Silke Markefkas Galeristin Dr. Karin Wimmer im Interview
Karin Wimmer, Veit Ziegelmaier und Silke Markefka
Du hast Deine Galerie Karin Wimmer Contemporary Art 2014 in München neugegründet und das zu einer Zeit, wo andere Galerien unter der Last hoher Mieten und steigender Abgaben für den Kunsthandel zugesperrt haben. Was bewegt und überzeugt Dich in diesen doch eher schwierigen Zeiten eine Galerie zu führen. Worin liegen die Herausforderungen und wo siehst Du gerade jetzt Deine Chance?
“Als ich meine Galerie eröffnete, war mir das nicht so bewusst, dass die Zeiten nicht gerade gut stehen, eine Galerie zu eröffnen. Die Kunst war und ist meine große Leidenschaft und ich wollte immer eine eigene Galerie besitzen. Als sich dann 2014 die Möglichkeit ergab, diese Räume in der Amalienstraße in München zu bekommen, habe ich nicht lange gezögert. Was natürlich sehr schade und für die Zukunft bedenklich ist, dass einige Galerien in diesem Viertel schließen mussten. Aufgrund der hohen Mieten gibt es auch wenig junge Galerien. Ein bisschen Bewegung in der Sache würde das Viertel beleben und frischen Wind bringen. Meine Chance sehe ich darin, neue innovative Projekte und Ausstellungen zu organisieren, zum Beispiel habe ich im November einen Artwalk in der Maxvorstadt organisiert. 10 Galerien hatten bis 22 Uhr geöffnet und es gab ein unterschiedliches Programm in den Galerien. Im Frühjahr wird es dann eine Reihe von Ausstellungen mit jungen Akademiestudentinnen/en im Büro der Galerie geben. Dazu werde ich eine Gesprächsrunde “Was macht die Kunst in München" organisieren.”
Als Galeristin ist es ja wichtig, das Werk von Künstlerinnen und Künstler einem breiten Publikum bekannt zu machen und nahe zu bringen. Kannst Du unseren Sammlern hier einen kurzen Einblick geben, wie das in der Praxis aussieht?
“Das Werk von Künstlerinnen und Künstlern einem breiten Publikum nahe zu bringen, ist in der Tat keine einfache Geschichte. Ich versuche durch unterschiedliche Aktionen, Personen für die Kunst zu interessieren und in die Galerie zu bekommen. Im Dezember hatte ich eine Adventskalender-Ausstellung, also jeden Tag öffnete sich ein Türchen im Adventskalender und ein neues Kunstwerk war zu sehen. Zusätzlich hatte ich eine Präsentation im Schaufenster des Büros der Galerie. Dadurch konnte ich wirklich viel Aufmerksamkeit auf meine Galerie lenken. Es ist ja meistens eine Hemmschwelle vorhanden in eine Galerie zu gehen. Ich versuche diese Hemmschwelle abzubauen, indem ich verschiedene Events starte. Auch Eröffnungen dienen dazu, diese Hemmschwellen abzubauen. Bei Eröffnungen sind die Gäste lockerer und entspannter. Meistens stelle ich den Künstler und seine Arbeit kurz vor. Danach trauen sich die Gäste mit dem Künstler in Kontakt zu treten, ihm Fragen zu stellen, mit ihm über seine Arbeiten zu diskutieren. Das freut mich und bestätigt mich in meiner Arbeit als Galeristin.”
Silke Markefka war die erste Künstlerin, deren Werk Du in Deiner Galerie gezeigt hast. Wie habt Ihr Euch kennengelernt und was hat Dich an Ihrer Arbeit sofort fasziniert?
“Silke und ich kennen uns schon sehr lange. Unsere Wege haben sich allerdings wieder getrennt, als ich nach Wien zum Studieren ging. Als ich dann 2007 nach einem Aufenthalt in Italien nach München zurückkehrte, haben wir uns wiedergetroffen, als sie den Bayerischen Kunstförderpreis verliehen bekam. Silkes Werke definieren sich für mich durch ihre Atmosphäre, die sie ausstrahlen. Es ist nicht einfach nur der Lüster oder der Vorhang, den ich sehe, sondern ich sehe einen ganzen Ballsaal, einen Raum oder eine ganze Szenerie. Auch der ästhetische Wert ihrer Arbeiten spricht mich sehr an. Ich bin fasziniert von den unterschiedlichen Serien, von den Archiven, den Vorhängen, den Lüstern, etc. Für mich sind es auch Geschichten, die erzählt werden.”
