Kendinden kaç cm uzaktasın? Kendine ne kadar uzaksın?
"...asıl yerininizden kaç santim kaymış olduğunuzu bilmenin ne yararı var ki artık? Emin olduğum bir şey varsa oda nerede olduğum beni o kadar rahatsız etmiyor artık. Artık değil..."
-Skhizein
İzlediğim en anlamlı animasyon filmlerinden biri. Aynı zamanda hüzünlü ve sarsıcı.13 dakikalık bir zaman diliminde şizofren bir bireyin bakış açısı anlatılmış. 13 dakikada harikalar yaratılmış. Ne kadar bir hastalık ele alınsa da insana kendini sorgulama ihtiyacı hissettiriyor. Zira bu durum günümüzde de öyle. Uzağız insanlardan, eşyalardan ve en çok da kendimizden.
Well this is embarrassing but I just found out the director of the short film that inspired me the most during college and the director of the movie that inspired me the most in 2019 are the same person. I know, I don’t understand myself either 🤦🏻♀️
...Anyways, watch ‘Skhizein’ and ‘I Lost My Body’ if you haven’t already!!!
We had to write an essay about an animation short for theory classes. You can read my interpretation down below! I focused on metaphors.
I also posted the video down below, for those of you who haven`t seen it yet :) It`s really good!
Der Kurzfilm von Jérémie Clapin beginnt mit Henri, der seinem Psychiater sein Leid klagt: Henri steht neben sich. 91 Zentimeter neben sich, um genau zu sein. Nachdem man sieht, wie Henri über dem Boden schwebt – 91 Zentimeter neben der Patientenliege, auf der er eigentlich sein sollte – erzählt er, wie er von einem Meteoriten getroffen wurde, der ihn 91 Zentimeter aus der Spur geworfen hatte. Obwohl er versuchte, sich an die Situation zu gewöhnen und sich daran anzupassen, gibt es immer mehr Komplikationen in seinem Leben, denn plötzlich stehen 91 Zentimeter zwischen seiner Perspektive und jeglicher physischen Interaktion mit seinem Umfeld.
In diesem 13-minütigen Animationsfilm erlangt man Einblick in die Gefühlswelt eines Menschen, der versucht mit einer geistigen Krankheit klarzukommen.
Skhizein wurde hauptsächlich von zwei Animatoren gemacht: Von Jérémie Clapin und Jean-FranVois Sarazin. Clapin war der Regisseur und machte alle Modelle und Animationen, sowie das Compositing und das Editing. Sarazin war für die technischen Aspekte, wie zum Beispiel das Rendering, zuständig. Gearbeitet haben die zwei mit 3dsmax und After Effects.1
Skizhein kommt aus dem altgriechischen „schizein“, was so viel wie „abspalten“ heisst. Somit lässt sich leicht darauf schliessen, dass Clapin auf die mentale Krankheit der Schizophrenie hinweisen will. Clapin sagte dazu:
“With Skhizein I felt confident and I felt free to express my individuality, but I started to realise that story is nothing without a good way to tell it. I did a lot of research on schizophrenia, meteorites, meteorite impact, and all this mess put together started to make sense for me. And the picture, the looks, the mood of the film just appeared like that in my mind”.
Eines der weitverbreitetsten Symptome der Schizophrenie ist die Depersonalisierung2. Unter Depersonalisierung versteht man eine Veränderung der visuellen Wahrnehmung, bei der die Betroffenen das Gefühl haben, „neben sich zu stehen“ und die Welt aus einer Perspektive ausserhalb ihres Körpers zu sehen. Clapin visualisiert diese Erkrankung des Geistes auf eine sehr bildliche Weise: Henri steht nämlich auch neben sich. Wortwörtlich. Nur, dass niemand ausser ihm das sehen kann. So reagiert der Psychiater sehr unbeeindruckt und überhaupt nicht besorgt, als Henri ihm sein Leiden erzählt. Diese unberührte Reaktion lässt den Betrachter wissen, dass der Psychiater Henri genau da sieht, wo er sein sollte: nämlich auf der Patientenliege, wie es normal wäre.
Diese Dissonanz zwischen dem, was wir (aus Henris Perspektive) sehen und dem, was der Psychiater, Henris Arbeitskollegen und alle um ihn herum sehen, bildet eine angespannte Atmosphäre, da auch der Betrachter im Dunkeln gelassen wird, was real ist und was nicht.
Jedoch sehe ich diesen Verweis auf die Schizophrenie nicht als die einzige Interpretationsmöglichkeit des „Neben-sich-stehens“. Das „Neben-sich-stehen“ steht meiner Meinung nach auch als Metapher für andere geistige Krankheiten, allen voran, für die Depression allgemein.
