Heute in diesem Theater: TKKG observieren Wespe und Schalavsky bei einem Date
Karl fühlte sich nicht ganz wohl bei dem, was sie taten.
Ja, ihre Mission war nominell eine edle - aber das waren sie ja immer. Trotzdem fühlte es sich irgendwie falsch an, Wespe bei einem Date zu überwachen. Aber wenn Tim sich erstmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es fast unmöglich, ihn davon abzubringen, also saßen sie zu viert beim Italiener und warfen immer wieder vorsichtige Blicke durch den Raumteiler aus Pflanzen zu einem Tisch in einer Nische ganz hinten.
An dem Wespe gerade Kommissar Schalavsky irgendetwas in der Speisekarte zeigte.
Das war nämlich die Crux an der Sache.
Kommissar Glockner hatte beiläufig erwähnt, dass Wespe und Schalavsky wohl eine Beziehung führten - was er als ihr Vorgesetzter eigentlich unterbinden müsste, wo er jedoch bereit war, ein Auge zuzudrücken.
TKKG hatten natürlich ihren Ohren nicht trauen können. Wespe, der immer witzig war, von Dienstvorschriften nicht viel hielt und schon beinahe als ihr Ehrenmitglied zu zählen war, mit Kommissar Schalavsky, der gegen Spaß allergisch zu sein schien und ihnen seit Jahren nicht anders als mit grimmiger Missbilligung begegnete?
Sofort hatte Tim geschlossen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
Am Vormittag hatten sie Wespe unter einem Vorwand im Präsidium besucht, und Tim war in seiner direkten Art gleich mit der Tür ins Haus gefallen.
Hatte gefragt, ob Schalavsky irgendetwas gegen Wespe in der Hand hatte, ihn unter Druck setzte, womöglich erpresste.
Zunächst hatte Wespe es als Scherz behandelt, wie üblich ein paar Sprüche von sich gegeben, doch als Tim nicht nachließ, deutlich wurde, dass es ihnen ernst war, hatte Karl zum ersten Mal in seinem Leben Wespe ernsthaft verstimmt erlebt. Der Inspektor hatte sie zweimal darauf hingewiesen, dass sie ihm entweder einfach glauben oder ihn in Frieden lassen sollten, und sie dann ungewöhnlich unfreundlich aus seinem Büro komplimentiert.
Karl und Klößchen hatten dafür votiert, Wespes Aufforderung zu folgen. Sollte tatsächlich in der Beziehung etwas im Argen liegen, wusste Wespe, dass er sich an sie wenden konnte. Und wenn dem nicht so war, dann hatte er ein Recht auf seine Privatsphäre.
Aber Tim war nicht überzeugt gewesen.
Über ihren Vater hatte Gaby erfahren, dass Wespe und Schalavsky für den Abend eine Verabredung geplant hatten, und der Vorschlag, TKKG sollten vielleicht mal einen neuen Italiener ausprobieren, hatte nicht lange auf sich warten lassen.
Nun saßen sie also hier, einen Teil ihrer Aufmerksamkeit auf das Angebot gerichtet, den anderen auf den Tisch in der Nische. Beobachteten, ohne etwas hören zu können, wie die beiden sich unterhielten, wie sie bestellten. Natürlich hätten sie alle zu gerne gelauscht, doch an dem einzigen Tisch, an dem das eine Option gewesen wäre, wären sie zu gut sichtbar gewesen.
Sie bestellten selbst, spekulierten neugierig über die Getränke, die Wespe und Schalavsky bekamen - bei Wespe war es ziemlich offensichtlich eine Cola, bei Schalavsky war die Sache nicht ganz so eindeutig. Klößchen beharrte darauf, dass es sicherlich Mineralwasser war, denn der sieht immer aus, als würde er sich nichts gönnen; Gaby zog Zitronenbrause in Betracht und verwarf den Gedanken gleich wieder; Karl tendierte zu Tonic und Tim schloss sich ihm an, auch wenn Karl das Gefühl hatte, dass Tim vor allem keine bessere Idee hatte.
