Erste, noch sehr theoretische Begegnung mit Alexa
Ich habe in letzter Zeit – unter anderem in der Techniktagebuchredaktion – häufiger von physischen Sprachassistenten gehört, die man sich in die Wohnung stellt. Besonders gut aufgepasst habe ich dabei nicht, weil mir das Konzept, zu reden, wenn man auch schreiben könnte, schon bei Menschen nicht einleuchtet. Aber vielleicht wäre es ja was für meine Mutter, denn sie sieht immer schlechter und konnte noch nie schnell tippen.
Ich suche bei YouTube nach einem Video, mit dessen Hilfe ich ihr demonstrieren kann, was ich meine, und merke dabei, dass ich selber keine Ahnung habe, was es da gerade eigentlich gibt: Alexa, irgendwas von Google, irgendwas von Amazon, irgendwas namens Echo und eventuell irgendwas namens Dot, aber das könnten fünf verschiedene Dinger oder ein einziges sein, und ob mehr als eines davon Deutsch spricht, weiß ich auch nicht.
Meine Suchfaulheit und die YouTube-Vorschläge führen dazu, dass ich nach ein paar Fehlklicks auf Videos mit langwierigem Auspacken von Geräten bei einem NDR-Video lande, in dem Alexa vorgestellt wird.
Gemeinsam sehen wir das Video an. Alexa spricht ein schlechteres, abgehackteres Deutsch, als ich angenommen habe, aber vermutlich würde man sich daran gewöhnen. Die vorgestellten Verwendungen sind für mich alle irrelevant: Ich wünsche mir nie die 100-Sekunden-Version der Tagesschau, ich frage nie, wie das Wetter draußen ist, einen Weg zur Arbeit habe ich nicht, Mathehausaufgaben muss ich nicht machen, Musik höre ich auch keine, und wenn ich es täte, dann bestimmt nicht auf Zuruf einzelner Titel. Die Dinge, die ich kaufe, sind selten so eindeutige Routinebestellungen, dass Alexa dabei nichts falsch machen könnte. Letztlich habe ich sowieso fast immer ein Gerät in der Hand.
Die Mutter macht beim Zuschauen gelegentlich anerkennende Geräusche, sagt aber am Ende, dass sie “nicht so vernetzt” sein möchte und ja auch “gar nicht immer im Internet” ist. Was sie mit dem zweiten Einwand meint, ist mir nicht klar, vielleicht ist das noch ein Relikt von früher, als man sich einwählen musste. Die Vorstellung, zu Alexa sagen zu können “Alexa, wo sind meine Fingermassageringe?” (eine der am häufigsten gestellten Fragen in diesem Haushalt, gleich nach “Wo ist meine Brille?”) gefällt ihr aber gut. Ob Alexa solche Fragen beantworten kann, vielleicht, nachdem man ihr beim Ablegen der Brille gesagt hat “Alexa, ich lege meine Brille aufs Fensterbrett im Keller”, weiß ich auch nicht. “Das schau ich mir lieber erst mal bei euch an”, sagt die Mutter abschließend. Mich meint sie damit nicht, weil sie nie nach Berlin kommt. Ich darf also weiterhin schriftlich mit dem Internet in Verbindung treten.