Der Meteorit steht hierbei als Metapher für den „Schicksalsschlag“, den Auslöser, welcher die geistige Krankheit auslöst. Das kann zum Beispiel ein tragisches, emotional aufwühlendes Ereignis sein, das unerwartet eintritt, oder der Meteorit steht für die genetische Vorbelastung für Schizophrenie, die unaufhaltbar und unüberwindbar gegen den Träger arbeitet, bis zu dem Tag, an dem der Meteorit die Erde erreicht und die Krankheit auslöst.
Im Film reagiert Henri sehr aufgewühlt und gereizt, als der Psychiater die Worte „Meteorit“ und „Asteroid“ verwechselt, mit Henris anschliessendem, vergeblichen Versuch, den Unterschied zwischen den beiden zu erläutern. Diese Frage schien mir wichtig, weshalb ich recherchierte:
Ein Asteroid ist ein grosser Gesteinsbrocken, der im All seine Bahnen zieht. Ein Asteroid tritt nie in die Atmosphäre der Erde ein, sondern zieht höchstens daran vorbei. Ein Meteorit hingegen nennt man einen kleineren Gesteinsbrocken, der unerwartet auftaucht und tatsächlich auch auf der Erde aufschlägt. Was wiederum Sinn macht, weshalb Henri so aufgebracht reagierte, denn ein Asteroid ist lediglich ein Brocken, der gar nie eine Auswirkung auf die Erde und die Menschheit hat oder haben wird.
Ein Meteorit hingegen wird dadurch definiert, dass er effektiv auf der Erde auftrifft, und so unweigerlich eine Spur hinterlassen muss.3
Und für Henri war es ein Meteorit, denn er spürte die Auswirkungen des Aufpralls. Für alle anderen jedoch war es nur ein Asteroid, nichts weiter als ein Begriff, ungreifbar und unbedeutend. Dies wird auch wieder aufgegriffen mit dem Psychiater, der zu Henri sagt: „Donc, finalement, il n`y a pas eu de dégâts, c`est ça?“ Er sieht den Schaden nicht, den der Meteorit angerichtet hat. Er nimmt Henris Erkrankung nicht wirklich ernst.
Eine weitere Metapher bildet das Schloss „Le-Mont-Saint-Michel“, welches bei acht Minuten und 37 Sekunden das erste Mal im Hintergrund zu erkennen ist.4 Das Schloss in der Normandie steht auf einer Insel, welche bei Ebbe von einer grossen Sandbank umgeben ist, die jedoch bei Flut vollkommen unter Wasser liegt.
Ebbe und Flut könnten die Phasen der Krankheit versinnbildlichen. Manchmal ist die Krankheit beinahe unsichtbar, doch dann kommt sie mit aller Kraft zurück, und ertränkt Henri wieder in den Tiefen seiner Psyche. Nachdem der zweite Meteorit eingeschlagen hat, versinkt Henri auch wortwörtlich im Boden, denn er wurde um weitere 75 Zentimeter (diesmal nach unten) verschoben. Auch hört man die Stimme des Psychiaters plötzlich ganz verzerrt, was auch ein Indiz für das „In-der-Krankheit-ertrinken“ sein könnte.
Schliesslich ergibt sich Henri seiner Krankheit und findet sich damit ab, dass er nicht mehr an seinem Platz ist. Er ruft: „Je suis là! Par ici!“, jedoch sieht man ihn nicht, denn er ist völlig von seiner Krankheit verschluckt worden.
Abschliessend lässt sich sagen, dass das Konzept des „Neben-sich-stehens“ als Metapher für geistige Krankheiten von Jérémie Clapin mehr als gekonnt umgesetzt wurde.
Kritisieren möchte ich jedoch, dass die eine Szene mit dem Teleskop nicht den Gesetzen des „Neben-sich-stehen“ folgt, da Henri genau vor dem Teleskop steht und trotzdem hindurchschauen kann. Würde diese Szene nach denselben Gesetzen agieren wie der Rest des Filmes, müsste Henri 91 Zentimeter zur Seite gehen, um durch das Teleskop sehen zu können. Dieser Fehler (wenn es denn ein Fehler und nicht beabsichtigt ist) hat mich für einen kurzen Moment aus dem Film gerissen. Merkwürdigerweise erschien mir diese Szene unreal im Gegensatz zu den anderen Szenen, obwohl sie den eigentlichen physischen Gesetzen der Welt, wie wir sie kennen, folgt.
Selten habe ich es erlebt, dass ein Gefühl so treffend verbildlicht worden ist. Die Farben, die Musik und die melancholische Stimme Henris ziehen den Betrachter so in Bann, dass man am Ende der 13 Minuten das Gefühl hat, selber auch ein bisschen neben sich zu stehen.
1 Rob Munday, http://directorsnotes.com/2013/03/04/theyareanimators-8-jeremy-clapin/