Ihre eigenen Getränke und das Essen lenkten sie ein wenig ab - nicht zuletzt, weil es im Endeffekt nicht wirklich etwas Spannendes zu beobachten gab. Abgesehen davon, dass die Ecke, in der sie saßen, vielleicht ein wenig zu schummrig war, deutete nichts ausdrücklich darauf hin, dass es mehr war als zwei Kollegen, die nach der Arbeit schnell etwas essen gingen.
Allein das löste jedoch auch Diskussionen aus.
"Papi sagt doch, dass Schalavsky generell ein zurückhaltender Typ ist", gab Gaby zu bedenken. "Mich würde eher wundern, wenn sie sich wie Turteltauben benehmen würden."
"Trotzdem", hielt Tim dagegen, "Wespe ist definitiv nicht zurückhaltend, da ist es doch schon komisch, dass von ihm auch so gar nichts ausgeht, oder?"
"Vielleicht tut er es Schalavsky zuliebe." Darüber hatte Karl tatsächlich schon nachgedacht, seit sie sich gesetzt hatten. "Schließlich ist Queerness in unserer Gesellschaft immer noch nicht vollkommen akzeptiert, und nur weil Wespe offen damit umgeht, bedeutet das nicht, dass Schalavsky auch gewillt ist, seine Sexualität öffentlich zu zeigen. Gerade als jemand, der seine Privatsphäre schätzt-"
"Ich finde jedenfalls, dass das da drüben ganz harmonisch aussieht", stellte Klößchen fest.
Karl lehnte sich ein wenig näher zu ihm, um besser durch die Grünpflanzen spähen zu können. Und er musste zustimmen - gerade erzählte Wespe angeregt etwas, gestikulierte mit der Gabel voll Lasagne, während Schalavsky sein eigenes Essen vollkommen vergessen zu haben schien, Wespe nur ansah mit einem Lächeln, das Karl überhaupt nicht von ihm kannte. Ein Lächeln, das auf dem Gesicht von Kommissar Schalavsky vollkommen fehl am Platz wirkte, seine Züge weich machte, und Karl intensiv das Gefühl gab, etwas zu beobachten, das nie für seine Augen bestimmt gewesen war.
Dass Tim nicht sofort reagierte, sprach bereits Bände. "Wusste gar nicht, dass Schalavsky lächeln kann", murmelte er schließlich.
"So sieht er ja sogar ganz ansehnlich aus", befand Klößchen um einen Bissen Pizza herum. "Mehr wie ein Mensch und weniger wie eine Vogelscheuche."
"Zumindest wenn man auf hager und bebrillt steht", erwiderte Gaby. "Was Wespe ja eigentlich nicht tut, wie Karl uns vorhin dargelegt hat."
Klößchen zuckte mit den Schultern und beinahe fühlte Karl sich ein wenig schlecht dabei, dass seine Recherche das Misstrauen Schalavsky gegenüber noch genährt hatte. Aber es stimmte - er war alle Ex-Partner:innen von Wespe durchgegangen, von denen sie wussten, und es blieb Fakt: Schalavsky passte einfach nicht ins Bild.
Abwesend stocherte Karl in seinen Nudeln und warf noch einen Blick zu den beiden Kriminalisten hinüber. Wespe kaute, nun war es Schalavsky, der redete, und gerade, als Karl hinsah, sagte er offenbar etwas Witziges, da Wespe sich die Hand vor den Mund hielt, um beim Lachen nicht sein Essen auszuspucken. Wer hätte das gedacht - dass Kommissar Schalavsky lustig sein konnte.
Für eine Weile beschränkten sie sich auf gelegentliche Blicke, aßen, unterhielten sich zur Abwechslung über die Wochenendpläne, über die sie sich noch nicht ganz einig waren. Denn Klößchen legte vehement Einspruch gegen die von Tim vorgeschlagene Fahrradtour ein und Karl hatte, wenn er ganz ehrlich war, auch nicht unbedingt Lust, sich den gesamten Samstag abzustrampeln.
Mit jedem Blick, den er nebenbei durch den Raumteiler warf, war er sich zudem sicherer, dass sie von Anfang an auf dem Holzweg gewesen waren.
Wespe und Schalavsky bestellten Nachtisch, und Klößchen tat es ihnen gleich.
