21. März 2017
Das Buch redet in die falsche Richtung
Vor drei Monaten schenkte ich den Eltern ein Amazon Fire Tablet, vorgeblich, damit sie eBooks lesen können, aber insgeheim hoffe ich darauf, dass sich das Tablet als kabelloses Skype-Gerät etabliert. Es ist der erste Teil eines langangelegten Plans, der darauf hinausläuft, die Eltern ans mobile Netz zu gewöhnen. Leider kommen bald nach Silvester die Klagen. Skype ginge zwar, aber man hört gar nichts. Ich versuche, fernmündlich zu klären, wo denn die Lautstärke angestellt werden kann, scheitere aber und verschiebe das Ganze auf den nächsten Besuch.
Mit dem Gerät in der Hand wird mir innerhalb von zwei Minuten klar, dass die Lautsprecher an sind, aber vom Plastikschutzmantel des Gerätes geblockt werden. Es fehlt irgendwie ein Loch im Mantel, durch das die Töne nach außen dringen können. Es dauert nur eine weitere Stunde, dann habe ich mit Hilfe von Messer, Zange und Schleifpapier das passende Soundloch in die rote Plastikhülle geschnitzt. Es sieht so aus, als hätte eine Maus an der Tablet-Rinde genagt. Am Ende dieser Stunde wird mir dann auch endlich klar, dass die Löcher schon drin sind, aber auf der anderen Seite. Ich drehe das Tablet in der Hülle um, und das Gerät redet laut.
Es kam überhaupt nur zu dem tragischen Fehler, weil ich das Tablet so in die Hülle eingelegt hatte, wie man ein Buch in den Umschlag legt, also mit dem Deckel nach links öffnend. Jetzt sieht es aus wie ein rechtsöffnendes Buch, mit dem man skypen kann. Lesen kann man mit dem Tablet sowieso nicht, weil man nicht richtig im Buch rumblättern kann, zitiere ich mal sinngemäß die Besitzer.
(Aleks Scholz)














