schreckliches Schauspiel, es zeigte nur die Unkreativität und das Nichtverständnis derer, die dort für das Falsche Fuß vor Fuß setzen. Provokant, aggressiv, gar mit verängstigender Euphorie flatterte eine unübersehbare Welle aus rotem Stoff über der Prozession, und einer Sekte gleich wiederholten sie mit hypnotischem Eifer stumpfe Parolen, Glaubensbekenntnisse an ihren imaginären moralischen Hegemon, den Frieden. Ein reger Austausch der Partizipanten findet unter den wachsamen Augen und Ohren unserer Helfer statt, Flugblätter, Zeitungen, Tabak werden herumgereicht, als hätte man das gepriesene Privateigentum abgeschafft, was in dieser Subkultur der Fall zu sein scheint.
Eine Gesellschaft, die die Schlagworte des alten Bush's, Frieden und Freiheit, verinnerlicht hat und falsch interpretiert. Frieden, das ist in ihren Augen nicht die angestrebte Hegemonie einer Macht, wie es die USA anstrebte, um so die Möglichkeit eines Völkerkonflikts auszumertzen, sondern ein tolerantes Nebeneinander der Gesellschaft. Freiheit ist nicht die aufgezwungene Annahme des Welthegemons, sondern eine Unabhängigkeit der Entscheidung. Hirngespinste, Worte von Menschen, die denken statt glauben. Ich zählte mich zu ihnen. Ich schwenkte provokant, aggressiv, gar mit verängstigender Euphorie eine rote Fahne, und ich statuierte in monotonem Geschrei, gleichklingend mit hunderten, vielleicht tausenden anderer Kehlen Parolen auf die offenbare Falschinterpretation moralischer Werte, auf Menschenleben vor Wirtschaftsinteressen. Und ich verhungerte nicht, auch nicht ohne den Apfel, den ich mir verschlafen in die Tasche packte, als ich mich morgens mit dem Zug auf den Weg Richtung München machte. Mich nennen sie sogar Genosse. Ich bin das, wovor euch die Fernsehprediger und Bildzeitungsredakteure warnen. Mütter, bringt eure Kinder in Sicherheit, damit die nicht in die ausgelegten Fischernetze der Pazifisten geschwemmtwerden. Was bleibt zum Schluss zu sagen? Wir wurden mehrmals angehalten, da irgendwer der 3000 wirklich friedlich Demonstrierenden einen Fuß auf den Gehweg setzte, welcher zu beiden Seiten gepflastert war mit Polizeischlagstöcken. Ein Großteil derer, mit denen man sprach, wurde kontrolliert, obwohl wir unbewaffnet ebenjenen entgegenstanden, die bei einem tatsächlichen fliegenden Apfel 'deeskalierend' eingegriffen hätte. Deeskalationstaktik – Kaltes Wasser kollektiv in die Menge spritzen, um das Vergehen eines einzelnen zu bestrafen, wie dies zum Beispiel in Hamburg sehr wahrscheinlich der Fall gewesen ist. So etwas verstößt nebenbei bemerkt gegen solche Kleinigkeiten wie die Genfer Konventionen.
Nicht das Volk sollte vor dem Staat fürchten, sondern der Staat vor dem Volk. Das ist die Grundidee der Demokratie. Sind wir wirklich so demokratisch, wie es unsere Regierung arrogant in die Kameras strahlt?
Meinen Apfel habe ich übrigens nicht zurückbekommen, wie dies bei Konfiszierungen die Regel ist. Diese dreckigen Sozialisten haben mich enteignet.