Tiramisu für Wespe (und Klößchen), Kaffee für Schalavsky. Übertrieben theatralisch pantomimte Wespe Genuss, und halb rechnete Karl damit, dass er tatsächlich jeden Moment anfangen würde, Schalavsky mit seiner Gabel etwas von dem Nachttisch anzubieten. Doch Wespe begnügte sich damit, dem Kommissar die Kuchengabel so lange auffordernd hinzuhalten, bis der sie mit einem Lächeln und einem Augenrollen nahm und ein wenig probierte.
Klößchens Frage, woher eigentlich das Wort "Tiramisu" kam, lenkte Karl ab. Und vielleicht war es auch besser so - je öfter er zum anderen Tisch hinüber sah, desto unangebrachter fühlte es sich an. Sie hätten wirklich Wespes Aufforderung Folge leisten sollen.
Aber zumindest schien diese Observation Tim zwar nicht glücklicher mit der Sache zu machen, jedoch wenigstens sein Misstrauen zu verringern. Wenngleich gegen seinen aktiven Widerstand.
Das Gespräch am anderen Ende des Raums wurden offenbar noch ein wenig leiser, so, wie sich die Köpfe weiter einander näherten, und Karl konnte Klößchen nur zustimmen. Es sah wirklich harmonisch aus, egal wie groß der visuelle Unterschied zwischen den beiden war. Und vor allem wirkte es ganz selbstverständlich, beiläufig, natürlich; nicht so, als würde auch nur einer von ihnen etwas vorspielen.
Irgendwann ließen sie sich die Rechnung bringen, und wenn Karl die Gestik und Mimik richtig interpretierte, bestand Schalavsky darauf, zu zahlen, und wollte keinen Widerspruch gelten lassen.
Kaum war der Kellner wieder verschwunden, schaute Wespe sich um - hinter den Grünpflanzen zogen sie alle vier unwillkürlich die Köpfe ein - bevor er für einen Moment nach Schalavskys Hand griff, ihn flüchtig auf die Wange küsste.
Karl war sich nicht ganz sicher, was für ein Gefühl es war, das bei dem Anblick in seiner Brust zog. Aber wenn alles so war, wie es sich darstellte, dann freute er sich ehrlich für die beiden.
Inzwischen hatte Gaby den Kellner auf sie aufmerksam gemacht, denn bestenfalls sollten sie gehen, bevor Wespe und Schalavsky das taten. Ob sie dann die Observation fortsetzen oder abbrechen wollten, war eine Diskussion für den Parkplatz.
Allerdings ließ sich der Kellner Zeit - vielleicht, weil er von Jugendlichen kein Trinkgeld erwartete. Hinten in der Ecke zog Schalavsky seinen Trenchcoat an, und half dann - Karl traute seinen Augen kaum - tatsächlich Wespe in die Jacke. Der Effekt wurde zugegebenermaßen ein wenig davon geschmälert, dass es sich um eine feuerwehrrote Lederjacke handelte. Dennoch zählte die Geste, und Wespe schien das ebenso zu sehen, so, wie er Schalavsky anlächelte.
Als die beiden zum Ausgang steuerten, versuchten TKKG, sich so klein und unauffällig wie möglich zu machen. Mit ein wenig Glück waren Wespe und Schalavsky ohnehin genug miteinander beschäftigt, um sie zu bemerken, doch Karl war sich nur zu bewusst, dass sie es mit Polizisten zu tun hatten.
Sobald sie gezahlt hatten, verließen auch sie das Restaurant.
"In welche Richtung sind die beiden?", fragte Gaby und sie sahen sich um.
"In gar keine", kam eine vertraute, knurrige Stimme aus den Schatten neben einem geschlossenen Sonnenschirm.
Schalavsky und Wespe traten ins Licht, beinahe identisch strenge Ausdrücke auf den Gesichtern. Der von Wespe machte allerdings irgendwie mehr Eindruck, einfach, weil er nicht ohnehin grundsätzlich so schaute. Gleichzeitig wirkte etwas an ihm falsch, ohne sein Grinsen.
"Ich kann nicht glauben, dass ihr uns tatsächlich beschattet habt!", schimpfte er. "Ich weiß ja, das ihr Nervensägen gar nicht anders könnt, als euch in Dinge einzumischen, aber das geht echt zu weit!"
