Ala.ni: My wishes were heard: soon in the Studio 672, Cologne, the jazz place too be!

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Ala.ni: My wishes were heard: soon in the Studio 672, Cologne, the jazz place too be!
Glück im Unerwarteten
Ich startete heute mit einer schlechten Stimmung in den Tag, eine Stimmung, die mir schon eine Weile anhaftet. Später am Abend stand ich in einem kleinen Konzertraum und wartete auf den Mann des Abends, als mein Blick auf den Beamer viel. Dieser war in einer urwitzigen Konstruktion mittels Drähten und Kabelschnürern an der viel zu niedrigen Decke befestigt, um Geschichten untermalende Bilder an einer kleine Leinwand zu werfen.
Als ich diese Konstruktion betrachtete, dachte ich daran, dass die meisten Künstler ohne Hilfe von Unterstützern nicht fähig sind zu leben. Musiker haben ihre Roadies, die einen Großteils ihres Lebens darauf verwenden, anderen Künstlern zu helfen, damit diese sich voll auf ihre Erzeugnisse konzentrieren können. Ich dachte an den Menschen, der vermutlich noch vor einer Stunde auf einem wackelnden Barhocker gestanden hatte, um einen Beamer anzubringen, der später Bilder an einer Leinwand werfen sollte, die uns Konsumenten zeigen, was der verrückte Mensch auf der Bühne ganz genau meint, wenn er von “der Mitte im Nirgendwo ohne Europe, Muslims, Homosexuals and black people” spricht.
Und ich dachte an “Vincent”, jenen Roman, der mir wie kein anderer damals einen anderen Blick auf die Verbindung zwischen Leiden und Kunst gab. Und wer das Buch noch lesen möchte, soll nun überlesen was ich hier schreibe, denn “Vincent” ist kein angenehmer Roman. Vincent wird zum Künstler erzogen, weil er entsprechende Tendenzen zeigt und wird dabei sein halbes Leben von einem Betreuer begleitet, der ihm in den schlimmsten Zeiten der einzige Freund ist. Die Wahrheit ist jedoch nicht so einfach. Der Betreuer ist Freund und Feind. Er sorgt für alles was die Kunst voran treibt, und da Kunst nicht nur schön ist, sondern aus großen Emotionen und oft Qualen erwächst, sorgt er für Vincents Unglück. Er sorgt für Unglück, um zu gewährleisten, dass Vincents Kunst andere erreicht und mit Glück erfüllt. Er stellt also das Glück vieler vor das Glück dessen, der es vielleicht am meisten verdient hätte.
Worauf ich hinaus ist; William McCarthy ist für mich auf eine Art und Weise Vincent und Betreuer zugleich. Er steht auf der Bühne und erzählt mal mehr mal weniger glaubwürdig über sein Leben. Er schmückt die Geschichten aus und erntet Lacher, Lacher aus denen er selbst ein wenig Freude zieht. Anerkennung vielleicht, eine Art Stolz auf sich. Und er erzählt mal ruhig und behutsam, mal laut und reißerisch, um dann kurz inne zuhalten und mit einem Song anzuschließen, der auch über etwas ganz anderes hätte sein können und sich doch so wunderbar wunderbar wunderbar in die gerade gehörte Geschichte einfügt.
Wenn er von seiner Zeit in Kalifornien erzählt , seiner Arbeit in einem Bagel Shop in einer kriminellen Stadt, uns seine Unfähigkeit zu arbeiten schildert und uns erklärt, dass nur ein Freund ihn davor bewarte gefeuert zu werden und dabei Gelächter erntet, weil er so lebhaft die Situationen schildert, um dann die Geschichte behutsam aufzubauen und das Publikum langsam in den Abgrund zu führen, der hinter jede Ecke des Lebens lauert. Denn das Leben ist keine Sitcom und der Freund wird angeschossen und stirbt an seinen Verletzungen, die er erhalten hat, weil William keine Nachtschicht mehr übernehmen wollte und gefeuert wurde - nur 5 Tage zuvor. Ein Lebewohl bleibt den beiden verwehrt, McCarthy im Gefängnis statt im Krankenhaus, und erst am morgen nach dem Tod seines Freundes auf freiem Fuß, zieht die Schlussfolgerung: “I needed to actually leave California” und folgende Zeilen anstimmt, die mir sofort die Tränen in die Augen treiben:
ya gotta let go let go of all your ghosts ya gotta let go or more will come around
Wenn McCarthy das tut, opfert er ein Stück seiner Selbst für uns.
Er spaltet sich in Gags, in Anekdoten, in tragische Geschichten und wunderbare Töne. Neben seinem lauten Geschichten bleiben die leisen Untertöne in seinen Liedern, den herzerwärmenden Texten, der Träne in seinem Augenwinkeln und der Flasche Wein, die sein ständiger Begleiter bleibt.
Und indem er das tut, eröffnet er uns Gefühle und Geschichten, die uns verändern. Darbietungen einer Seele, wie er es versteht, sie zu zeigen, bewirken vor allem eines bei mir:
Sie erwärmen mein Herz.
Chris Pureka at Studio 672 (Stadtgarten) in Cologne, Germany @chrispureka #ChrisPureka #Studio672 #Stadtgarten #Cologne #Köln