In der Ausstellung “First" hast Du verschiedene Arbeiten von Silke Markefka gezeigt, darunter auch den monumentalen „Lüster“, der jetzt infolge einer erfolgreichen Kooperation mit Deiner Galerie Teil unserer Gemeinschaftssammlung ist. Silke und Dich konnten wir schnell für Idee von 52masterworks gewinnen. In wie weit ist es für Dich als Galeristin auch ein erfolgsversprechender Weg, mitunter neue Pfade abseits des gängigen Galeriemodells zu gehen?
“Ich denke, es ist enorm wichtig, in der heutigen Zeit neue Wege zu gehen. Als Selbständige muss ich der Zeit voraus sein, daher bin ich für neues immer offen. Allerdings muss natürlich schon eine erfolgversprechende Innovation oder Idee dahinter stecken. Bei 52masterworks war mir sofort klar, dieses Konzept wird funktionieren. Gerade wenn wir uns den monumentalen Lüster vor Augen führen. Für die Sammlung von 52masterworks ist das wirklich eine sehr repräsentative Arbeit von Silke Markefka.”
Mit unserem aktuellen Angebot, das gleich drei Schlüsselwerke von Silke Markefka aus den Serien "Archiv" und "Von Vorhängen" präsentiert, setzen wir die gute Zusammenarbeit weiter fort. Was begeistert Dich als Galeristin und Kunsthistorikerin an diesen beiden Werkgruppen?
“Die Vorhänge haben eine ganz besondere Bedeutung für mich. Sie könnten Relikte einer vergangenen Zeit sein. Eine Reise in die Vergangenheit, der Prozess des Erinnerns spielt für mich hier eine große Rolle. Die Vorhänge verbinden ja auch Gegenwart und Vergangenheit miteinander. Diese Zeitebenen verbindet Silke und übersetzt sie in den Prozess des Malens. In den Archiven ist es das linear Abstrakte, was für mich eine enorme Wirkung erzielt. Auch die Archive erzählen Geschichten, obwohl sie doch sehr abstrakt und neutral gehalten sind. Die Leerstellen inspirieren mich, hier ist der Betrachter gefordert, das Bild selbst zu ergänzen und in seinen Gedanken zusammenzusetzen.”
Gemeinsam mit dem “Lüster” werden bald vier von Silke Markefkas zentralen Werken in unserer Gemeinschaftssammlung vertreten sein und einem neuen Kreis von Kunstinteressierten bekannt gemacht. Damit kann unsere Sammlung einen qualitativ hochwertigen Überblick über Silkes Kunstschaffen bieten. Wie wichtig ist so etwas für den Werdegang und die Entwicklung einer künstlerischen Position?
“Das ist sicherlich sehr wichtig und bedeutend. Denn genau diese Arbeiten stehen repräsentativ für Silkes Schaffen und ihre malerischen Qualität.”
Welche Aktivitäten hast Du mit Silke für das neue Jahr geplant, auf die wir uns gemeinsam freuen dürfen?
“Freuen dürfen wir uns auf die neue Ausstellung im Februar mit Silke, die am 23. Februar eröffnet wird. Es gibt ganz neue Arbeiten aus der Serie "Lüster" zu sehen, sowie Arbeiten aus der Werkgruppe “Ansammlung von Welt”. Das wird sehr spannend werden, ich freue mich auch schon sehr darauf, da die Arbeiten mit dem Titel “Ansammlung von Welt” einen ganz neuen Horizont von Silkes Schaffen zeigen werden. Im Zuge der Eröffnung von Silkes Ausstellung wird in der Galerie das Magazin “Le Hotel” vorgestellt. In diesem Magazin ist Silke mit wichtigen Arbeiten vertreten. Von daher gibt es gleich zwei Ereignisse zu feiern.”