"Wir haben nur-", setzte Tim an, um sofort unterbrochen zu werden.
"Wenn du jetzt sagst, dass ihr nur mal ein neues Restaurant ausprobieren wolltet, ist das die dreisteste Lüge, die du je erzählt hast", fiel Wespe ihm ins Wort. Und du hast schon so einige dreiste Lügen erzählt, schwang ungesagt mit, doch ohne den Humor, mit dem Wespe solche Vorhaltungen normalerweise unterlegte.
"Ich bin ja so einiges von euch gewohnt", mischte sich nun Schalavsky ein. "Aber dass ihr mir wirklich zutraut, Wespe zu zwingen-"
Karls Augenbrauen zuckten in die Höhe, er wechselte einen Blick mit Gaby und Klößchen (nicht mit Tim, der war damit beschäftigt, den Kommissar böse anzustarren). Bisher hatte Schalavsky Wespe in ihrer Gegenwart noch nie anders als Inspektor oder Kollege Bienert genannt.
Tief holte Tim Luft und eilig ergriff Karl das Wort - denn er wusste genau, wenn Tim jetzt erneut den Mund aufmachte, würde Schalavsky endgültig explodieren.
"Nichts für ungut, aber Sie sind doch eine starke Abweichung vom Muster", erklärte Karl.
Gleichermaßen irritiert sahen Schalavsky und Wespe ihn an.
Ohne Zögern rekapitulierte er die Daten, die er sich am Nachmittag angesehen hatte. "Zehn Beziehungen in den letzten zehn Jahren, von denen Wespe uns erzählt hat und/oder die über Social Media nachvollziehbar waren. Sechzig Prozent Frauen, dreißig Prozent Männer-"
Wespe unterbrach ihn. "Sechzig Prozent und dreißig Prozent? Deine Rechnung geht nicht auf, Computer." Sein Ärger schien ein wenig verflogen zu sein, was Karl schon als Erfolg wertete.
Er unterdrückte ein Lächeln. Irgendwie hatte er gewusst, dass diese Frage kommen würde. "Ich habe mir erlaubt, in diesem Fall Mathilde auszuklammern, die zwar eine Frau ist, das aber erst ein Vierteljahr nach eurer Trennung festgestellt hat."
Während Wespe mit den Schultern zuckte als wollte er sagen "Fair", runzelte Schalavsky die Stirn.
Karl gab ihm keine Gelegenheit, etwas einzuwerfen. "Achtzig Prozent Menschen in sozialen Berufen, neunzig Prozent mit hellem Haar - blond oder rot, hundert Prozent maximal zweieinhalb Jahre jünger oder älter, hundert Prozent mit mindestens einem sichtbaren Piercing oder Tattoo und mindestens einem, im Schnitt eher zwei bis drei, aktiven, gruppenbasierten Hobbys" - Schalavsky schien anzusetzen, etwas zu sagen, aber Karl hob die Stimme und fuhr fort - "denen sie regelmäßig nachgehen." - mit einem "Hmpf" sackte Schalavsky wieder in sich zusammen - "Außerdem hatten siebzig Prozent mindestens ein Haustier und-"
Stöhnend winkte Wespe ab. "Danke, Karl, es reicht! Das ist ja gruselig, wie viel ihr über mich wisst! Ich habs verstanden, er ist eigentlich nicht mein Typ."
Bei den letzten Worten zuckte Schalavsky, als hätte ihn jemand geohrfeigt. Er wandte den Kopf ab, versuchte unübersehbar seinen Gesichtsausdruck zu verbergen.
Beinahe gegen seinen Willen hatte Karl Mitgefühl mit ihm. Und nach dem, was sie die letzten zwei Stunden beobachtet hatten, war er froh, noch eine letzte Statistik in der Hinterhand zu haben, die er nun ausspielen konnte. "Vielleicht ist das allerdings auch ganz gut", stellte er fest. "Immerhin haben alle diese Beziehungen im Schnitt nur ungefähr 7,3 Monate gehalten." Er bemerkte noch eine Auffälligkeit und zögerte nicht eine Sekunde, sie zu teilen. "Unter sechs Monaten, tatsächlich, wenn man Angelika herausrechnet, die, Achtung, dunkelbraune Haare hatte und für eine Wachschutzfirma gearbeitet hat. Und übrigens auch keine Haustiere hatte."
