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"Wir machen einen (kleinen) Spackeria-Kongress: Die 0. Spackeriade will eine Plattform geben für alle, die sich mit Datalove, Kontrollverlust, sozialer Vernetzung, Post-Privacy oder Informationsfreiheit in mehr oder weniger utopischer Art und Weise auseinandersetzen möchten."
_Es gab mal eine Zeit, da war klar, wer Freund und wer Feind ist. Datenschutz war gut, Überwachung war böse. Die Netzcommunity war sich einig - heute ist sie es nicht mehr. Die Uneinigkeit, welche sich zuletzt wieder im Streit zwischen "Spackeria" und "Aluhüten" ausdrückt, ist nicht Ursache, sondern das Symptom einer Veränderung._ -- [Crackpille](http://kinderfresserbar.blogspot.com/2011/08/datenschutz-als-falle.html), 08.08.2011 Sehr schöne Analyse der aktuellen Situation in der Datenschutzbeschreibung. Lesenswert, der ganze Beitrag.
Internet-Exhibitionisten »Spackeria«: Privatsphäre ist sowas von Eighties
Wir müssen uns von der Idee privater Daten im Internet verabschieden, sagt Julia Schramm. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt die Mitgründerin der “datenschutzkritischen Spackeria”, warum der Datenschutz nicht mehr funktioniert und was es mit Post-Privacy auf sich hat. 10.03.2011 ingsgesamt 353 Beiträge > zum Forum
Spackeria zum Zweiten
1. Information ist viral - ein Ausbruch möglich, nicht zwingend. Datenschutz ist einzig temporärer Natur. Seine Wirksamkeit bemisst sich an der Verzögerung Informationen unter Verschluss zu halten. Die Herausforderung an ihn wachsen im selben Maße, wie das Interesse an seiner Umgehung. Funktionierender Datenschutz ist einerseits trügerische Momentaufnahme und andererseits Beleg für mangelnde Bestrebungen ihn auszuschalten.
2. Öffentlichkeit funktioniert nicht binär. Intimität ist eine Komfortzone. Sie zu schützen ist ein Balanceakt auf dem Bindeglied zwischen Partizipation an Gesellschaft und ichbezogener Autarkie. Mit jeder Bezugsperson gewinnt - in deren Diskretion zu erbringendes - Vertrauen an Gewicht. Das Risiko zur unfreiwilligen Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion, aber die Chance zur erwünschten Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion.
3. Wahrheit ist formbar und relativ. Ich denke also bin ich also hinterlasse ich Spuren. Ich kann die Intensität, die Ausrichtung und die Interpretationen beeinflussen, nicht aber die Existenz der Auswirkungen meines Handelns und meiner Kommunikation. Die informationelle Selbstbestimmung bedarf wachsend mehr Aufwand. Hilfreich, aber nicht garantierend, sind bewusste Nutzung von Transparenz, Nebelkerzen und digitales Thai Chi. Wer um die Möglichkeiten beobachtender Instanzen weiß, kann unter dem Radar tanzen oder pragmatisch drauf scheissen - im Idealfall selektiv.
4. Trau, Schau, Wem. Die Natur der Daten und ihr Schutz wecken Begehrlichkeiten. Technische Möglichkeiten und Verknüpfungen wollen genutzt werden. Die Interessen reichen von Verwertung über Kontrolle bis hin zu Schädigung. Die dafür benötigte Information wird freiwillig übergeben, aufgezwungen abgefragt, mit großen Aufwänden erlangt oder gar künstlich erzeugt. Mangels funktionierendem Schutz, bietet sich eine gesellschaftliche Fokusverlagerung an: Schaffung strikter und realitätsnaher Regeln für Datenverwendung und eine Ahndung von Verstößen. Der Retourkontrolle spielt ein wichtiger Aspekt in die Hände: Punkt 1 und folgliche Leaks.
5. Ninjas und Schwärme Unerkannte Spaziergänge und Kritzeleien auf den Klowänden des Internet bleiben trotz oder gerade wegen der vorigen Ausführungen möglich. Wer sich geschickt bewegt oder in Schwärmen untertaucht profitiert von nicht enden wollenden Datenzuwächsen - jede Information emanzipiert sich irgendwann von ihrem Urheber. Die resultierenden Vor- und Nachteile sind eine Herausforderung für die Gesellschaft und das Individuum. Frei nach F. C. Oetinger bedarf es der Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht zu ändern sind; den Mut, Dinge zu ändern, die änderbar sind; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Mobbing und üble Nachrede sind kein digitales Problem, das Netz ist einzig ein weiteres Transportmittel. Im Großen und oftmals Positiven widerum wird kein Machtkörper durch Regulation und Mechanismen dafür sorgen können, das Kritik, Protest und Meinung stummgeschaltet wird. Die Emanzipation der kleinen Sender ist unabwendbar.
