Umstellung von Polamidon 20 mg (+Beikonsum Heroin ca. 1,25g 10%) auf Substitol >300mg
Vorwort: Ich werde jetzt auf Substitol (ret. Morphin) eingestellt. Endlich bin ich das beschissene Pola los. Zweimal komplett bis auf null runterdosiert, jeweils von 3ml und 5ml und einmal von 7ml auf 4ml, á 0,5% Levomethadonlösung mit anschließendem (gescheitertem) Therapieversuch und Rückfall.
Beim ersten Mal war das ganze zwar unangenehm, aber schon nach etwa zwei Wochen durchgestanden, da war ich allerdings auch erst etwa 3 Monate auf Pola. Therapie hielt ich damals noch nicht für nötig, bzw. wahrscheinlich wollte ich einfach nur schnell wieder nach Hause und weiterkonsumieren...
Beim zweiten Mal und auf 5ml waren es schon ein knappes Jahr in Substitution und der Entzug war furchtbar. Ich habe bei etwa 1,5-0 ml 6 Tage am Stück nicht geschlafen und bin in ein totales Loch gefallen. Es hat damals mehrere Wochen gedauert, bis der körperliche, und sicherlich 3 Monate bis der psychische Entzug und eine schwere depressive Phase inklusive Suizidversuch vorbei waren. Die Therapie hatte ich damals nach kurzer Zeit abgebrochen, weil es mir so mies ging und die Rahmenbedingungen in der Einrichtung auch einfach nicht passten.
Beim dritten Mal habe ich versucht, über drei Monate die mittlerweile 7ml Polamidon während einer Therapie auszuschleichen, was anfangs auch gut geklappt hat. Zwar sind kurz nach Beginn, wie gewohnt meine Borderline-Symptome wieder aufgetaucht, wie sie es immer tun, wenn ich beikonsumfrei bin. Allerding hat die Therapie mir gut gefallen, da auf mich eingegangen wurde und der Entzug zunächst natürlich auch nicht so schlimm war, weil ich nur sehr langsam meine Dosis reduzierte. Bei 4ml angekommen hatte ich jedoch einen Rückfall und wurde nach ewigem Hin- und Her dann nach Hause geschickt, wo ich selbstverständlich wieder regelmäßig Heroin nahm, weil es mir psychisch sehr schlecht ging, vor allem weil ich mal wieder am selben Punkt angelangt war.
Dadurch, dass ich dann wieder so viel Beikonsum hatte und deshalb natürlich nach kurzer Zeit wieder mit meiner Polamidon-Dosis (4ml) nicht mehr auskam und dadurch immer mehr Heroin nebenhermahm (Teufelskreis), wurde mir, wie vorher auch immer, dazu geraten, mein Pola wieder höher zu dosieren, obwohl ich ja eigentlich ganz davon weg wollte.
Ich wurde dann darauf aufmerksam, dass meine Substitutionspraxis (bisher als einzige in meiner Stadt) alternativ zu Polamidon, Methadon und Subutex auch Substitol anbietet. Ich hatte davon vorher schon gehört und war sofort daran interessiert und begann mich im Internet und in Bibliotheken zu informieren. Schlussendlich war ich davon überzeugt, dass Substitol (über 24h wirksames Morphinsulfat) für mich und wahrscheinlich für viele andere sehr viel besser als Substitutionsmittel geeignet ist als Polamidon. Dadurch, dass es chemisch gesehen dem Heroin sehr viel ähnlicher ist als die herkömmlichen Substitionsmittel, errechne ich mir hohe Chancen, einerseits meinen Beikonsum zu verringern und dadurch das ewige Aufdosieren des Substituts bei gleichzeitigem Entgiftungs-und Therapiewunsch zu vermeiden und auf der anderen Seite, tatsächlich irgendwann mal komplett clean zu werden, ohne Substitionsmittel und ohne diesen sinnlosen Kampf wie beim Polamidon. Denn der Entzug vom Morphin dauert wie der vom Heroin nur 4 bis maximal 7 Tage, danach wahrscheinlich noch ein paar Wochen emotionales Tief, aber entsprechende rückfallprophylaktische und psychotherapeutische Maßnahmen mit eingerechnet, könnte das ganze, glaube ich, ganz gut klappen.
Ich bin jetzt den zweiten Tag auf Substitol bei 300mg. Gestern hatte ich initial nur 100mg bekommen; meine Ärztin ist da sehr vorsichtig, da Substitol halt noch kaum verbreitet ist in Deutschland und es deshalb auch nicht wirklich viele Erfahrungswerte diesbezüglich gibt. Ich war gestern und besonders heute morgen noch sehr entzügig, weshalb ich noch etwas Beikonsum hatte. Ab morgen werde ich dann nochmal um 100mg erhöhen, weil ich jetzt gegen Abend auch wieder leicht entzügig werde. Da meine Ärztin glücklicherweise dieses Wochenende bei der Vergabe ist, kann ich dann im Notfall auch Samstag und Sonntag die Dosis ändern.
Bisher merke ich vor allem die leichte antidepressive Wirkung des Morphins und dass ich teilweise (z.B. im Bus) leicht in einen opiattypischen "abgeschirmten Dämmerzustand" komme. Heute Nachmittag habe ich dann erst mal zwei Stunden geschlafen. Diese sedierende Wirkung hatte ich bei Polamidon wirklich nur ganz selten und im höherdosierten Bereich. Da ich ja teilweise immer noch Entzugssymptome habe, sind 300mg für mich aber ja noch wenig und ich werde sicherlich noch bis 500mg hochdosieren, bin also gespannt, wie sich die Wirkung bis dahin entwickelt und wie ich langfristig mit dem Substitol klarkomme. Bin aber definitiv hoffnungsvoll und werde berichten, wie es mir in nächster Zeit ergeht.