Neben Karl unterdrückte Klößchen ein Prusten - verständlich, so überrascht, wie sowohl Wespe als auch Schalavsky aus der Wäsche guckten. Einen Moment länger starrten sie Karl an, dann einander, wussten offenbar nicht ganz, was sie mit dieser Information machen sollten.
Karl zog es vor, keinen weiteren Kommentar abzugeben. Er hatte gesagt, was er zu sagen gehabt hatte.
"Also, Wespe, musst du zugeben, dass es ein wenig unerwartet kam", mischte sich an seiner Stelle Gaby ein. Und anders als Tim am Vormittag schaffte sie es, es tatsächlich so klingen zu lassen, wie es gemeint war. Denn sie hatten sich ja wirklich nur Gedanken um ihren Freund gemacht.
Zwei Sekunden vergingen, dann seufzte Wespe. "In Ordnung, ich erkenne an, dass ihr euch lediglich Sorgen um mich gemacht habt", erklärte er. "Auch wenn ihr dabei ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen seid." Seine Mundwinkel zuckten. "Aber das ist ja nichts Neues. Seid ihr jetzt wenigstens zufrieden?"
KKG nickten augenblicklich - Tim brauchte noch einen Ellenbogenstoß von seiner Freundin, ehe er widerwillig zustimmte.
"Dann trollt euch nach Hause", wies Wespe sie an, aber er tat es wieder mit dem gutmütigen Spott, den sie von ihm gewohnt waren. "Denkt nicht mal dran, uns weiter zu beobachten, denn was wir jetzt noch vorhaben ist definitiv nicht jugendfrei." Sein Zwinkern verriet ganz genau, was er meinte.
Was dazu führte, dass Schalavsky schlagartig rot wurde, woraufhin sich Gaby und Klößchen unübersehbar ein Grinsen verkneifen mussten. Karl hatte sich etwas besser unter Kontrolle, während Tim so aussah, als würde er gerade sehr konzentriert an rosa Häschen oder so etwas denken.
Fröhlich lachend legte Wespe einen Arm um Schalavsky und wollte ihn mit sich ziehen.
Nach einem Schritt machte der sich jedoch los, wandte sich noch einmal um. Sein Blick fand Karl und er nickte zum Parkplatz hinüber. "Komm mal bitte kurz mit."
Überrascht schaute Karl zu seinen Freunden, zuckte mit den Schultern und folgte der Aufforderung.
Schalavsky hatte die Augenbrauen zusammengezogen, die kurzfristige Verlegenheit nach Wespes Spruch war verdrängt worden von seinem üblichen, leicht missbilligenden Ausdruck. Er trat ein wenig zur Seite, schickte mit ein paar geflüsterten Worten Wespe offenbar schon mal zum Auto, bevor er Karl näher winkte.
Neugierig sah Karl ihn an. Was kam jetzt? Lag es an seinem Monolog? Sonst hatte er schließlich nicht mehr ausgefressen als seine Freunde, sich nicht großartig anders benommen als sie, oder?
Für einen Moment musterten sie sich nur gegenseitig. Dann öffnete Schalavsky den Mund, schloss ihn wieder, setzte erneut an. "Weißt du auch so viel über mich?", wollte er schließlich wissen, ganz leise, die stumme Sorge kaum zu überhören.
Schnell schüttelte Karl den Kopf. "Nicht im Entferntesten", erwiderte er. "Sie sind online so unbeschrieben, wie man es in der heutigen Zeit überhaupt sein kann, und da Sie normalerweise ja nur mit uns reden, um uns aus dem Büro zu werfen, hätte ich auch sonst wenig Ansatzpunkte."
Noch einen Augenblick länger starrte Schalavsky ihn an, und halb rechnete Karl mit einem Donnerwetter. Stattdessen lachte Schalavsky. Laut und ungeniert, wie Karl es noch nie von ihm gehört hatte.
Unwillkürlich musste er ein Lächeln unterdrücken. Anscheinend tat Wespe dem griesgrämigen Kommissar ja wirklich gut.