Spackeria...loser Wortmüll
Ich wage einen Tanz zwischen den Fronten im Datenschutzdilemma. Hierbei möchte ich meine Sympathie für die Spackeria nicht verhehlen, wenngleich ich deren überspitzten Forderungen als das bewerte was sie sind: Denkanstöße. Seit einigen Jahren lehne auch ich mich immer weiter aus dem Fenster und "riskiere" Öffentlichkeit - auch, aber nicht nur - im Internet. Ich begann mit Pseudonymität durch Nicknames, die sich im Laufe der Zeit immer näher an meine bekannten Rufnahmen annäherten und kommuniziere mittlerweile immer häufiger mit Klarnamen. Wiedererkennbarkeit und die Möglichkeit eine klar zuzuordnende Kommunikation - auch im RL - führen zu können waren die ersten Gründe, desweiteren geht es auch darum eine "eigene" Identität und Reputation zu erarbeiten. Die Spackeria lenkt ihren Fokus auf digitale Naturgesetze, die Eigenschaften von Daten. Liquide wie Quecksilber lassen diese sich nur mit größter Mühe einsperren - 100%iger Schutz aber bleibt unerreichte Zielvorgabe. Vielmehr wiegt ein vorgeblicher Schutz in falscher Sicherheit und zeigt bei Veröffentlichung sensibler Daten, wie naiv Menschen dazu neigen einige Daten überhaupt erst zu erstellen. Die Erstellung von Daten ist der erste Schritt, weg von Schutz, hin zu Öffentlichkeit. Es zeigt sich immer mehr, dass die Erstellung nicht einmal selbsttätig vollzogen werden muss. Heutzutage ist jeder ohne freies Zutun zeitgleich potentieller Paparazzi und "Opfer" von Veröffentlichungen. Schlussendlich sehe ich in der Existenz der Spackeria vor allem die Verdeutlichung eben dieser Umstände. Alles kann öffentlich werden, so es interessiert - Schutzvorkehrungen bieten lediglich Verzögerung, wenn überhaupt. Und doch ist niemand nackt und wehrlos ausgeliefert. Denn nichts ist so egal und wandelbar wie die eigene Identität. Keine Identität ohne Perspektiven, ohne subjektive Bewertungen, ohne Gesamtheit der vorhandenen Informationen und ihr Zusammenspiel. Wer ist Sascha Lobo? Laut Google erfahre ich auf 339.000 Websites, was sich hinter diesem Namen verbirgt. Die Wahrheit wohl kaum, die bleibt relativ, subjektiv und tatsächlich egal. Jeder Furz des noch so kleinen Neiders, Fanboys und ihm selbst findet sich irgendwo im digitalen Raum. Aus dieser Melange lässt sich vielleicht ein Destillat dessen erzeugen, was er AUCH ist, aber eben nicht Alles. Ein einzelner Mensch erzeugt in seinem Leben derart viele Informationen, dass er selbst nicht in der Lage ist, seine Identität ohne Relevanzverdrängung zu erfassen und auch dieser Restwert bleibt einzig eines: subjektiv. Was Sascha Lobo indes beweist, ist ein neuer Weg des Datenschutz. Quasi-Anonymität durch Informationsüberfluss. Einzelinformationen über seine Person, haben eine geringe Halbwertszeit oder gehen direkt unter in der Überdosis auszuwertender "Fakten". Hinzu kommt der schon vorhandene digitale Radiergummi, der Zeitstempel. An welchem Ort Sascha Lobo, am 23.05.1991 war, lässt sich vielleicht ansatzweise sicher herausfinden, ist aber für seine heutige Existenz von nebensächlicher Bedeutung. Das Datenschutzsystem á la Lobo, geht noch weitere Wege. Validität von Information ist schwer nachzuweisen. Traue keiner Selbst- und keiner Fremdveröffentlichung - alles nur Schein. Und wenn sein Twitteraccount morgen den Beitritt zu Scientology verkündet... who knows but him? Dazu der haufenweise Bullshit zahlreicher Identitätsanmaßungen, die Verwirrung ist perfekt. Und doch ist ein Sascha Lobo greifbarer, als manch Kellerkind mit Pseudonym - bis zum Zeitpunkt einer Zwangsveröffentlichung. Heimlichkeit weckt Begehrlichkeiten, nach einer Enttarnung, ist das schickste Pseudonym nur mehr ein Garant von Rückverfolgbarkeit. Wobei auch hier der "Wahrheitsgehalt" von Information, dieselbe Nähe abbildet, die ein WoW-Avatar mit seinem Spieler haben dürfte. Halbechte Anonymität lässt sich nur durch Langeweile erzeugen, durch Diskretion mittels Passivität. Ein Mensch der lediglich sein vegetatives Nervensystem benutzt, erzeugt keine beachtenswerten Daten, gewinnt aber auch nicht sonderlich viel Spaß am Leben. Veröffentlichte Saufbilder hingegen, beweisen zumindest die vorhandene Chance, dass hinter der digitalen Information, ein menschlicher Erzeuger steckt. So den 200 volltrunkenen Randalebildern ausreichend "Positivinformationen" gegenüberstehen, dürfte ein Arbeitsplatz dennoch realistisches Ziel bleiben. Was die Gesellschaft gerade lernt, ist die Erkenntnis, dass ein besoffener Charlie Sheen aus dem September 2010, durchaus ein vermögender Entertainer im Mai 2011 sein kann. Momentaufnahmen beschreiben Momente, nicht mehr. Öffentlichkeit ist unser Preis, für die emanzipierte Teilnahme an der Gesellschaft, als Sender, Störer und Partizipant. Der Kontrollverlust hinterlässt einen so ohnmächtig, wie man ihn zu verstehen weiß. Begreift man die eigene Öffentlichkeit als Image, weiß man aus Schulzeiten, wie man damit umzugehen hat. Mobbing und Gerüchteküchen einerseits und aktive Kurskorrektur andererseits ergeben zumindest eine Annäherung an die gewünschte Außenwirkung seinerselbst. Kotze ich jeden Tag auf den Rathausplatz, ist meine Reputation schwerer zurückzuerobern, als kellnerte ich jeden Tag in der Caritas. Alles ist Nichts ist Alles, Spackeria lehrt einzig und allein, dass man sich dessen bewusst sein muss.
Manchmal müsse man halt krawallig auftreten, um die eigene Position rüberzubringen, sagt Julia Schramm. Das ist ihr gelungen. Was ist privat, was öffentlich? Wer sich bei Facebook anmeldet, liefert alle seine Daten freiwillig der Öffentlichkeit aus. Auf diesen Punkt bringen es die Anhänger der neuen „Post-Privacy“-Bewegung. Die junge Politikwissenschaftlerin hat mit einem Interview bei „Spiegel Online“ im März eine Welle der Empörung ausgelöst, einen „Shit storm“, wie es in der Netzsprache heißt.
"Was ist privat, was öffentlich?" veröffentlicht auf dem Südkurier
Spackaria, Datenschutz und das Internet - Einspruch TJ
“
Ich sehe es ähnlich, das Datenschutz zwar wichtig ist, aber das man in machen Bereichen, insbesondere im Umgang mit dem Internet [... ]und den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ wie Facebook man sich entweder darauf einlassen muss das es Datenschutz im Sinne des BDSG [...] verzichten muss, da das NETZ nicht (oder kaum) vergisst.
”
TJ Tobias Grömcke - Auf eigenem Blog Mai 2011
Einspruch Pirat, soll PostPrivacy die Lösung sein, nur weil wir zu faul oder zu dumm sind Lösungen für Datenschutz zu finden ? Die Aufgabe von Grundrechten soll die Lösung sein dafür, daß wir es nicht schaffen Datenschutz auch in sozialen Netzwerken zu verankern ? Nicht wirklich oder ? Wer ist den gefährlicher Konzerne oder Staaten kurz vor der Pleite - wenn nicht die Kombination aus Beiden.
TJ, nicht falsch verstehen, wenn Ihr Euch nackig machen wollt in sozialen Netzwerken, bei Payback, Apple oder Google nur zu, aber macht aus Eurer Entscheidung nicht die von denen, die darauf keine Bock haben. Datenschutz muß nicht, diejenigen schützen, die freiwillig Ihre Daten veröffentlichen, sondern die, die das nicht wollen und vor allem die Unwissenden.
Dein hehrer Wunsch, daß Informationen, die im Netz sind, nicht gegen die Person verwendet werden ist und bleibt Wunschdenken.
Du hast Recht, das Netz vergisst nicht und das ist auch gut so, deswegen müssen Firmen, wie auch Staaten zu striktem Datenschutz gezwungen werden. Die Alternative ist, daß sich Menschen, die sich nicht nackig machen wollen, ausgegrenzt werden - und das wollt Ihr nicht wirklich.